Wie ich Schalker geworden bin

Marcus Brauer bestritt sein erstes Spiel als königsblauer Fan im August 1991 im Parkstadion. Der Jugend entwachsen, unterschrieb er zehn Jahre später seinen Mitgliedsantrag bei den Schalkern. 2006 schlug seine große Stunde: Schalke 04 gab ihm einen Stammplatz in Block 74 in der Arena. Abwerbeversuche anderer Vereine blockt er stets ab: „Schalke 04 ist mein Verein. Wenn der Club weiter auf mich setzt, bleibe ich noch sehr lange hier. Heimat ist wichtiger als Geld!“

Wie aus dem kleinen Marcus ein großer Fan der Königsblauen wurde, damals in der grauen Vorzeit, als die Top-Teams noch in der Pfalz oder an der Weser daheim waren und Deutsche Fußballstars lieber in Italien als sonstwo kickten. (Außer auf Schalke natürlich, aber die nehmen ja nicht jeden, ne!)


Mein Vater ist Schalker und immer wenn ich damals als Kind alle zwei Wochen bei ihm war, erzählte er immer irgendetwas von Schalke. Kein Besuch verging, ohne dass Schalke irgendwie erwähnt wurde. Was mich damals nach einiger Zeit sehr nervte. Ich interessierte mich einfach nicht für Fußball. Das änderte sich während der Weltmeisterschaft 1990 in Italien. Ich war 9 Jahre alt und ich realisierte erstmals, dass es da wirklich um etwas geht. Und jeder sprach davon. Irgendwann im Laufe des Turniers wurde meine Neugier immer größer und ich wollte nun auch selbst ein Spiel der deutschen Mannschaft sehen. Es war bereits das Halbfinale. Nach meinem zweiten Spiel war Deutschland bereits Weltmeister. Sensationell! Der Fußball hatte mich gepackt. Aber zunächst war ich nur Fan der Nationalmannschaft; Vereinsfußball ließ mich auch weiterhin weitestgehend kalt.

Aber gut, Länderspiele sind seltener und irgendwann wurde mein Verlangen nach Fußball immer größer und ich landete zwangsläufig nach circa einem weiteren Jahr auch in der Bundesliga. Als mein Vater mein Interesse bemerkte, muss dass für ihn ein sehr spezieller Moment gewesen sein. Jedenfalls präsentierte er mir das damals aktuelle Sonderheft des „Kicker“. Und mich interessierte wirklich nur ein einziges Mannschaftsfoto: Das von Schalke. Schalke war im Prinzip der einzige Verein, den ich kannte, durch die ständigen Erzählungen meines Vaters und durch den Wimpel am Rückspiegel in seinem Auto, der mich schon ein Leben lang begleitete. Und man hat zwangsläufig mal so neben bei von den Bayern aus München gehört, weil die immer Deutscher Meister wurden.
Die Saison 1991/92 begann und Schalke war als Aufsteiger auch endlich wieder in der Ersten Liga angekommen. Mein Vater plante, mich nun auch zu einem Spiel ins Parkstadion mitzunehmen. Er gab mir den Spielplan und ich sollte mir ein Spiel aussuchen, zu dem wir fahren würden. Realistisch, wie ich damals schon gedacht habe, suchte ich mir einen etwas schwächeren Gegner aus, da ich dachte, dass Schalke – gerade erst aus der Zweiten Liga aufgestiegen – gegen die Top-Teams wie Bayern, Bremen, Kaiserslautern oder Köln (das waren damals wirklich noch Top-Teams) wohl verlieren würde. Und ich wollte meine Mannschaft bei meinem ersten Stadionbesuch natürlich siegen sehen. Ich entschied mich für das Spiel gegen den 1. FC Nürnberg. Stirnrunzeln bei meinem Vater: „Also gegen Nürnberg ist irgendwie schlecht.“ Schnelles Blättern im Wandkalender. „Nee, gegen Nürnberg kann ich nicht.“
„Weißt du, zu welchem Spiel wir am besten fahren? Hier, gegen Dortmund fahren wir hin.“
Damals noch nicht ahnend, was Dortmund für ein Gegner ist und was dieses Spiel für eine Bedeutung hat, entgegnete ich nur enttäuscht: „Gegen Dortmund? Da verlieren wir doch….“
Egal, mein Vater hatte gesprochen und so fuhren wir zum Spiel gegen Dortmund ins Parkstadion. 70000 Zuschauer, ausverkauftes Haus, so etwas hatte ich noch nie erlebt. Als erstes mussten wir erstmal zur Fanbude, weil ich ja noch etwas brauchte, um mein Team auch standesgemäß anfeuern zu können. So wurde eine Schalke-Schirmmütze mit dem Parkstadion drauf mein erster Fanartikel. Die musste ich aber auf dem Weg zu unserem Platz noch in Vaters Tüte verstecken, „weil die Dortmunder klauen immer alles“, so mein Vater. Er wurde darüber hinaus nicht müde, jedem zu erzählen, dass ich ja heute zum ersten Mal da bin. Egal, ob es unser Sitznachbar, der Kartenabreißer oder der Kreisel-Verkäufer war.
Ich weiß nicht, ob er es auch unserer Mannschaft erzählt hat. Jedenfalls fegte die junge Schalker Truppe um einen glänzend aufgelegten Ingo Anderbrügge eines der Bundesligaspitzenteams mit sage und schreibe 5:2 aus dem Stadion! Was für eine Stimmung, was für ein Erlebnis!!
Heute repräsentiert Schalke für mich das gesamte Ruhrgebiet und somit einfach meine Heimat. Ich glaube, es gibt für mich einfach keinen besseren Club.

„1904 Geschichten“.
Die Bitte geht an Alle: wenn ihr etwas habt aus über 100 königsblauen Jahren, etwas Wahres und/oder Interessantes über Schalke, das ihr teilen wollt, Erlebnisse die erinnernswert sind oder ganz einfach Schilderungen, wie es war, wie man sich Eintrittskarten besorgte, wo in der Glückaufkampfbahn, dem Parkstadion oder der Arena man „daheim“ war, wie man dahin kam und wie es da zuging, oder was auch immer vielleicht jemand, der Schalke nur vom Fernsehen oder aus der Zeitung kennt, nie oder niemals wirklich wissen kann – aber vielleicht sollte – schickt mir (matthias.berghoefer[at]web.de) einfach eure Texte, Dreizeiler oder halbe Romane und egal wie’s mit Rechtschreibung aussieht. Klar erkennbar muss sein, ob es sich um eine wahre Geschichte handelt oder um einen Prosatext, also einen konstruierten, erfundenen, der etwas Bestimmtes ausdrücken will in Bezug auf den FC Schalke 04.
Wichtig ist natürlich auch, dass ihr kein Problem damit habt, dass euer Text hier, und vielleicht auch irgendwann mal in einem Buch, veröffentlicht wird – natürlich unter eurem Namen, oder einem „Pseudonym“ falls euch das aus irgendeinem Grund lieber ist.
1904 Geschichten sind eine Menge Holz. Ich bin mal gespannt.

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