Vierfach

“Rienzi“ lebt in Stuttgart und denkt sich mal dies mal das.

Vier Texte, entstanden zwischen „Hoffenheim“ und Rückrundenbeginn.


Hoffenheim (Oktober 2014)

Hin aus stuttgart nach mannheim, sie dort abgeholt. Zurueck nach sinsheim, traumwandlerisch schmiddys parkplatzempfehlung verpasst. Deswegen eine stunde staustand, dann nach mannheim, dann nach stuttgart. Mehr als froh, dieses autogehoppel hinter mir zu haben.
Das spiel nix rechtes. Die jungens sensationell. Bestes auswaertssingen. Schalkes fussball laedt zur teilnahmslosigkeit ein.

(Endergebnis: Hoffenheim-Schalke 2:1)

Leverkusen (Oktober 2014)

1) Sie faulen sehr oft, fast immer ungeschickt. Oft und vor allem dann, wenns zeit kostet, die nicht da ist.
2) Sie moegen keine ueberzahl. Sicher mehr als zehn minuten zusammengenommen einer mehr: aber please keinen hauch einer eigenen chance.
3) Keine paesse, keine sprints. Dann wirds schwierig.
4) Sie spielen so: bis auf eine sekunde haben wir immer ein unentschieden gehabt.
5) Netteste fahrt hin und zurueck.
6) Schoen ist, dass ich mirs anschauen kann.
7) Huntelaar ist zu oft am markieren. Ayhan gibt den beckenbauer 40 jahre zu spaet, vielleicht noch n zacken ruhiger. Neustaedter schliess ich mich an. Obasis schuhakt war unverstaendlich, als einzig auffaelliges von ihm.
Faehrmann spielt immer nach links den abschlag, nach rechts nur, wenn draxler auch da steht. Schoen all in all.
8) Ist ja klar, ist mein verein, unveraenderbar. Aber so ne darbietung macht keinen spass.
Teilnahmslosigkeit faerbt ab.

(Endergebnis: Leverkusen-Schalke 1:0)

Auf kohle geboren, hydrate verspeist: Freiburg (November 2014)

Es war eine unruhige zeit. die unruhe habe ich potenziert. Am samstag ists so: sky habe ich neu gekauft, das fussball sehen in den sogenannten skybars macht mich elend melancholisch. Ich lese viel an diesem tag, unter anderem das, das ich behalten will: ‚bei der frage nach der entstehung kultureller modernitaet kommt der figuerlichen kunst ganz besondere bedeutung zu: sie ist eine der entscheidenden gradmesser. Eine gemeinschaft, die figuerliche darstellungen anfertigen kann, duerfte auch in der lage gewesen sein, ihr soziales handeln zu organisieren und mit symbolischen inhalten zu beleben. ‚
Die mannschaft laeuft ein und hoewedes macht ein gesicht. Ich bin sowat von entschlossen, zu allem kampf bereit, aufs aeusserste gespannt: das soll er mir sagen wollen, und anderen auch. Verkoerpern aber ist was anderes. Das sieht so aus: arme nach hinten, drei meter dem gegenspieler entfernt im moment der ballabgabe dann doch die arme ausfahren, das ganze koerperunglueck, so deasvouiert unorganisiert und ausgeschlossen, lenkt den ball ob arm ob was weiss ich dem dem freiburger direkt vor die fuesse: ein einfaches tor.
Ich stell mal um auf konferenz. Na, wie immer, ist langweilig, weil fussball eben doch mit schalke zu tun hat. Ich wasch salat, ich mach eine sosse, ich ess das. das spielfeld ist so eng, wenn schalker drauf stehen, bei anderen spielen sieht das groesser aus. die bewegungen sind so langsam; im nirwana zwischen zeitlupe und einem doch leicht spuerbaren erregungsimpuls hin zum laufen changiert oder erstarrt die mannschaft. Ich schneid tomaten, besorg noch ne chili schote im haus, knoblauch, pfeffer, salz, das kocht ganz schoen vor sich hin. Ein bier aus dem gartenhaus, nein vier, der abend ist ja lang. Ich lese und lese, zwei buecher, die sich ineinander fuegen aufs verrueckteste. Das nudelwasser, 250 g spaghetti hinein, das ganze schmeckt zusammengeruehrt gegart gekocht genauso, wie ichs mir vorgestellt habe. Ich habe hunger wie so lang nicht mehr. Ich esse und esse, alles auf. Das spiel geht zu ende, das zweite tor sah ich in irgendeiner wiederholung, zum piepen. Das ist im eigenen strafraum schon recht, so voellig ungewiss zu sein, was mit dem ball denn sein soll. Diesmal: ein unengagiertes unbeteiligtes eigentor, das der freiburger schiessen darf. Schalke turnt ab. Komische ungute erregungslosigkeit bei dem, was sonst so zuverlaessig aufruehrte. Ich glaub schon, dass es von dem verein ausgeht. Haben alle sowas maskenhaftes.

(Endergebnis: Freiburg-Schalke 2:0)

Winterpause – 20150125

Wenn man frau auf der tastatur schreibt, kann schon mal grau herauskommen

Ich mag baeume gern und die buesche auch. Ich mag sie im winter und im sommer. Gegen baeume hab ich gar nichts. Und graffitis in leschede mag ich auch.

Am schoensten find ich die paar pferde auf den weiden und die paar autos unter den bruecken

Vorhin war ich im zug in lingen. Davor wars haren, davor leer. Ich sitze die beine hoch in einem viererblock und seh den backstein, immer so nuechtern aufeinander als haus, hier am bahnhofsgebaeude fast maurisch ornamental und mit rundbogenfenstern. Dann wieder der carport. Solid und fuer viele fahrraeder auch

Die buecherhaufen vom voelker sind wie backsteine

Hinter mir reden so laut die jungen leute. Sie leben immerhin. Wie das da draussen in den hausansammlungen ist, wag ich nicht zu sagen. Und husch bin ich in salzbergen

Nach muenster inzwischen in einem andern zug denk ich an schalke. Reflexhaft geh ich in den block 5. Das ausgeschriebene lamento ist auf dem berry schwer zu lesen, ist eh schwer zu lesen. Ich bin so ewig schalke zugetan, ich erinner mich an die westerholtstrasse in bochum, die grosse fussballwiese vor dem haus, das leben auf dem land in bochum fuer vier jahre. Die blauen so kratzenden acrylstutzen um 1967, mein trikot, die traenen um schalke in gladbach, der feste schuss meines vaters, der lebhaft in erinnerung bleibt. Tut nicht mehr weh, noe, aber ist so gut zu erinnern. Bald also geht’s wieder los, das naechste wochenende gegen hannover. Ich freu mich drauf.
Der zug erreicht in kuerze bochum. Das herz schlaegt sofort hoeher. Damit hatte ich jetzt noch gar nicht gerechnet. Meine stadt. Ich versuchte mal herauszufinden, wann ich im parkstadion war. Schalke gegen bochum. Helmut kremers schoss mit einem freistoss das zweite tor, war gerade eingewechselt und ging sofort verletzt nach dem tor wieder raus. Ich hab saemtliche schalke spiele der 70er jahre gegen bochum nachgelesen, in keinem passierte sowas. Aber ich habs gesehen. Ich weiss, wo ich stand, wo kremers stand, in welche hoehe und ecke der ball flog.

Das ruhrgebiet sieht so aus wie die norddeutschen haeuser. Aber hier bin ich aufgewachsen, gross geworden, hier ist irgendwie alles schoen.

„1904 Geschichten“.
Die Bitte geht an Alle: wenn ihr etwas habt aus über 100 königsblauen Jahren, etwas Wahres und/oder Interessantes über Schalke, das ihr teilen wollt, Erlebnisse die erinnernswert sind oder ganz einfach Schilderungen, wie es war, wie man sich Eintrittskarten besorgte, wo in der Glückaufkampfbahn, dem Parkstadion oder der Arena man „daheim“ war, wie man dahin kam und wie es da zuging, oder was auch immer vielleicht jemand, der Schalke nur vom Fernsehen oder aus der Zeitung kennt, nie oder niemals wirklich wissen kann – aber vielleicht sollte – schickt mir (matthias.berghoefer[at]web.de) einfach eure Texte, Dreizeiler oder halbe Romane und egal wie’s mit Rechtschreibung aussieht. Klar erkennbar muss sein, ob es sich um eine wahre Geschichte handelt oder um einen Prosatext, also einen konstruierten, erfundenen, der etwas Bestimmtes ausdrücken will in Bezug auf den FC Schalke 04.
Wichtig ist natürlich auch, dass ihr kein Problem damit habt, dass euer Text hier, und vielleicht auch irgendwann mal in einem Buch, veröffentlicht wird – natürlich unter eurem Namen, oder einem „Pseudonym“ falls euch das aus irgendeinem Grund lieber ist.
1904 Geschichten sind eine Menge Holz. Ich bin mal gespannt.

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