Direkt ist Direkt

Enrico Schalk ist seit ’91 Schalke-Fan, regelmäßig bei Heim- und Auswärtsspielen anzutreffen, schreibt schon eine Weile im Internet und für Schalke Unser – und veröffentlichte 2011 sein erstes Buch: „Seitenwechsel mitten im Spiel“, das von sich und Schalke handelt.

Was man selbst erlebt, und was andere daraus machen, das sind zwei Paar Schuhe. Und meistens passt eben nur eines.


Schon Wochen vorher freute ich mich auf mein erstes Schalke-Spiel. Warum ich mir ausgerechnet eines gegen den Ballspielverein Borussia von 1909 aus Dortmund ausgesucht hatte, entzieht sich heute meiner Kenntnis. 1995 war es, im Oktober. Wie ich erst Jahre später durch Stefan Barta erfahren habe, war es das Spiel im Parkstadion mit der offiziell höchsten Zuschauerzahl – 71.021 Leute waren dabei. Alle haben es gesehen.

Fußball, und damit auch Schalke 04, kannte ich bislang nur aus dem Fernsehen. Und da es irgendwie etwas Besonderes war, wollte ich dieses Spiel bzw. die Spielzusammenfassung auf Video aufnehmen. Ein privater Fernsehsender zeigte damals die Zusammenfassungen. Das Gerät war schnell programmiert und am Sonntag nach dem Spiel wollte ich mir dann zumindest unser Spiel ansehen.

Ich kann mich noch genau erinnern, an das 1:0 für uns durch Youri Mulder in der 10. Minute. Ricken, ich glaube, er war gerade eingewechselt worden, markierte kurz vor der Halbzeitpause das 1:1 für die Falschfarbenen. Und ich weiß es noch wie heute, dass ich meinem Kumpel in der zweiten Halbzeit ob eines weiteren Tores für uns beim Jubeln fast den Kopf abgerissen habe. Aber irgendwie und irgendwann wurde der Torjubel abgebrochen. Der Treffer zählte nicht. Abseits soll es gewesen sein. Und 71.021 Menschen haben es gesehen. Ich war total verärgert. Zu allem Übel haben wir das Spiel dann auch noch kurz vor Schluss durch ein Tor durch Frau Zorc verloren. Dann habe ich also, wie so viele Schalker vor mir auch, meine Karriere mit einer Niederlage begonnen? Womöglich noch mit einer unberechtigten, da ein Tor für uns nicht gezählt wurde? Man gut, dass ich ja die Spielzusammenfassung zu Hause auf Video vorliegen haben werde.

Am nächsten Tag guckte ich mir dann die Zusammenfassung an, ich glaube, sogar zweimal. Denn, ich fand das vermeintliche Abseitstor nicht. Nicht einmal erwähnt wurde die Situation bzw. unser Tor. Ging ich demzufolge den Tag zuvor meinem Kumpel ohne Grund an die Wäsche? Ich war doch nicht blöd, oder? Das habe ich doch nicht geträumt! Wir haben ganze zweimal gejubelt. Aber, warum wurde darüber hier nicht berichtet? Ein Skandal! Enttäuschung auf ganzer Linie. So läuft das also. Objektive Berichterstattung sieht aber anders aus. Dass der FC Schalke 04 landläufig nicht unbedingt von allen geliebt wurde, dass war mir ja klar. Aber, warum wird so unterschiedlich über Vereine und die Spiele berichtet? Sogar dass Trainern am Spielfeldrand das Kaugummi aus dem Mund fällt, wurde in Wiederholungen gezeigt. Aber ein mögliches Tor für Schalke 04 wird vollends ignoriert.

Weil ich nun wusste, was ich von solchen Berichterstattungen halten sollte, habe ich es danach vermieden, mir Spielzusammenfassungen von Schalke im Fernsehen anzusehen. Irgendwann habe ich dann die Lust und Liebe an direkten Radioreportagen entdeckt. Konserven, nee, nicht mehr mit mir. Selbst die Konserven auf den heutigen Anzeigetafeln, sprich die direkt nach einem gefallenen Tor gezeigten Spielszenen, gucke ich mir im Stadion kategorisch nicht an. Wenn ich irgendetwas nicht direkt gesehen habe, dann habe ich es halt verpasst. Pech gehabt. Direkt ist direkt.


„1904 Geschichten“.
Die Bitte geht an Alle: wenn ihr etwas habt aus über 100 königsblauen Jahren, etwas Wahres und/oder Interessantes über Schalke, das ihr teilen wollt, Erlebnisse die erinnernswert sind oder ganz einfach Schilderungen, wie es war, wie man sich Eintrittskarten besorgte, wo in der Glückaufkampfbahn, dem Parkstadion oder der Arena man „daheim“ war, wie man dahin kam und wie es da zuging, oder was auch immer vielleicht jemand, der Schalke nur vom Fernsehen oder aus der Zeitung kennt, nie oder niemals wirklich wissen kann – aber vielleicht sollte – schickt mir (matthias.berghoefer[at]web.de) einfach eure Texte, Dreizeiler oder halbe Romane und egal wie’s mit Rechtschreibung aussieht. Klar erkennbar muss sein, ob es sich um eine wahre Geschichte handelt oder um einen Prosatext, also einen konstruierten, erfundenen, der etwas Bestimmtes ausdrücken will in Bezug auf den FC Schalke 04.
Wichtig ist natürlich auch, dass ihr kein Problem damit habt, dass euer Text hier, und vielleicht auch irgendwann mal in einem Buch, veröffentlicht wird – natürlich unter eurem Namen, oder einem „Pseudonym“ falls euch das aus irgendeinem Grund lieber ist.
1904 Geschichten sind eine Menge Holz. Ich bin mal gespannt.

Advertisements

Eine Antwort zu “Direkt ist Direkt

  1. Zum letzten Absatz:
    Es geht mir ganz genauso. Aber vielen Leuten ist im Laufe der Evolution offenkundig die Fähigkeit abhanden gekommen, die Einmaligkeit und die Unwiederholbarkeit des Augenblicks zu genießen. Sie rufen während des Spiels jemand an, der am TV sitzt, um die „offizielle“ Wertung einer Szene zu erhalten, die sie aufgrund der Dynamik dieses Sports nicht detailliert registriert haben. Sie berauben sich damit der Bereitschaft, die nächsten vielleicht spielentscheidenden Spielzüge verfolgen zu können.
    In Italien zeigen die öff.-rechtlichen Sender innerhalb 14 Tagen keine strittigen Szenen. So etwas wünsche ich auch für uns. Ein besonders drastisches Beispiel ist das Lügenderby, bei dem ich live dabei war: Weder Jeff (Torschütze), noch Schiedsrichter, Zuschauer, Gegenspieler (also niemand im gesamten Stadion), hatte etwas bemerkt. Aber nach 10 Minuten kamen die Maulwürfe von Sky aus der Deckung: Da war etwas! Doch das Spiel war inzwischen über alle Berge weitergaloppiert.
    Bemerkenswert war auch das Pokalfinale: Die Regie zeigte irrtümlich das Siegtor der Bauern auf der Videowand und jeder sah, daß Brazzo Hundert Meter im Abseits stand. Das Echo kam sofort: Ein Leben lang………………

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s