Na und….

Frank aka Rubber-Duck, geboren in GE, hat das Schalke-Gen spätestens mit der Muttermilch aufgenommen. Schalke fasziniert, fesselt, ärgert ihn und lässt ihn auch nach zahllosen Anfällen von Enttäuschung nicht los – was ihn sehr freut. Und er findet, „sein Schalke“, das repräsentiert am besten Herbert „Aki“ Lütkebohmert: Stutzen unten, Trikot dreckig, die Mähne zerzaust und völlig ausgepumpt – bei all seiner Klasse, leider öffentlich nie wirklich gebührend gewürdigt. Bescheiden im Wesen, im Auftreten authentisch, ein ehrlicher Malocher. Eben „Der Schalker“.

Es gibt noch andere Schalker, große Schalker, denen die gebührende Würdigung versagt wird – eigentlich kaum zu glauben, aber wer versteht schon die… ach, lest selbst.


Es ist Samstag, früher Abend, Schalke hat gerade ein Heimspiel gewonnen, und meine Frau und ich sind dabei, uns Ausgeh-Fertig zu machen. Zielort wird der Pub eines Hotels in der City von Buer sein. Unsere Freundin Petra ist dort Chefin und viele unserer Bekannten nutzen dies als Treffpunkt.

Ungefähr 19.04 Uhr +1,5 Stunden, die Frisur sitzt, geht es zum Boliden, der schon sehnsüchtig darauf wartet, dass die Pferde losgelassen werden. Ab geht es von Resse aus nach Buer. Sanft aber mit purer Entschlossenheit bringt uns der Stern ans Ziel. Parkplatz direkt vor der Tür – nach dem Sieg unserer Helden in königsblau der nächste Silberstreif am Horizont, und es sollte noch besser kommen. Aber eins nach dem anderen.

Bolide eingeparkt, den Sitz von Frisur und Kleidung nochmal gecheckt – alles tutti-paletti. Auf geht es in die Stätte der samstäglichen Glückseligkeit. Drinnen herrscht, wie nach Schalke Spielen üblich, reges Gedränge und allenthalben sieht man erhobene Gläser sich zu prostender Schalker, die Stimmung ist bestens, die Bedienungen rasen durch die Menge und verteilen reichlich Erfrischungsgetränke.

Der erste kleine Wermutstropfen. Unser „Stammplatz“ am Tresen, der Ort der schnellstmöglichen Beglückung für die Kehle, besetzt. Zum Glück haben unsere Bekannten schon ein kleines Fleckchen reserviert und gegen allzu stürmische Eroberungsversuche von in königsblaue Gewänder gehüllte Personen verteidigt. Immerhin ein solider Stehplatz. Sitzen ist eh für`n….

Es gilt Bussi Bussi, Hallo und da seid ihr ja. Unsere Freundin Petra winkt über den Zapfhahn hinweg zu uns und deutet an, dass es gleich was zu trinken gibt. Es ist von Vorteil, wenn man die Chefin persönlich kennt. Verdursten ausgeschlossen.

Die Zeit zieht ein wenig ins Land – nach und nach wechselt das Publikum, die ersten Fans der Knappen ziehen Sieges- und Gerstensaft trunken von dannen, das eigentliche Abend-Publikum erobert die frei werdenden Plätze. Nur unser Stammplatz bleibt hartnäckig besetzt.

Der Pub füllt sich immer mehr, man kann kaum mal ein paar Meter weit gucken wer da noch zugegen ist, als mich plötzlich meine Frau anstößt und mit leicht irritiertem Blick darauf hin weist, dass Rudi Assauer genau dort steht, wo sonst unsere Körper dem Pub ihren Glanz verleihen. Unser Rudi, er kennt Petra auch, kehrt gern mal hier ein, nuckelt an seinem Gläschen Rotwein; übrigens hat er mir an einem anderen Abend damit mal im Überschwang seiner Erzählung meine Haare und den Pullover bewässert; unterhält sich angeregt mit einigen Personen um ihn herum.

Hinter ihm erkenne ich das satte königsblaue Leuchten eines Schalke Trainings-Anzugs. Ich denk noch so vor mich hin, könnte glatt ein Spieler sein, vielleicht einer der Ersatzkicker. Da höre ich meine Frau leicht entsetzt sagen „der Typ neben Rudi sieht aus wie ein Penner, rennt hier am Abend im Trainings-Anzug rum, die Haare völlig zerzauselt und unrasiert, der sieht unmöglich aus.“ Freundin Petra (noch eine Petra) pflichtet ihr eiligst bei. Ich werde hellhörig, recke meinen Kopf genau zu der Stelle und ich meine genau in diesem Augenblick den Schein des Heiligen aufsteigen zu sehen, als ich das Gesicht dessen erkannte, der dort, im Trainings-Anzug, mit zerzauseltem Haar und unrasiert an einem Pilsglas nippte.

Es war „Er“, der leibhaftige, der Meister. Ja, Jiri Nemec stand da neben unserem Rudi, schaute so interessiert und aufmerksam in die Runde wie in den Momenten, wenn Reporter ihn nach einem Spiel zu einem Interview bitten wollten. Ich bin erst einmal völlig baff, den Meister inmitten unseres Pubs zu erleben und muss dann ein ernstes Wort an meine Frau richten.

Mit bohrendem Blick schaue ich sie an und sage: „Weißt Du eigentlich, wer das ist?! Das ist der Meister, das ist Jiri Nemec von Schalke!“. (an dieser Stelle sei erwähnt, dass außer Huub und Rudi bei meiner Frau niemand namentlich hängen geblieben ist). Meine Frau schaut mich verständnislos an und entgegnet mir lapidar. „Na und, der sieht trotzdem aus wie ein Penner.“ Ich schüttele den Kopf, würdige meine Frau keines weiteren Blickes, für mindestens 1 oder 2 Minuten, brummele vor mich „da steht hier unser Meister und meine Frau guckt nur wie der aussieht. Typisch Frau“….

Während Rudi lebhaft Geschichten erzählt, zahlreiche Hände schüttelt, ein paar Autogramme auf Bierdeckel kritzelt, sitzt Jiri immer noch mit unverändertem Gesichtsausdruck auf das Pilsglas gerichtet und harrt der Dinge, die da bald kommen mögen, um ihn von diesem Pulk Menschen zu befreien. Man merkt, dass dies nicht seine Welt ist, aber zum Glück sind die umstehenden Personen so respektvoll und
lassen ihn weitestgehend in Ruh. Wenig später schleicht ein sichtlich erleichterter Meister, im Wissen endlich hier raus zu dürfen, im Schlepptau von Rudi zum Ausgang und verschwindet in den Samstag-Abend.

Während ich noch zufrieden lächelnd das Erlebte in meinem Kopf abspeichere, höre ich meine Frau und Freundin Moni im Duett sagen „endlich sind die weg und wir können auf unseren Platz“

„Pppfft, Weiber“, denke ich nur……

„1904 Geschichten“.
Die Bitte geht an Alle: wenn ihr etwas habt aus über 100 königsblauen Jahren, etwas Wahres und/oder Interessantes über Schalke, das ihr teilen wollt, Erlebnisse die erinnernswert sind oder ganz einfach Schilderungen, wie es war, wie man sich Eintrittskarten besorgte, wo in der Glückaufkampfbahn, dem Parkstadion oder der Arena man „daheim“ war, wie man dahin kam und wie es da zuging, oder was auch immer vielleicht jemand, der Schalke nur vom Fernsehen oder aus der Zeitung kennt, nie oder niemals wirklich wissen kann – aber vielleicht sollte – schickt mir (matthias.berghoefer[at]web.de) einfach eure Texte, Dreizeiler oder halbe Romane und egal wie’s mit Rechtschreibung aussieht. Klar erkennbar muss sein, ob es sich um eine wahre Geschichte handelt oder um einen Prosatext, also einen konstruierten, erfundenen, der etwas Bestimmtes ausdrücken will in Bezug auf den FC Schalke 04.
Wichtig ist natürlich auch, dass ihr kein Problem damit habt, dass euer Text hier, und vielleicht auch irgendwann mal in einem Buch, veröffentlicht wird – natürlich unter eurem Namen, oder einem „Pseudonym“ falls euch das aus irgendeinem Grund lieber ist.
1904 Geschichten sind eine Menge Holz. Ich bin mal gespannt.

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Eine Antwort zu “Na und….

  1. Ich wette bei deiner Frau ist auch „Ebbe Sand“ namentlich hängen geblieben!? 🙂
    Glückauf,
    Verona.

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