Was lange währt

Frank Schaub wurde Mitte der Sechziger in Sachsen-Anhalt geboren und lebt und arbeitet noch immer dort. Als Sechsjähriger bekam er von seinem Vater ein eigenhändig fabriziertes DDR-Trikot mit Schriftzug „FC Schalke 04“ – das er bis heute ebenso besitzt wie seine Leidenschaft für die Knappen, die er viel zu lange nur von Ferne ausleben konnte.

Die Geschichte einer Freundschaft, die auch Mauern überwindet.


Diese Geschichte ist es wert erzählt zu werden … und unser Verein spielt dabei eine wichtige Rolle: Im Frühjahr 1986, zu dieser Zeit gab es noch eine Grenzlinie mitten in Deutschland, war ich 20 Jahre alt und leistete meinen Wehrdienst in Ostberlin. An einem dieser Tage saß ich auf dem Alexanderplatz in einer Broilerbar (so hieß das damals). Während ich das Essen bestellte, betraten mehrere Jugendliche die Lokalität. Wie sich herausstellte, waren diese auf einer Klassenfahrt und stammten aus der BRD. Mit einem von ihnen kam ich ins Gespräch und es stellte sich rasch heraus, dass wir demselben Fußballverein die Daumen hielten. Das war natürlich unser S04. Der große Unterschied bestand darin, dass Oliver, so hieß der Junge, das alles bereits live erlebt hatte. Er war oft bei den Spielen und schilderte mir seine Erlebnisse auf Schalke. Ich dagegen kannte all das nur vom Westfernsehen. Als die Klasse sich schließlich zum Gehen anschickte, tauschten wir die Adressen aus und er versprach, mir Fan-Artikel von S04 zu schicken. Ich hoffte, dass er sein Versprechen hält, war doch so etwas in der damaligen DDR nicht zu bekommen.

Und wirklich erhielt ich bald darauf Post von meinem flüchtigen Bekannten und der Inhalt übertraf alle meine Erwartungen: Spieler- und Mannschaftsbilder, Aufkleber, alte Eintrittskarten und und und…. damals ein Schatz für mich. Einiges davon besitze ich noch heute.

So gingen zwei, drei Briefe von hüben nach drüben und umgekehrt. Doch wie eigentlich nicht anders zu erwarten, riss der Kontakt zu Oliver danach ab. Und so langsam verblassten auch meine Erinnerungen daran.

An dieser Stelle könnte die Geschichte eigentlich enden und doch ging sie unerwartet weiter.

Ich lebe in Sachsen-Anhalt, in einer Stadt zwischen Magdeburg und Halle. Irgendwann im Frühjahr 2011 begann ich eine dringend notwendige Aufräumaktion in einer meiner Schreibtischschubladen. Dort hatte sich so einiges angesammelt. Und plötzlich hatte ich einen der Briefe nebst Inhalt in der Hand, die mir Oliver vor mehr als 25 Jahren geschickt hatte. Ich erinnerte mich wieder an unsere Begegnung. Auch seine damalige Anschrift war noch zu lesen. Irgendwie hat mir das dann keine Ruhe gelassen und ich fing an mich zu fragen, ob es den Burschen noch gab und wenn ja, hat er noch etwas mit Schalke zu tun? Ich selbst war S04 immer verbunden geblieben und auch mittlerweile Vereinsmitglied. Ich begann also zu recherchieren und tatsächlich hatte ich irgendwann eine Telefonnummer zur Adresse.

Die Idee dort anzurufen war schon verrückt. Schließlich hatte unser Treff damals nicht mal 30 min gedauert. Ich hatte Glück, Oliver lebte immer noch in seinem Elternhaus. Er war sehr überrascht von meinem Anruf, konnte sich aber an unsere damalige Begegnung erinnern. Wir telefonierten von diesem Tage an häufiger und wir hatten uns ja auch einiges zu erzählen. Schließlich lud mich Oliver ein, ihn in seiner Heimatstadt zu besuchen. So fuhr ich mit meinem Sohn nach Lippstadt, um Oliver und seine Familie kennen zu lernen. Er selber ist noch immer Anhänger und Mitglied des FC Schalke.
Es war eine spannende und auch eine sehr emotionale Situation für mich. In Lippstadt angekommen wurden wir sehr herzlich begrüßt und aufgenommen. Fast so, als hätte es die Zeit dazwischen nicht gegeben.

Dann war es soweit. Mehr als 25 Jahre nach unserem ersten Treffen in Ostberlin besuchten wir gemeinsam die Partie der Knappen gegen Kaiserslautern! Es war mein erster Besuch auf Schalke überhaupt. Für mich und meinen Sohn war es ein ganz großartiges Wochenende (wenn man vom Spielausgang absah). Außerdem konnten wir neben dem Spiel auf einer Tour durch die Veltins Arena und der Glückauf-Kampfbahn allerhand Wissenswertes über unseren Verein erfahren.

Für dieses tolle Erlebnis und die Gastfreundschaft möchte ich mich an dieser Stelle, bei Oliver und seiner Familie ganz herzlich bedanken!

PS: Der nächste gemeinsame Besuch in der Arena ist schon geplant.
Glück Auf!


„1904 Geschichten“.
Die Bitte geht an Alle: wenn ihr etwas habt aus über 100 königsblauen Jahren, etwas Wahres und/oder Interessantes über Schalke, das ihr teilen wollt, Erlebnisse die erinnernswert sind oder ganz einfach Schilderungen, wie es war, wie man sich Eintrittskarten besorgte, wo in der Glückaufkampfbahn, dem Parkstadion oder der Arena man „daheim“ war, wie man dahin kam und wie es da zuging, oder was auch immer vielleicht jemand, der Schalke nur vom Fernsehen oder aus der Zeitung kennt, nie oder niemals wirklich wissen kann – aber vielleicht sollte – schickt mir (matthias.berghoefer[at]web.de) einfach eure Texte, Dreizeiler oder halbe Romane und egal wie’s mit Rechtschreibung aussieht. Klar erkennbar muss sein, ob es sich um eine wahre Geschichte handelt oder um einen Prosatext, also einen konstruierten, erfundenen, der etwas Bestimmtes ausdrücken will in Bezug auf den FC Schalke 04.
Wichtig ist natürlich auch, dass ihr kein Problem damit habt, dass euer Text hier, und vielleicht auch irgendwann mal in einem Buch, veröffentlicht wird – natürlich unter eurem Namen, oder einem „Pseudonym“ falls euch das aus irgendeinem Grund lieber ist.
1904 Geschichten sind eine Menge Holz. Ich bin mal gespannt.

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3 Antworten zu “Was lange währt

  1. Seit Samstag geht es mir nicht gut,wenn ich an unseren Verein denke.Am Sonntag wird der Trainer entlassen und mir geht es bei den Gedanken an den S04 eher schlechter denn besser. Ich lese Montags in Zeitungen,Blogs und Foren viel über Schalke und mir geht es noch mieser.
    Und dann rufe ich Dienstag diese Seite auf und lese diese Geschichte und zum ersten Mal seit Samstag ca.18:42 Uhr habe ich wieder ein Lächeln im Gesicht, welches ich mit dem FC Schalke verbinden kann. Vielen Dank dafür!

  2. Geniale Geschichte. Danke dafür!

  3. Tolle Geschichte.Ein wahrer FC Schalke Anhänger
    F.Ayim 21.04.2013

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