Sohnemanns Premiere

Dirk Engelhard, gebürtig aus Lüdenscheid aber eigentlich aus Halver/Wesrfalen, seit vielen Jahrzehnten im Schwarzwald daheim und lange Zeit Fan der 1904 gegründeten Blau-Weißen des ERC Schwenningen. Ja, Eishockey. Die köngsblauen 1904er kamen später aber auch noch dazu.

Das eigene „erste Mal“ ist meist was Großes – das des eigenen Sohnemanns ist fast noch größer.


Fußball war für mich viele Jahre lang Nebensache, meine große Liebe galt immer dem Eishockey, welches hier im Schwarzwald große Tradition hat. Kaum ein Heimspiel in 30 Jahren verpasst, viele legendäre Auswärtsfahrten erlebt, wenngleich an manche die Erinnerung fehlt…

Was Fußball betrifft: Mein Vater war großer Fan der Mannschaft nördlich von Lüdenscheid, so war ich grundsätzlich dagegen, und ärgerte ihn nur zu gerne mit Schalke. Aber wie gesagt, Fußball war nur Nebensache, ich freute mich, wenn Schalke gewann, aber es war nicht tragisch wenn es anders war.

Das änderte sich erstmals 2001. Hierauf will ich nicht näher eingehen, aber dieses Mal bemerkte ich plötzlich, dass es mich nicht mehr kalt ließ, im Gegenteil! Und seit diesem Tag trat mehr und mehr der Fußball in den Vordergrund, ich verpasste kein Spiel mehr (wenn auch meist im TV), und eine große Liebe begann.

Ebenfalls im Jahr 2001 kam mein Sohn Nils auf die Welt, spielt seit er vier ist Fußball, und sein erstes großes Idol war Kevin Kuranyi, damals noch beim VfB Stuttgart. Seine Liebe zu Schalke begann folgerichtig erst mit Kevins Wechsel zu Schalke. Durch die Entfernung war es uns nicht möglich, Heimspiele zu besuchen, das erste mal zusammen in der Donnerhalle waren wir zu einem Vorbereitungsspiel der EM 2008 gegen Serbien. Schon ein unvergessliches Erlebnis für den Knirps, und auch meine Frau –begeistert von der Offenheit und Herzlichkeit der Schalker- ist seitdem ein bisschen königsblau (ich sag ein bisschen, weil Fußball ansonsten nicht so ihr Ding ist).

In der Saison 2009/10 beginnt dann meine eigentliche Geschichte: Schalke war auf Kurs nach ganz oben, und das Spiel gegen die Bayern stand an. In der Tauschbörse besorgte ich Tickets für mich und den Junior, ohne ihm was zu sagen. Eine Woche vor dem Spiel erzählte ich ihm, wir würden übers Wochenende „Onkel Heinrich“, auch schwarz-gelber Anhänger, in der Nähe von Lüdenscheid besuchen gehen. Er selbst kam sogleich auf die Idee, in blau weiß anzureisen, da er zum einen den Onkel ärgern wollte zum anderen wusste er, dass unsre Jungs an diesem Tag ein vorentscheidendes Spiel gegen die Münchner hatten. Besser hätte es ja für mich nicht laufen können. Im Zug fand er es dann ziemlich cool, dass uns alle auf dem Weg nach Gelsenkirchen wähnten, ich hingegen fand´s umso cooler, dass er immer noch nichts von meinen Tickets wusste!

Es war dann irgendwie kurz vor Koblenz, als ich es nicht mehr aushielt. Ich hab heut noch die leuchtenden Augen im Gedächtnis, als er „zufällig“ im Rucksack die Karten für die Arena entdeckte. Ich habe meinen Sohn nicht oft so sprachlos und glücklich erlebt (er freut sich sonst mehr so nach innen…), und selten war ich selber so gerührt und zufrieden.

Dann ging unsre Tour erst so richtig los, der Kleine hörte bis GE gar nicht mehr auf zu quatschen. Am Bahnhof GE dann seine erste Trophäe: Ein „Sch..ß Bayern“ Schal. Gleich kam eine Gruppe Bayern Fans auf uns zu und wollte unbedingt ein Foto mit dem Kleinen machen. Nach einem kurzen Bummel durch die Innenstadt gings dann gleich weiter zur GAK. Anschließend dann zur Arena, und ja, wir waren auch in der Böklunder-Fan-Box, ich musste…

Danach dann zum Spiel, welches bekanntermaßen verlief – 1:2 verloren, aber wenigstens traf Kuranyi… – Das Ergebnis aber war reine Nebensache, denn ich hatte eine Dauergänsehaut, gemischt mit purem Stolz. Für mich jedenfalls eines der bewegendsten Schalke-Erlebnisse, mit dem eigenen Sohn zum ersten Mal beim Heimspiel! Die Fotos von damals dekorieren heute meine Wohnung, und es schlossen sich noch ein paar Heim und einige Auswärtsspiele an. Fast immer hat mein Sohn Pech, wenn er im Stadion ist, denn sein einziger Schalke-Sieg war ein 1:0 zu Hause gegen Freiburg in der vergangenen Saison (und naja, kürzlich das 11:1 gegen Teningen…). Niederlagen hat er einige hinnehmen müssen, darunter auch die fette 5:0 Schlappe in Lautern (bei -12°), das einzige Spiel, in dem mein Sohn freiwillig fünf Minuten früher das Stadion verließ. Aber eines kann ich sagen: Ich denke er wurde nach jeder Pleite noch mehr Schalke-Fan. Keine Selbstverständlichkeit in dem Alter. Ein sogenannter Erfolgsfan ist er jedenfalls sicher nicht, und ich denke mal er bleibt blau und weiß ein Leben lang!


„1904 Geschichten“.
Die Bitte geht an Alle: wenn ihr etwas habt aus über 100 königsblauen Jahren, etwas Wahres und/oder Interessantes über Schalke, das ihr teilen wollt, Erlebnisse die erinnernswert sind oder ganz einfach Schilderungen, wie es war, wie man sich Eintrittskarten besorgte, wo in der Glückaufkampfbahn, dem Parkstadion oder der Arena man „daheim“ war, wie man dahin kam und wie es da zuging, oder was auch immer vielleicht jemand, der Schalke nur vom Fernsehen oder aus der Zeitung kennt, nie oder niemals wirklich wissen kann – aber vielleicht sollte – schickt mir (matthias.berghoefer[at]web.de) einfach eure Texte, Dreizeiler oder halbe Romane und egal wie’s mit Rechtschreibung aussieht. Klar erkennbar muss sein, ob es sich um eine wahre Geschichte handelt oder um einen Prosatext, also einen konstruierten, erfundenen, der etwas Bestimmtes ausdrücken will in Bezug auf den FC Schalke 04.
Wichtig ist natürlich auch, dass ihr kein Problem damit habt, dass euer Text hier, und vielleicht auch irgendwann mal in einem Buch, veröffentlicht wird – natürlich unter eurem Namen, oder einem „Pseudonym“ falls euch das aus irgendeinem Grund lieber ist.
1904 Geschichten sind eine Menge Holz. Ich bin mal gespannt.

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