Bierchen von Abdul

Markus Rybacki ist seit seiner Geburt Schalker, keiner weiß warum, und er findet, wer mit blauweißem Blut zur Welt komme, der habe es zwar nicht leicht aber dafür ein interessantes Leben. Ein bisschen was von seinem erzählt er ab und zu in seinem Blog http://www.blogigo.de/Schalke

Schalke reist im Januar 2013 zum Trainingslager nach Katar – und Markus ist mit dabei.


Nachdem Schalke im Januar 2012 zum ersten Mal das Wintertrainingslager in Doha/Katar durchgeführt hatte, sollte es auch 2013 wieder an den Persischen Golf gehen.

Die Erlebnisberichte der Teilnehmer, die bereits mit dabei gewesen waren, hatten mich schon längere Zeit sehr neugierig gemacht. Für mich selbst war es daher absolut nicht überraschend, dass ich nun auch mitfliegen wollte. Mitte November 2012 konnte man sich endlich für die Fan-Reise anmelden. Also bin ich schnell in der Mittagspause nach Hause gefahren, habe im Internet das Formular ausgefüllt, und die Zahlung erledigt. Nun konnte ich es kaum erwarten, bis mir die Reiseunterlagen zugeschickt wurden. Der zu zahlende Preis war nicht wirklich günstig, aber ich wollte es mir mal gönnen. Man bekommt ja stets die Empfehlung, sein Leben zu leben…

Nach Weihnachten stieg das Reisefieber immer stärker an und am 3. Januar 2013 ging es morgens mit dem ICE zum Flughafen nach Frankfurt. Dort hatte ich ein Gespräch mit dem Typen von der Handgepäckkontrolle (TvdH):
TvdH: „Sind Sie Fans?“
Ich: „Ja.“
TvdH: „Wo geht’s denn hin?“
Ich: „Nach Doha. Katar.“
TvdH: „Ins Trainingslager?“
Ich: „Genau.“
TvdH: „Warum macht Ihr das?“
Ich: „Weil wir bescheuert sind?!“
Kopfnickend und schweigend war er mit dieser Antwort zufrieden . Um 14:50 Uhr hob der Flieger Richtung Doha ab. An Bord war auch ein Teil der Schalker Mannschaft, der andere Teil flog von Düsseldorf über München nach Doha. Nach ca. 5 ½ Flugstunden erreichten wir unser Ziel. Wegen der Zeitumstellung war es dort 2 Stunden später.

Unter den knapp 30 Fans, die die organisierte Reise gebucht hatten, waren auch zwei weibliche Fans aus Japan, die extra zuvor nach Frankfurt angereist sind. Und erstaunlicherweise ist nur eine von ihnen ein großer Fan von unserem japanischen Verteidiger Atsuto Uchida, die andere mag Stürmer Klaas-Jan Huntelaar lieber! Der ist bekanntlich kein Japaner.

Bei der Ankunft an der Flughafenkontrolle musste man nicht nur eine Einreisegebühr zahlen und den Reisepass vorlegen, man musste auch in eine Kamera gucken, damit ein Foto gemacht werden konnte. Oder das Gesicht wurde eingescannt, keine Ahnung. Bei mir funktionierte das auf jeden Fall anfangs nicht, und ich sollte meine Brille abnehmen, was mich verwunderte, weil ich auf dem Foto im Reisepass ja auch eine Brille aufhabe. Egal, nun klappte es und ich konnte durchgehen.
In der ganzen Aufregung bin ich dann aber einfach den Leuten hinterher und durch den Ausgang. Da bemerkte ich, dass ich meinen Koffer vergessen hatte! *lach*

Aber an den Sicherheitsleuten kam ich nun nicht mehr zurück zum Gepäckband und ich musste an einen Extra-Schalter. Mit meinem eher schlechten Englisch erläuterte ich dem Herrn an diesem Schalter mein Problem, der sofort mich und meine Schusseligkeit belächeln musste. Ein Fan-Betreuer hat mir dann noch etwas bei der Übersetzung geholfen und letztendlich wurde auch mein Koffer gefunden, der vermutlich einige Runden auf dem Band hinter sich hatte. Alles war gut, wir konnten alle zum Hotel fahren!

In der 5. Etage war mein durchaus schönes Zimmer. Was mir wichtig war: W-LAN! So konnte ich kostenlos Kontakt nach Hause halten und mich auch über das Internet weiterhin über Schalke informieren lassen. Denn: selbst wenn man vor Ort mit dabei ist, bekommt man längst nicht alles mit.
Am nächsten Morgen fuhren wir mit dem Shuttle-Bus um 9:15 Uhr zum Trainingsplatz am Mannschaftshotel namens „The Torch“. Die Fahrt dauerte, ebenso wie an den folgenden Tagen, eine knappe halbe Stunde, je nach Verkehrslage.

Der Platz war schon mit der gewohnten Werbung aus Deutschland umzingelt, die Presse war ja auch vor Ort.

Obwohl der Trainingsplatz nicht weit weg vom Mannschaftshotel war, wurden die Spieler mit einem kleinen Wagen chauffiert. In wenigen Minuten wäre das auch zu Fuß möglich gewesen.
Im Sommertrainingslager in Bad Radkersburg (Österreich) im Jahr 2006, sind die Spieler noch mit dem Fahrrad zum Training gefahren. Und die fanden das damals gut, glaube ich in den Gesichtern gesehen zu haben. Im Vergleich ist mir noch aufgefallen, dass die Spieler damals die am Trainingsplatz wartenden Fans immer nett begrüßten. Das war nun in Doha leider nicht der Fall. Wir Fans wurden meist gar nicht richtig beachtet.

Das Wetter war immer vom Feinsten. Schön warm, so um die 25 Grad und wolkenloser Himmel!
Am späten Nachmittag ging die Sonne aber rucki-zucki unter, und es wurde durchaus frisch beim zweiten Training. Nicht nur für die Damen war ein dünnes Jäckchen zu empfehlen.

Es gibt neben den sportlichen Aktivitäten natürlich auch einige andere interessante Dinge in Doha zu sehen. Zum Beispiel „The Pearl“, eine 400 Hektar große künstlich angelegte Insel, die aber noch nicht komplett fertiggestellt ist. Hier kann man in einem kleinen Hafen mit Booten und Yachten tolle Fotos machen.

In wenigen Gehminuten vom Fan-Hotel (Vorsicht: die Bürgersteige sind teilweise sehr löchrig bzw. gar nicht erst vorhanden!) ist der „Souq Waqif“ erreichbar. Ein großer Basar mit schmalen Gassen und vielfältigem Angebot (Kleidung, Souvenirs, Schmuck, Gewürze, Teppiche usw.). Hier gibt es auch zahlreiche Restaurants und Cafés. Erschreckend ist der Teil mit dem kleinen Tiermarkt. Mit Tierschutz hat das leider absolut nichts zu tun. Neben verschiedenen Vogelarten werden auch Hunde und Katzen in viel zu kleinen Käfigen zum Kauf angeboten. Küken gibt es in unterschiedlich bunt angemalten Farben, weil diese so für Kinder interessantere „Spielzeuge“ sind.

Direkt neben dem Mannschaftshotel ist das Einkaufszentrum „Villagio“, mit vielen Luxus- und „Normal“geschäften, Eislaufbahn, kleinem Vergnügungspark mit Riesenrad & Co., Bowlingbahnen, Kartbahn, Kinos, Supermarkt, gute Restaurants oder auch Fast Food, Geldwechselmöglichkeiten. Die Decke ist mit einem blauen Himmel bemalt, man kann sich auch mit einer Gondel auf einem kleinen „Fluss“ die Shopping-Mall anschauen.

Die „Corniche“ ist eine kilometerlange Straße, an der Bucht von Doha, die parkähnlich mit Blick auf die glitzernde Skyline gestaltet wurde.

Wir sind von dort mal mit einem kleinen „Partyboot“ zurückgefahren. Mit toller Musik ging es zum günstigen Preis wieder in die Nähe des Basars. Wir mussten zwar beim Aussteigen über einige andere Schiffe klettern, aber das war nur ein kleines zusätzliches Abenteuer. Wir blieben zum Glück unverletzt!

Beeindruckend war die Besichtigung der Aspire Academy am Mannschaftshotel. Die Academy ist eines der weltweit größten Trainingszentren für Sportler. Es gibt dort einige Fußballfelder, Tennisplätze, eine Schwimmhalle sowie verschiedene Sporthallen (Handball, Volleyball, Basketball usw.) und Wohnheime/Seminarräume. Außerdem ist ein Indoor-Sportstadion vorhanden, das rund 15.000 Zuschauern Platz bietet.

Das Beste an der Führung durch diesen riesigen Komplex war, dass wir kurz Raúl gesehen hatten, der dort auch sein Büro hat. Der Weltstar hatte Schalke im Sommer 2012 verlassen, und spielt jetzt in Doha bei Al-Sadd Sports Club. Im Anschluss an seine Fußballkarriere wird er Botschafter für die Fußball-WM 2022 in Katar.

Äußerst lohnenswert war der Ausflug in die Wüste. Morgens ging es mit dem Bus zum Mannschaftshotel der Bayern. Diese hatten wiederholt ihr Trainingslager in Doha absolviert und waren bereits einen Tag zuvor abgereist. Dann begann die Tour mit zehn Geländewagen vom Sponsor. Mit professionellen Begleitern fuhren wir bis kurz vor die saudi-arabische Grenze. Hatte echt Spaß gemacht! Für Leute mit Bandscheibenvorfall ist dieser Ausflug nicht zu empfehlen, es ruckelte nämlich ziemlich stark.

Auf den Autotüren waren noch Werbung des Sponsors sowie das Vereinslogo der Bayern angebracht. Glücklicherweise hatte ich einige Schalke-Aufkleber dabei und so konnte ich zumindest unseren Wagen noch verschönern, und das rot-weiße Symbol verdecken.

Nun zu etwas kleineren Autos. Taxifahren ist in Doha oft ziemlich aufregend, weil dort ein chaotischer Fahrstil von allen Verkehrsteilnehmern offensichtlich gewünscht wird. Taxifahren ist aber auch recht günstig. Kein Wunder, kostet der Liter Benzin umgerechnet so um die 25 Cent. Manchmal war es günstiger, wenn man nach Taxameter gefahren ist. Einmal hatten wir aber mit einem vorher vereinbarten Preis ein „Schnäppchen“ gemacht. Vom Einkaufszentrum wollten wir zurück ins Hotel. Die Taxifahrer hatten meist 40 Katar-Riyal als Fahrpreis (ca. 8,60 €) angeboten. Da wir Zeit hatten, wollte unser Kumpel Bene mal probieren, ob er den Preis nicht auf 20 Riyal runterhandeln kann. Die ersten Taxifahrer boten nach kurzem Gespräch schon 30 Riyal an, war aber noch zu viel. Es bildete sich schon eine Schlange und beim zehnten Taxi kam dann das Angebot von 25 Riyal. Schon nicht schlecht, allerdings waren wir zu Viert. Bene schilderte dem Taxifahrer das Problem, dass man 25 Riyal ja nicht durch vier Personen teilen kann. Lachend zeigte der Taxifahrer dann der Reihe nach auf uns und bestimmte den jeweiligen Einzelpreis auf Englisch: „Six, six, six, six!“

Offenbar zu seiner eigenen Kontrolle ließ er den Taxameter trotz vereinbartem Festpreis laufen. In der Mittagszeit herrschte reger Verkehr (auf der Straße!) und wir mussten an zahlreichen Ampeln lange warten. Nun war der Preis schon auf 20, dann 27, und bei 30 druckte er für sich eine Quittung aus und schaltete den Taxameter aus. Und wir waren noch gar nicht am Hotel. Bis dorthin wären es sicherlich 35 Riyal geworden. Bei Ankunft gab Mitfahrer Jürgen ihm dann aber trotzdem 25 Riyal, statt der vereinbarten 24!

Für viele ein wichtiges Thema: Alkohol. Aber nur in einigen ausgewählten Hotels in Doha erhält man alkoholische Getränke. Ein großes Glas Bier kostete umgerechnet ca. 7,50 €. Ganz schön heftig.
Aber wir hatten Glück, und lernten an einem Abend in der Hotelbar unseres Vertrauens Abdul kennen. Dieser war sehr gönnerhaft und er spendierte uns einige Runden. Entsprechend würdig wurde er dann auch mit Sprechchören gefeiert: „Abdul ist der geilste Scheich der Welt!“ Er hatte zwar überhaupt nichts verstanden, aber dennoch war er sichtlich stolz und hatte großen Spaß inne Backen.

An einem anderen Abend trafen wir ihn wieder in dieser Bar, und nun wollten wir ihm sinnvolle Gesänge beibringen. Alle konnte er allerdings nicht richtig nachsingen können. Lustig hörte sich dann z. B. das abwertende Lied über den Rivalen aus Lüdenscheid an. Aus Abduls Kehle klang es wie „Scheiß aus Papier!“ … naja… der Wille zählt, wir haben es gelten gelassen.

Der Blau-Weiße Abend mit Mannschaft, Trainer und Fans fand am 9. Januar statt. An meinem runden Tisch saßen mit mir insgesamt vier Fans, direkt links neben mir Timo Hildebrand, und direkt rechts neben mir: *trommelwirbel* Raúúúl!!! Co-Trainer Sven Hübscher, der Berater von Raúl, Christoph Metzelder und Lars Unnerstall vervollständigten die Runde. Raúl war der Einzige von unserem Tisch, der jeden mit Handschlag begrüßte und nicht den Eindruck erweckte, dass dieses eine Pflichtveranstaltung war. Für ihn war es ja auch keine, er wurde eingeladen und kam freiwillig.
Er unterhielt sich dann aber hauptsächlich mit Timo, Metze und seinem Berater auf Spanisch. Ich verstand nur Spanisch. Ein paar Dinge hatte Timo mir aber übersetzt, z. B., dass es im Sommer in Doha sehr heiß ist und die Spieler den Schweiß aus den Fußballschuhen richtig rausschütten können. Die WM 2022 in Katar lässt da so einiges befürchten, wenn sie denn im Sommer stattfinden sollte. Zur Diskussion steht ja aktuell auch eine Verlegung in den Winter…

Nun noch zum Sportlichen. Am Sonntag (6.1., 18 Uhr Ortszeit, 16 Uhr MEZ) trafen wir im Jassim-Bin-Hamad-Stadion auf Raúls Club Al-Sadd. Wir führten 2:0, doch noch vor der Pause ließen wir zwei Gegentore zu. Am Ende gewannen wir verdient mit 3:2 gegen einen drittklassigen Gegner. Im gleichen Stadion spielten wir auch am Dienstag (8.1., 19 Uhr Ortszeit, 17 Uhr MEZ) gegen die Bayern. Hier haben wir hochverdient mit 0:5 (0:4 zur Pause) verloren. Wenn die Bayern richtig gespielt hätten, dann wären wir zweistellig untergegangen. Fehlende Laufbereitschaft, mangelnder Kampfgeist, insgesamt war die Leistung einfach nur katastrophal.
Schon bei den Trainingseinheiten hat man im direkten Vergleich gesehen, dass die Bayern einfach schneller und einsatzfreudiger sind.

Da es zuletzt in der Bundesliga sechs sieglose Spiele gab, und wir im Achtelfinale des DFB-Pokals zu Hause gegen Mainz rausgeflogen sind, starten die meisten Fans vom Gefühl her eher skeptisch in die Rückrunde…

Am Freitag, 11. Januar 2013, flogen wir etwas später als geplant gegen 9 Uhr morgens zurück nach Frankfurt. Eine insgesamt interessante Reise ging zu Ende. Und zu Hause erwarteten uns Temperaturen um 1 Grad… das war kalt! Sehr kalt!

-> Fotogalerie zur Reise nach Katar


„1904 Geschichten“.
Die Bitte geht an Alle: wenn ihr etwas habt aus über 100 königsblauen Jahren, etwas Wahres und/oder Interessantes über Schalke, das ihr teilen wollt, Erlebnisse die erinnernswert sind oder ganz einfach Schilderungen, wie es war, wie man sich Eintrittskarten besorgte, wo in der Glückaufkampfbahn, dem Parkstadion oder der Arena man „daheim“ war, wie man dahin kam und wie es da zuging, oder was auch immer vielleicht jemand, der Schalke nur vom Fernsehen oder aus der Zeitung kennt, nie oder niemals wirklich wissen kann – aber vielleicht sollte – schickt mir (matthias.berghoefer[at]web.de) einfach eure Texte, Dreizeiler oder halbe Romane und egal wie’s mit Rechtschreibung aussieht. Klar erkennbar muss sein, ob es sich um eine wahre Geschichte handelt oder um einen Prosatext, also einen konstruierten, erfundenen, der etwas Bestimmtes ausdrücken will in Bezug auf den FC Schalke 04.
Wichtig ist natürlich auch, dass ihr kein Problem damit habt, dass euer Text hier, und vielleicht auch irgendwann mal in einem Buch, veröffentlicht wird – natürlich unter eurem Namen, oder einem „Pseudonym“ falls euch das aus irgendeinem Grund lieber ist.
1904 Geschichten sind eine Menge Holz. Ich bin mal gespannt.

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2 Antworten zu “Bierchen von Abdul

  1. Nicht schlecht – an Dir ist echt ein kleiner Autor verloren gegangen (kann man auch ohne Koffer werden, falls man den mal wieder vergisst)…;-) Daumen hoch! Guter Report! Auch für einen NIcht-Schalke-Fan schön zu lesen! Weiter so!
    (Ralfi Ralf)

  2. Danke, lieber Prophet! 🙂
    (Hier dürfen übrigens auch Nicht-Schalker Geschichten schreiben. Schreib‘ doch mal Deine Prophet-Geschichte auf…)

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