Fast dabei

„SBALU04“ hat als Kind mit großen Ohren zugehört, wenn Ernst Kuzorra dem befreundeten Oppa beim „Bosch“ Geschichten erzählte, kannte den Stan Libuda persönlich, sah unzählige Derbys, war in Mailand, Berlin und auch schon 1972 beim Pokalfinale live dabei.

ChampionsLeague. Auswärtsspiel. Schalke zu Gast bei den „Gunners“ in Highbury. Da muss man natürlich hin. Also, zumindest versuchen muss man’s.


Es ist der 23.Oktober, ein Tag vor dem Spiel in London. Europapokal bei Arsenal. Tasche packen, ab nach Gelsenkirchen. Am Treffpunkt in GE angekommen wird alles nochmal gecheckt – alles da. Kann los gehen.

Die Busse sind auch schon da und pünktlich um Mitternacht starten wir. So geht die Fahrt los. Kurz vor Venlo die erste Aufregung: Die Polizei winkt alle Busse raus und macht erst mal eine Passkontrolle. Nach ca. einer Stunde sind alle Busse wieder unterwegs und bis Calais passiert nicht mehr viel. Dort gibt es dann natürlich wieder eine Passkontrolle, nun bin ich dran – und komme nicht weiter. Sie sagen, mein Pass sei nicht in Ordnung. Ein Hin und Her und ich muss erst mal da bleiben.

Da bleiben?!

Die Busse fahren ohne mich weiter. Toll!

So, nun geht es weiter. Sie nehmen mich mit und ich komme erst einmal in die Zelle. Und ich weiss immer noch nicht, warum. Wir waren um 5 Uhr in Calais und nun ist es schon 7 und jetzt kommt jemand, der sagt, mein Pass sei nicht okay und es werde noch etwas dauern bis der Kommissar kommt, der deutsch spricht. Na super. Also wieder zurück in die Zelle – und nach fünf Minuten wieder raus: Alle Taschen leer machen.

Mittlerweile ist es 8 Uhr. Alle Taschen sind leer und natürlich sind auch meine Tabletten nun weg. Tabletten gegen hohen Blutdruck. Ich erkläre, wofür ich sie brauche, aber die Engländer meinen, es sind Drogen! Nach zehn mal erklären haben auch sie es endlich verstanden. Um 8.30 Uhr ist endlich die Kommissarin da, die deutsch spricht. Es geht in den Verhör-Raum und sie sagt mir, dass das nicht mein Ausweis sei, der wäre nämlich gefälscht. Sie sagt, ich würde lügen und ich sage ihr, sie solle meine Frau anrufen. Was sie dann auch irgendwann tut, nachdem ich ihr die Nummer gegeben habe. Und also fragt sie meine Frau, ob sie mich kennt(!) und die ist erst mal erschrocken und erklärt dann der Kommissarin, wer ich bin. Und ich sitze daneben und darf nichts sagen. Dann wird noch mein Hausarzt angerufen wegen der Tableten und das Einwohnermeldeamt wegen eines Führungszeugnisses und ob was gegen mich vorliegt.

Super.

10 Uhr. Und noch immer bin ich hier und kann nicht weiter. Denn jetzt heisst es: Schuhe aus. Socken aus. Hose aus. Drogen-Kontrolle.
Ich muss im falschen Film sein, das kann doch gar nicht anders sein. Ist aber kein Film. Weiter geht’s: Fingerabdrücke nehmen. Fotos machen. Und wieder ab in die Zelle und warten…

12 Uhr. Ich sitze immer noch fest. Und dann sagt man mir, dass ich heute nicht mehr einreisen darf. Na super. ChampionsLeague mit Schalke also ohne mich. Ich frage, ob ich meinen Bruder anrufen kann, damit er wenigstens meine Eintrittskarte weiter verkauft an einen, der sie braucht, und nach langem Hin und Her darf ich dann auch telefonieren.

Und dann, ohne ein Wort, ohne auch nur irgendetwas zu sagen, werde ich den Franzosen übergeben. Und die sagen, es ist alles in Ordnung. Bloss einreisen, rüber nach England, das dürfte ich halt nicht. Oh Mann, Scheisse, kein Schalke für mich und jetzt darf ich mich den ganzen Tag in Calais rumtreiben bis der Bus auf dem Rückweg vom Spiel hier wieder vorbei kommt und mich abholt.

Aber mir bleibt ja nichts anderes übrig. Und es wird noch ein ganz netter Tag und eine nette Nacht in Calais. Ich habe viel Spass mit den Franzosen und Abends sehe ich das Spiel im Fernseher, zusammen mit Franzosen und Engländern und noch ein paar Schalkern.
Nachts um 1 geht es zurück zum Hafen und da warte ich bis 4 Uhr auf den Bus. Und da kommt er, mein Bus voller Auswärtssieger, und nimmt mich wieder mit in die Heimat.

2:0 gewonnen. Bei Arsenal London. Und fast war ich dabei.

p.s.
keine zwei Tage später wird meine Nichte, auf Klassenfahrt nach England, in Calais ein halbe Stunde lang aufgehalten und nach mir befragt. Zum Glück wusste sie vorher von meinem „Abenteuer“ an der Passkontrolle und hatte Reiseleitung und Klassenlehrerin informiert – und so durfte sie dann auch glücklich einreisen…


„1904 Geschichten“.
Die Bitte geht an Alle: wenn ihr etwas habt aus über 100 königsblauen Jahren, etwas Wahres und/oder Interessantes über Schalke, das ihr teilen wollt, Erlebnisse die erinnernswert sind oder ganz einfach Schilderungen, wie es war, wie man sich Eintrittskarten besorgte, wo in der Glückaufkampfbahn, dem Parkstadion oder der Arena man „daheim“ war, wie man dahin kam und wie es da zuging, oder was auch immer vielleicht jemand, der Schalke nur vom Fernsehen oder aus der Zeitung kennt, nie oder niemals wirklich wissen kann – aber vielleicht sollte – schickt mir (matthias.berghoefer[at]web.de) einfach eure Texte, Dreizeiler oder halbe Romane und egal wie’s mit Rechtschreibung aussieht. Klar erkennbar muss sein, ob es sich um eine wahre Geschichte handelt oder um einen Prosatext, also einen konstruierten, erfundenen, der etwas Bestimmtes ausdrücken will in Bezug auf den FC Schalke 04.
Wichtig ist natürlich auch, dass ihr kein Problem damit habt, dass euer Text hier, und vielleicht auch irgendwann mal in einem Buch, veröffentlicht wird – natürlich unter eurem Namen, oder einem „Pseudonym“ falls euch das aus irgendeinem Grund lieber ist.
1904 Geschichten sind eine Menge Holz. Ich bin mal gespannt.

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2 Antworten zu “Fast dabei

  1. Das gibt’s doch nicht!!
    Mit welcher Begründung hat man Dich denn jetzt festgehalten?
    Scheinbar ist ja auch was in den Akten geblieben?! (Stichwort Nichte!).
    Gab es eine Entschuldigung?

    Glückauf,
    Enatz

  2. da solltest du aber wirklich mal klären lassen woran das gelegen hat! Sonst stehst du beim Champions League Finale auch an irgendeiner Grenze herum!

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