Weltmeister

Walter Schauer lebt in München, hatte aber trotzdem bis vor kurzem immer eine Dauerkarte für die Arena auf Schalke. Fürs Parkstadion brauchte er keine, “da war ja meistens Platz genuch”, sagt er.

Weil’s grad so gut passt: Eine kleine persönliche Historie der Schalker Weltmeister(schaften).


„Kopfball…. Abgewehrt…. Aus dem Hintergrund müßte Klodt schiessen….“

Aber Berni Klodt stand an diesem regnerischen Tag im Juli in Bern nicht auf dem Platz. Der Essener Rahn schoß, der Rest ist Geschichte. Kein „Wunder mit Berni“, sondern „Das Wunder von Bern“. Er war für seine Enkel vermutlich ein toller Großvater, der spannende Geschichten erzählen konnte. Vom Tor gegen die Türkei, von Sepp Herbergers Medaille, die er nach dem Spiel bekam und von der Meisterschale, die er vier Jahre später in den Himmel von Hannover hob. Wir sind uns aber nie begegnet. Auch nicht als wir zeitweise in Garmisch-Patenkirchen offenbar den selben Friseur hatten. Der erzählte mir jedenfalls einmal, daß Berni Klodt in seinem Geschäft gewesen sei. Er wußte, daß ich Schalker bin. Sein Familienname war Urban. Eine Urlaubsbekanntschaft aus Cattolica, meinem alljährlichen Ferienort an der Adria. Mit seinen Söhnen rockte ich den Strand. Wie ich mich kenne, habe ich ihn bestimmt nach „Ala“ Urban gefragt, aber er kannte ihn wohl gar nicht. Trotzdem halte ich es für möglich, daß Berni Klodt genau wegen des Namens das Geschäft zum ersten Mal betreten hat….

Zu Norbert Nigbur sah ich in meiner Kindheit auf. Er gehörte zu der Mannschaft, die aus mir einen Schalker gemacht hat. Helmut Kremers teilte im Juli 1974 sein Schicksal, ohne Einsatz in einem Endrunden-Spiel Weltmeister zu werden. Es gibt vermutlich Schlimmeres. Zusammen mit seinem Zwillingsbruder Erwin stürmte er dafür die Hitparade. „Das Mädchen meiner Träume“ hat mich so manches Mal nach Lütgendortmund und zurück begleitet, wenn ich meinen Engel besuchte. In einer Aufnahme mit Roy Black wäre dieses Kleinod garantiert ein Klassiker geworden, der bis heute auf keiner Schlager-Party fehlen würde. Ich liebe diesen Song jedenfalls….

Olaf Thon ist etwa anderthalb Jahre älter als ich. Mein Vater hat uns mindestens einmal auf dem Trainingsgelände zusammen fotografiert. Daran wird sich Olaf aber vermutlich nicht mehr erinnern. Vielleicht ist ihm dafür einmal der TSV 1860-Wimpel in Engelbert Siegels Kabäuschen aufgefallen. Bei einem seiner Besuche brachte Olaf dem Platzwart vom Parkstadion einen FC Bayern-Wimpel mit. Der zeigte ihn uns stolz und er bekam dafür von mir bei nächster Gelegenheit eben den Sechzig-Wimpel für seine Sammlung. Letztes Jahr hab ich Olafs Besuch bei den Isar-Schalkern leider krankheitsbedingt verpasst. Im März ließ er sich aber auf der Geburtstagsfeier unseres Kassenwarts in der Berni-Klodt-Lounge kurz blicken….

Inzwischen bin ich in einem Alter, in dem unsere gerade frischgebackenen Weltmeister meine Söhne sein könnten. Zwei Spieler aus unserem aktuellen Kader, einer aus Haltern, einer aus Gladbeck, und dazu zwei gebürtige Gelsenkirchener, die nicht mehr für uns spielen. 04 Talente aus unserer Knappenschmiede, D’Artagnan und die Drei Musketiere. Ich hoffe, Bene und Jule bleiben uns noch länger erhalten und folgen nicht eines Tages dem Torwart. Sondern folgen, wenn überhaupt, lieber Mesut Özil. Vor acht Jahren spielten Benedikt Höwedes und Mesut Özil zusammen im Finale der Deutschen A Jugend-Meisterschaft. Im Stadion Lüttinghof in Gelsenkirchen. Am Pfingstsonntag. Gegen Bayern München. Ich nutze JEDE Gelegenheit die sich mir bietet, eine Deutsche Meisterschaft mit dem FC Schalke zu feiern. Vor allem gegen Bayern München. Also bin ich angereist und feierte den Sieg. Bene und Mesut sind auf meinen Fotos von der Spielertraube mit dem Pokal nicht zu erkennen. Aber ich weiß, sie sind da irgendwo….

Und jetzt sind sie Weltmeister….

Glückauf, SidgCdW !!!!

„1904 Geschichten“.
Die Bitte geht an Alle: wenn ihr etwas habt aus über 100 königsblauen Jahren, etwas Wahres und/oder Interessantes über Schalke, das ihr teilen wollt, Erlebnisse die erinnernswert sind oder ganz einfach Schilderungen, wie es war, wie man sich Eintrittskarten besorgte, wo in der Glückaufkampfbahn, dem Parkstadion oder der Arena man „daheim“ war, wie man dahin kam und wie es da zuging, oder was auch immer vielleicht jemand, der Schalke nur vom Fernsehen oder aus der Zeitung kennt, nie oder niemals wirklich wissen kann – aber vielleicht sollte – schickt mir (matthias.berghoefer[at]web.de) einfach eure Texte, Dreizeiler oder halbe Romane und egal wie’s mit Rechtschreibung aussieht. Klar erkennbar muss sein, ob es sich um eine wahre Geschichte handelt oder um einen Prosatext, also einen konstruierten, erfundenen, der etwas Bestimmtes ausdrücken will in Bezug auf den FC Schalke 04.
Wichtig ist natürlich auch, dass ihr kein Problem damit habt, dass euer Text hier, und vielleicht auch irgendwann mal in einem Buch, veröffentlicht wird – natürlich unter eurem Namen, oder einem „Pseudonym“ falls euch das aus irgendeinem Grund lieber ist.
1904 Geschichten sind eine Menge Holz. Ich bin mal gespannt.

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