Junge, da fällt dich nix mehr ein!

Janauth Weitkamp hat sein Herz nach einem Heimspiel gegen den SV Meppen in den 90ern an eine Fußballclub verloren. Ist für Ihn geboren – für seine Liebe von 1904.

Europapokal auswärts – und die Eintrittskarten sind knapp. Diesmal: Chelsea, 2007.


Wir schreiben den 30 August 2007. Soeben ist im schweizerischen Nyon die Gruppenphase zur Champions League Saison 2007/2008 ausgelost worden. Nun ist klar, dass wir gegen FC Valencia, Rosenborg Trondheim und den FC Chelsea ran müssen. Nach kurzer Überlegung ist uns klar („uns“, das sind mein Kumpel Jörg genannt „J.J.“ und meine Wenigkeit), Valencia können wir nicht, Trondheim wollen wir nicht, Chelsea da müssen wir hin.

Da noch nicht genau feststeht ob dienstags oder mittwochs gespielt wird, buchen wir kurzer Hand den Hinflug nach London am Dienstag und den Rückflug am Freitag. Die Flüge werden ja bekanntlich nicht günstiger. Die anschließende Buchung der Unterkunft ist dann nur noch ein Klacks.

Jetzt geht es darum an Tickets zu kommen. Nach einigen Tagen werden das Kontingent an Karten für die Gästefans und der Verteilschlüssel bekannt geben. Schnell ist klar, dass wir trotz Mitgliedschaft beim geilsten Club der Welt keine bekommen. Wir besitzen halt keinen Baustein an der 1000 Freunde Mauer. Nach einigen Recherchen im Internet auf diversen Seiten, auf denen Zugangsberechtigungen zu massiv überhöhten Preisen angeboten werden, bestellen wir halt auf einer Englischen (haben wir gedacht…mehr später) Schwarzmarkt Seite. Diese Karten kosten das Fünffache von dem was später drauf steht und sollen im Hotel hinterlegt werden.

Nun ist der Tag der Abreise gekommen und wir machen uns auf den Weg in die verbotene Stadt (in der Nähe von Lüdenscheid) von wo aus der Bomber gen London startet. Am Flughafen angekommen, fällt mir auf, dass mein Kumpel Jörg ein wenig rum druckst. Er sagt, er müsse mir was beichten. Mir gehen natürlich 1000 Dinge durch den Kopf (Flug hat 8 Stunden Verspätung, Hotel ausgebucht, die Queen holt uns ab…??!!). Nein, er sagt mir wirklich, dass sein Personalausweis seit 4 Wochen abgelaufen ist. Na super! Wir versuchen aber unser Glück und können tatsächlich einchecken. Weiter geht’s zur Sicherheitskontrolle. Dort angekommen fragt die „freundliche“ Zollbeamtin, ob mein Kumpel irgendwelche Flüssigkeiten im Rucksack hat. Dieser antwortet ganz trocken: „ Außer der Kiste Bier nix“! Das findet Sie natürlich gar nicht lustig und macht uns klar, dass Sie uns bei der nächsten solchen Äußerung den Durchgang verwehrt. Wir sind natürlich von da ab zuckersüß. Wir müssen ja schließlich zum Spiel.

Endlich im Flieger sitzend, teilt mir Jörg mit, dass da doch noch was ist. Ich kann es nicht fassen. Es ist nun schließlich schon genug Adrenalin durch meine Adern geflossen. „Tja…es gibt da ein Problem mit den Karten“ sagt er mir. „Wie, wat“?! entgegne ich ihm. „Ich habe da auf meine Kreditkartenabrechnung geschaut und das Geld wurde nicht aus England, sondern aus Weißrussland abgebucht“. Ich schaue nach vorn und warte darauf, dass Kurt Felix mit der versteckten Kamera aus dem Cockpit kommt. Kommt er aber nicht. Von da an herrscht Totenstille zwischen uns. Auch auf der wegen einer Großbaustelle ca. 1,5 Stunden dauernden Busfahrt vom Flughafen Luton ins Zentrum von London wird kein Wort gesprochen. Gegen 17 Uhr kommen wir am Hotel an. Ziemlich spät, denn das Spiel wird um 19:45 Uhr Ortszeit angepfiffen. Wir treten an die Rezeption heran. In diesem Moment war der Puls bei uns beiden min. bei 1904 Schlägen pro Minute.

Sind die Karten da oder nicht!?

Jörg nennt seinen Namen, die junge Frau überreicht uns den Schlüssel zum Zimmer. Alles klar, keine Karten. Wir sind beschissen worden. Junge, da fällt dich nix mehr ein. Wie kann uns das passieren, geht mir durch den Kopf, als uns die Rezeptionistin noch mal zurückruft und uns einen Umschlag entgegen hält. Jörg reißt ihr direkt den Umschlag aus der Hand, ruft „habe ich doch gesagt, dass alles klappt!“ und lacht sich schlapp. Dann reißt er den Umschlag auf und tatsächlich, die Karten sind drin. Der Druck fällt schlagartig von uns ab und wir liegen uns in den Armen und tanzen durch die Lobby. Ich möchte nicht wissen, was die Gute Frau an der Rezeption gedacht hat.

Nun gut…jetzt heißt es Dampf machen. Ist ja nicht mehr lang bis zum Anpfiff. Ab unter die Dusche (so viel Zeit muss sein), Schal um und ab geht die Post. Kurz vor dem Kickoff kommen wir auf unseren Plätzen im Chelsea Familien Block (auch egal) an der Stamford Bridge an. Das ganze Stadion ist blau weiß. Weltklasse! An diesem Tag haben die blauen Götter leider keine Schnitte gegen eine sehr gute Mannschaft vom FC Chelsea. Wir verlieren das Spiel mit 2:0 durch Tore von Malouda und Drogba.

Das Ergebnis hält uns und den Rest der anwesenden Schalker Bande nicht vom Feiern ab und so geht es in einen der zahlreichen Londoner Pubs. Auf einmal kommt uns eine Idee. Es gibt ja bekanntlich so einige Clubs in London, welche auch international vertreten sind. Ein Blick in die Zeitung bestätigt dieses auch. Am nächsten Tag spielt Tottenham Hotspur daheim gegen den FC Getafe im Uefa Cup. Lange Rede, kurze Buxe…am nächsten Morgen kaufen wir an der White Hart Lane zwei Kanonen für das am Abend stattfindende Match. Das Spiel gewinnt Getafe hoch verdient mit 1:2. Die ungefähr 30 anwesenden Getafe Fans machen Krach für 1000.

Der Donnerstag wird dann für Sightseeing genutzt. Man muss ja auch was gesehen haben (außer Stadien und Pubs).

Am Freitag geht es dann nach einer fast perfekten Fußballtour wieder zurück nach Hause. Solche Erlebnisse machen die Liebe zu unserem Club aus und werden sicherlich nicht die Einzigen bleiben. Es muss aber auch nicht immer so ein Nervenkitzel herrschen.


„1904 Geschichten“.
Die Bitte geht an Alle: wenn ihr etwas habt aus über 100 königsblauen Jahren, etwas Wahres und/oder Interessantes über Schalke, das ihr teilen wollt, Erlebnisse die erinnernswert sind oder ganz einfach Schilderungen, wie es war, wie man sich Eintrittskarten besorgte, wo in der Glückaufkampfbahn, dem Parkstadion oder der Arena man „daheim“ war, wie man dahin kam und wie es da zuging, oder was auch immer vielleicht jemand, der Schalke nur vom Fernsehen oder aus der Zeitung kennt, nie oder niemals wirklich wissen kann – aber vielleicht sollte – schickt mir (matthias.berghoefer[at]web.de) einfach eure Texte, Dreizeiler oder halbe Romane und egal wie’s mit Rechtschreibung aussieht. Klar erkennbar muss sein, ob es sich um eine wahre Geschichte handelt oder um einen Prosatext, also einen konstruierten, erfundenen, der etwas Bestimmtes ausdrücken will in Bezug auf den FC Schalke 04.
Wichtig ist natürlich auch, dass ihr kein Problem damit habt, dass euer Text hier, und vielleicht auch irgendwann mal in einem Buch, veröffentlicht wird – natürlich unter eurem Namen, oder einem „Pseudonym“ falls euch das aus irgendeinem Grund lieber ist.
1904 Geschichten sind eine Menge Holz. Ich bin mal gespannt.

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Eine Antwort zu “Junge, da fällt dich nix mehr ein!

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