Zwei Lieben

“TAFKAT“ ist fußballbegeisterter Braunschweiger seit 44 Jahren, der zweimal in für Braunschweiger verbotene Städten (H & WOB) arbeiten musste, aber beruflich auch viel und gerne im Ruhrgebiet zu tun hatte. Verheiratet mit einer ebenso fußballverrückten Frau, die ihre Leidenschaft für Schalke bei ihrer eigenen Geburtstagsfeier am 21.05.1997 ans Licht der Öffentlichkeit brachte: das Geburtstagskind ward auf der Feier nicht mehr gesehen, weil’s vorm Fernseher saß. Selbst entdeckte er die Liebe zu Schalke beim Musical 100 Schalker Jahre, als einer der Musiker in der Pause sein „Bütterken“ im Orchestergraben auspackte. Im selben Jahr beim Besuch des Derbys ist dann der „Funke“ bei ihm endgültig übergesprungen. Durch die beruflichen freundschaftlichen Kontakte ergab sich dann irgendwann die Gelegenheit Dauerkarten auf Schalke zu teilen und so relativ regelmäßig dabei zu sein.

Zwei Herzen in der Brust, für die Löwen und die Knappen. Und dann spielen sie tatsächlich mal in der Bundesliga gegeneinander. Eine Zerreißprobe.


Man hat es schon nicht leicht als polygamer Fußballfan: da schwingt in die Freude über den Aufstieg seiner einen Liebe sofort die Befürchtung bzgl. der zweiten Liebe mit: Scheiße, jetzt spielen die wirklich mal gegeneinander.
War ja nie ein Problem: der BTSV dümpelt in der dritten und manchmal in der zweiten Liga rum und nur Pokalauslosungen waren unsagbar spannend. Dem Fussballgott sei Dank: Eintracht hat in der Zeit nicht so oft Pokal gespielt und uns persönlich war, wenn’s mal soweit war, das Losglück hold.
So war es relativ problemlos möglich, beide Lieben gut zu kombinieren, ins Gehege kamen sie sich ja nicht. Höchstens mal in den Spielansetzungen, aber selbst das ließ sich ein ums andere Mal gut kombinieren.
Nun 2013 nach 28 Jahren der unerwartete aber ersehnte Aufstieg der Eintracht und die Gewissheit: jetzt geht kein Weg dran vorbei: sie treffen unweigerlich aufeinander: Das Heimspiel in Braunschweig leider krankheitsbedingt verpasst, aber was tun beim Heimspiel in Gelsenkirchen?
Nach langen Hin- und Her und wider jegliche finanzielle Vernunft haben wir uns für einen „Heimspiel-Erlebnis-Tag“ entschieden, einem Angebot des FC Schalke mit Stadionführung, Museumsbesuch, Essen in ner Loge und mit Sitzen oberhalb der Nordkurve. Die Frau konsequent in Königsblau, ich selbst im Mix aus Eintracht „Traditions-Outfit“ (Jägermeister Trikot) und Schalke Jacke, die „normalen“ Schals und Trikots, die ansonsten den Leib entweder in Königsblau oder Blau-Gelb kleiden, gingen irgendwie emotional nicht.
Nach dem Touriprogamm und der Fressorgie im „Libuda“ eine Begutachtung der Sitze: Schon geil direkt über der Kurve, aber sind die Schmähgesänge gegen die Eintracht auszuhalten? Was machste eigentlich wenn ein Tor fällt (selten habe ich mir ein 0:0 so derartig gewünscht)?
Die obligatorischen rituellen Gesänge vorm Anpfiff wie immer mitgemacht, und dann ging’s los: bis zur 17. Minute war alles soweit in Ordnung, dann macht Goretzka das 1:0 für „meine Schalker“ gegen „meine Eintracht“. Selten in meinem Leben war eine Situation beschissener als diese. Das lautstark hervorgebrachte „Schei…“, zusammengekauert im Sitz, bezog sich weniger auf das Gegentor, sonder vielmehr auf die Gesamtsituation. Sie hat sich dann im Verlauf des Spiels unerfreulicherweise noch 3 mal ergeben, danke dafür an den Hunter, Szalai und Kessel. 3:1 also.
Nach 90. Minuten gingen die Schalker als vollkommen verdiente Sieger vom Platz und ich war um die Erkenntnis reicher: es gibt Spiele die guckst du dir in Zukunft nur noch im Fernsehen an. Nun, so wie es aktuell aussieht wird diese Situation in der Saison 2014/2015 wohl nicht eintreten.
Gewonnen habe ich auch noch eine weitere Erkenntnis, nämlich das „Live-Erlebnis“, dass „Schalke irgendwie anders ist“. Ein super fairer Umgang mit gegnerischen Fans auf Schalke (Ausnahme natürlich Lüdenscheid und die Bauern): aus der Kurve in 90 Minuten vier zaghafte Versuche Schmähgesänge gegen die Eintracht anzustimmen, die allesamt mehr oder weniger sang- und klanglos und schnell verstummten, keinerlei Pöbeleien von einer Etage tiefer gegen die anwesenden Braunschweiger, Fanarmbandtausch mit Trompeter Willi und ein toller Abend im „Auf Schalke“ und dort derartig viele Wünschen (verbunden mit jeder Menge Bieren), die Eintracht möge doch bitte nicht wieder absteigen.
Nun an mir soll’s nicht liegen, die Freude wäre riesig, und die Spiele gegeneinander werden dann eben in der Sportschau geguckt. Aber geiler iss schon beim nächsten Heimspiel, das wir im Rahmen der Dauerkarten haben, die Schalker wieder uneingeschränkt von der Gegengerade aus zu unterstützen.
Glück Auf und Danke!

„1904 Geschichten“.
Die Bitte geht an Alle: wenn ihr etwas habt aus über 100 königsblauen Jahren, etwas Wahres und/oder Interessantes über Schalke, das ihr teilen wollt, Erlebnisse die erinnernswert sind oder ganz einfach Schilderungen, wie es war, wie man sich Eintrittskarten besorgte, wo in der Glückaufkampfbahn, dem Parkstadion oder der Arena man „daheim“ war, wie man dahin kam und wie es da zuging, oder was auch immer vielleicht jemand, der Schalke nur vom Fernsehen oder aus der Zeitung kennt, nie oder niemals wirklich wissen kann – aber vielleicht sollte – schickt mir (matthias.berghoefer[at]web.de) einfach eure Texte, Dreizeiler oder halbe Romane und egal wie’s mit Rechtschreibung aussieht. Klar erkennbar muss sein, ob es sich um eine wahre Geschichte handelt oder um einen Prosatext, also einen konstruierten, erfundenen, der etwas Bestimmtes ausdrücken will in Bezug auf den FC Schalke 04.
Wichtig ist natürlich auch, dass ihr kein Problem damit habt, dass euer Text hier, und vielleicht auch irgendwann mal in einem Buch, veröffentlicht wird – natürlich unter eurem Namen, oder einem „Pseudonym“ falls euch das aus irgendeinem Grund lieber ist.
1904 Geschichten sind eine Menge Holz. Ich bin mal gespannt.

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