Stadionpolitik

Thomas Sand aus Dudenhofen ist seit gut 30 Jahren am Verein „dran“, ist Mitglied im Supporters Club und hat den blauweißen Virus inzwischen auch in Chile verbreitet.

Plötzlich mittendrin statt nur in der Zeitung vom Fußball lesen, da gibt’s natürlich einiges zu erleben. So war das auch schon Anfang der Achtziger..


Meine Leidenschaft für unseren S04 begann ca. im Jahr 1979, als ich von einem Handball-Kumpel mit dem blau-weissen Virus infiziert wurde. Von ihm wurde ich regelmäßig mit extra für mich kopierten Ausgaben des Schalker Kreisels versorgt, was zur damaligen Zeit für einen 11-jährigen Knirps wie mich, der weit weg von Gelsenkirchen in der Pfalz lebte, die einzige „richtige“ Verbindung zu den Blauen war. Natürlich wollte ich irgendwann einmal auch meine geliebten Schalker live im Stadion erleben… Nach Gelsenkirchen ins Parkstadion? Ein Traum, aber zu dieser Zeit für mich unerfüllbar, ganz einfach aus logistischen Gründen, da die Heimat des S04 mir damals ebenso unerreichbar schien wie der Mond. Niemals, das war sicher, würden mich meine Eltern bei diesem Vorhaben unterstützen, geschweige denn selbst mitfahren. Also blieb nur die Möglichkeit, die Spiele der Schalker in der Nähe zu besuchen, was damals bedeutete, auf die Heimspiele von Mannheim, Kaiserslautern oder Wormatia Worms gegen Schalke zu warten.

Schließlich, Anfang der Achtziger war es dann endlich soweit, „mein“ erstes Spiel in Worms, bald darauf in Mainz im DFB-Pokal (wo der Zaun vor dem Schalker Block zerstört wurde – ein für mich damals absolut unfassbares, rohes und gewalttätiges Ereignis) und schließlich im November 1984 das Spiel gegen Mannheim, welches aus stadiontechnischen Gründen damals im benachbarten Südwest-Stadion in Ludwigshafen ausgetragen wurde. Und hiervon handelt mein kleiner „Schwank“, den ich hier zum Besten geben möchte…

Zusammen mit meinem Vater und einem Freund von mir machten wir uns nach wochenlanger Vorfreude und völlig aufgeregt (zumindest mein Kumpel und ich) auf den Weg nach Ludwigshafen, wo wir vor dem Stadion bereits die ersten der berüchtigten Schalker Fans erblickten, was meine Aufregung ins schier Unermessliche steigen ließ und mir klarmachte: SO WIE DIE WILLST DU AUCH SEIN!

Nach dem Kauf der Eintrittskarten betraten wir das Stadion, in dem man sich problemlos und ohne Kontrollen seinen Stehplatz aussuchen konnte. Natürlich wurden mein Kumpel und ich von dem blau-weissen Epizentrum der Stimmung wie magisch angezogen und uns war sofort klar, daß für uns kein anderer Platz als möglichst tief in der Mitte des Schalker Universums infrage käme, von wo sich Schlachtgesänge und Sprechchöre wellenartig ausbreiteten. Für meinen Vater war allerdings genau das Gegenteil klar – sein Platz sollte möglichst weit weg von den Bekloppten sein…
Also quetschten sich mein Kumpel und ich uns zwischen den Zuschauern durch, um uns einen Platz im innersten Herzen der Schalker Fankurve zu ergattern und das Spiel von dort aus zu verfolgen und die für uns Frischlinge unglaubliche Atmosphäre tief in uns aufzusaugen. Mit der Zeit wurden wir sogar etwas mutiger und fingen an, in die Sprechchöre einzustimmen. Mit Erstaunen und Stolz bemerkten wir, daß wir dies tun konnten, ohne bei den „richtigen Schalkern“ aus Gelsenkirchen aufzufallen. Niemand stürzte sich lachend auf uns und rief : „Seht nur, diese Neulinge“…Wir waren angekommen!

Nach einiger Zeit wurde ein Gesang angestimmt, aus dem ich nicht recht schlau wurde: In einem Schlachtruf wurde sowohl der FC Schalke als auch die SPD gepriesen…?! Nun muß ich erklären, daß ich aus gutem, konservativen, katholischen Hause komme, mir war bekannt, daß in meiner Familie die CDU etwas beliebter war als die SPD und auch meine Zeit bei den Meßdienern war noch nicht so lange vorbei. Der Umstand, daß auf Schalke die „böse“ SPD offensichtlich genauso beliebt war wie die eigene Fußballmannschaft, ließ mir den Schalker Anhang noch gefährlicher erscheinen als er ohnehin schon für mich war. Natürlich hielt mich dieser Umstand nicht davon ab, auch in diesen Gesang einzustimmen – im Gegenteil: Ich fühlte mich noch rebellischer und freier!

Als ich wenig später von der wunderbaren Fanfreundschaft zwischen unseren Schalkern und dem Club aus Nürnberg hörte, welche natürlich auch akustisch durch Schlachtrufe aus der Fankurve gepriesen wurde, wurde mir allerdings klar, daß das politische Interesse im Fanblock wohl doch nicht so ausgeprägt war, wie ich vermutet bzw. herausgehört hatte… denn in Wahrheit wurde natürlich etwas anderes gesungen: „Schaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaalke und der FCN!!!“


„1904 Geschichten“.
Die Bitte geht an Alle: wenn ihr etwas habt aus über 100 königsblauen Jahren, etwas Wahres und/oder Interessantes über Schalke, das ihr teilen wollt, Erlebnisse die erinnernswert sind oder ganz einfach Schilderungen, wie es war, wie man sich Eintrittskarten besorgte, wo in der Glückaufkampfbahn, dem Parkstadion oder der Arena man „daheim“ war, wie man dahin kam und wie es da zuging, oder was auch immer vielleicht jemand, der Schalke nur vom Fernsehen oder aus der Zeitung kennt, nie oder niemals wirklich wissen kann – aber vielleicht sollte – schickt mir (matthias.berghoefer[at]web.de) einfach eure Texte, Dreizeiler oder halbe Romane und egal wie’s mit Rechtschreibung aussieht. Klar erkennbar muss sein, ob es sich um eine wahre Geschichte handelt oder um einen Prosatext, also einen konstruierten, erfundenen, der etwas Bestimmtes ausdrücken will in Bezug auf den FC Schalke 04.
Wichtig ist natürlich auch, dass ihr kein Problem damit habt, dass euer Text hier, und vielleicht auch irgendwann mal in einem Buch, veröffentlicht wird – natürlich unter eurem Namen, oder einem „Pseudonym“ falls euch das aus irgendeinem Grund lieber ist.
1904 Geschichten sind eine Menge Holz. Ich bin mal gespannt.

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