Das Revier streitig machen

Oliver Staude war früher sehr oft auswärts dabei, auch damals in den Achtzigern, als es noch wirklich Randale gab und „Schalker sein“ nicht nur für andere gleichbedeutend war mit „Asi sein“.

Eine Auswärtsfahrt nach Hamburg, einst vor zehn Jahren.


Eigentlich gehörte ich mal zur Fraktion der Auswärtsfahrer, aber man wird älter und manchmal ist auch das Geld nicht so am Start, wie man sich das wünscht. Aber im November 2004 gab es mal wieder einen Grund, die blauweiße Fangemeinde zu begleiten, und zwar nach Hamburg.
Glücklicherweise wohnte der Bruder meines damaligen Arbeitskollegen dort und wir beschlossen, das Wochenende anner Elbe zu verbringen.

Wie immer ging es Freitags los, ab ins Auto, von Dorsten nach Ahaus, dort mit den anderen getroffen, sogar nen HSV Fan eingepackt (der durfte auch fahren und stellte großzügig seinen 7-Sitzer zur Verfügung, ich selbst fuhr auch, wat solls). Ab auf die Autobahn Richtung Hamburg. Die Fahrt verlief recht ruhig, außer dass der Biervorrat, der eigentlich noch den ganzen Abend reichen sollte, wie in einem schwarzen Loch immer mehr verschwand. Was sollte man nach fast 4 Stunden Fahrt dann noch trinken?

Da das Spiel erst am Sonntag stattfand, verbrachten wir den Samstag damit, Futter zu machen, zu trinken, auffer Xbox Fifa irgendwas zu spielen (ich selbst hab dafür zwei linke Hände, also machte ich essen, trank Bier oder machte essen, während ein Bier aus dem Kühlschrank rief „trink mich!“)

Später Nachmittag, es wurde ja früh dunkel, ab Richtung Reeperbahn, da auch erfreulicherweise der Hamburger Dom offen war, konnte man auch noch über die Kirmes juppeln. Es wurde spät, aufm Rückweg dann noch was Unerfreuliches: Nachdem der Kollege und ich die Grosse Freiheit durchquerten, warteten wir auf die anderen. Plötzlich ein Aufruhr, eine seltsame Gestalt schrie uns an, randalierte rum und wir wussten erst gar nix. Also zurückgepöbelt, nach einigem hin und her ne leere Mülltonne genommen und nach dem Typ geworfen. Irgendwie musste ja mal Ruhe reinkommen, was sollten die Anwohner denn von dem Krach halten? Es stellte sich heraus, dass der wohl dachte, wir wollten ihm sein „Revier“ streitig machen. So ein Esel, als ob man in Hamburg ehrenwehrte, in königliche Farben gekleidete Gäste ohne Audienz ansprechen darf! Na ja, die Polizisten, die mit nem Bulli vorbeikamen, haben sich köstlich amüsiert, die kannten den Typ wohl schon.

Sonntag, Tag des Spiels: Mittags ab zum Hafen. Die Sonne lachte, es war kalt, aber überall sah man die Farben des Ruhrpotts. Am Ufer, auf den kleinen Booten, nur HSV Fans gab es wohl nicht. Ab zum Millerntor, wieder durften wir das Clubheim des FC St.Pauli nutzen, um die Zeit rumzubringen und Party zu machen.

Im Stadion des HSV dann erst mal gesehen, wo wir saßen. Südkurve, ganz oben unterm Dach, mann war dat weit weg. Das Vereinslied des HSV fand ich da schon beeindruckender, „Hamburg, meine Perle“, live von Lotto King Karl gesungen, hat was, im Gegensatz zum Spiel der ersten Hälfte. Ein 0:0 der besten Sorte, das Interessanteste war noch, als mein Kumpel kam und sagte: „Wennste Bier holen gehst, sach nix, da stehen nur Grüne rum!“ Neugierig, wie ich nu mal bin, ging ich los, sah statt des grauen Betons, der die damals AOL Arena genannte Hütte wie ne ewige Baustelle aussehen ließ, nur noch grüne Männchen, grimmig dreinblickend, da die bösen Ruhrpottler wohl nur Dummheiten machen, die sofort zu unterbinden sind.

Immerhin wurde das Spiel besser. Nach dem 1:0 der Hamburger gab man mal wieder nix auf uns, die ersten Bierbecher purzelten die Treppen runter, manchmal auch einen aufgebrachten Schalker. Mann war da ne Menge Pfandgeld inne Wicken gegangen.

Doch die Schalker bäumten sich auf, erst Mike Hanke, dann zwei Minuten später Lincoln machten den 2:1 Auswärtssieg perfekt. Freudentaumel auf der Süd, nach dem Spiel auf dem Weg Richtung Stellingen eine Bombenstimmung im Wald, dann sehr laut in dem kurzen Tunnel anner Strassenbahn, lag wohl auch daran, dass die HSV Fans etwas zerknirscht waren und einige wohl den Frust rauslassen wollten. Hamse aber nich geschafft.

Rückfahrt war dann wie immer. Elbtunnel verstopft, A1 selten frei, dafür eine BlauWeiße Kolonne Richtung Ruhrgebiet. Um 2 Uhr daheim, am anderen Morgen wieder zur Arbeit, was solls. Wir hatten ja gewonnen.


„1904 Geschichten“.
Die Bitte geht an Alle: wenn ihr etwas habt aus über 100 königsblauen Jahren, etwas Wahres und/oder Interessantes über Schalke, das ihr teilen wollt, Erlebnisse die erinnernswert sind oder ganz einfach Schilderungen, wie es war, wie man sich Eintrittskarten besorgte, wo in der Glückaufkampfbahn, dem Parkstadion oder der Arena man „daheim“ war, wie man dahin kam und wie es da zuging, oder was auch immer vielleicht jemand, der Schalke nur vom Fernsehen oder aus der Zeitung kennt, nie oder niemals wirklich wissen kann – aber vielleicht sollte – schickt mir (matthias.berghoefer[at]web.de) einfach eure Texte, Dreizeiler oder halbe Romane und egal wie’s mit Rechtschreibung aussieht. Klar erkennbar muss sein, ob es sich um eine wahre Geschichte handelt oder um einen Prosatext, also einen konstruierten, erfundenen, der etwas Bestimmtes ausdrücken will in Bezug auf den FC Schalke 04.
Wichtig ist natürlich auch, dass ihr kein Problem damit habt, dass euer Text hier, und vielleicht auch irgendwann mal in einem Buch, veröffentlicht wird – natürlich unter eurem Namen, oder einem „Pseudonym“ falls euch das aus irgendeinem Grund lieber ist.
1904 Geschichten sind eine Menge Holz. Ich bin mal gespannt.

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