Schlacht um Derbinium

„Schmiddy“ fährt seit den frühen achtzigern mehr oder weniger regelmäßig zu den Spielen, hat einen der ältesten Fanclubs mitbegründet, DK in Block 2, Raucher, Schwimmer, Führerscheininhaber, Beamter, Wanderer, Vater, Deutscher, Europäer, Pantheist, Hesse, Hase im chinesischen Sternzeichen, Widder im anderen, Wähler, Manchmalnixkapierer, Frauenversteher, Videofreak, Buchleser und Schalker.

Das Revierderby steht vor der Tür und da werden die einen nervös, die anderen gesprächig, diese zittern, jene werden mutig oder träumen davon, wie’s sein könnte. Es geht aber auch einfach alles zusammen.


Es begab sich zu der Zeit, als die Welt noch grün, unschuldig und rein war, dass sich ein großes Unheil über diese erhob. Was es war, wusste niemand so genau, nur hinter vorgehaltener Hand wurde darüber getuschelt. Die Bauern hörten den fahrenden Spielleuten mit großen Augen und entsetztem Gesichte zu, als diese über das Unheil sprachen. Die Spielleute berichteten, dass schon bald auch ihre Mark vom Unheil heimgesucht würde, wenn nicht schnell etwas geschehe. Von schrecklichen Gestalten war die Rede, von unaussprechlichen Farben und beinahe wahnsinnigem Gefolge.

Also sprach der Herr der Mark, Fürst von Toennisium: „Ich will eine Streitmacht aufstellen mit wackeren Gesellen von edlem Gemüte, von reinem Herzen und von aufrichtiger Gesinnung!“ Er sandte seinen Marschall aus, den edlen Horst , der zwar von kurzer Gestalt, aber listig und tugendhaft war, ein wahrer Heldt. „Ich will tun, wie mir geheißen“ sagte der und begann alsbald, Truppen auszuheben. Nach wahrlich kurzer Zeit hatte er eine kleine Streitmacht auserkoren, denn nicht Übermacht würde den Sieg bringen, sondern Schläue, List und Tücke.

Der edle kurze Horst sprach zu seinem Heerführer Huuber, einem erfahrenen Recken aus den Landen nahe der nördlichen See mit einer Vorliebe für ballonseidene Gewänder: „Huuber, wir müssen eine gräßliche Gefahr für die ganzen Lande abwehren, ertüchtige diese schar wackerer Mannen und lehre sie all deine Listen!“. Huuber tat, was Horst ihm aufgetragen und nach kurzer Zeit schon hatten die Männer begriffen, was zu tun war. Sie waren bereit, dem Grauen ins Angesicht zu sehen und der höllischen Gefahr ins Auge zu spucken.

Derer waren sie fünfundzwanzig an der Zahl, darunter Mohren aus fernen Landen, Gnomen aus dem hohen Norden jenseits des Eises, Söldner aus aller Herren Länder, die sich verdungen hatten, alle mit einem gemeinsamen Ziele. Sogar ein Abtrünniger aus der Armee des Grauens war dabei. Dieser war beim bösen Watz, so hieß der Anführer der grausamen Armee, in Ungnade gefallen. Metzelnder, das war sein Name und diese Kunst beherrschte er auch ausgezeichnet. Ihm traten die Bauern jedoch mit Misstrauen gegenüber, hatte er in früheren Schlachten doch viele ihrer erlegt.

Die Armee des Grauens hatte derweil die Grenzen der lieblichen Mark erreicht, nun musste sich zeigen, wer der bessere Heerführer war. Die Bauern jubelten den ausziehenden Streitern zu, die ihre blauweißen Banner stolz vorantrugen. Das Feld der Fehde sollten die Hügel von Derbinium sein, dorthin ging die Fahrt. Als die Schar die Hügel erreichte, sahen sie, dass der böse Watz bereits ein Feldlager errichtet hatte aus gewelltem Bleche.

Den Mannen Huubers wurde beim Anblick der Feste ganz übel, als schiene sich Pestilenz auszubreiten. Auch die mitgereisten Bauern klagten über schmerzende Augen, allzu boshaft und widerwärtig waren die allgegenwärtigen Farben des Ungemaches. Aus dem Tor trat ein Unterhändler hervor, sein Name war der eines Weibes, er selbst schien auch zweifelhaften Geschlechtes. „Wohlan,“ sprach er mit seltsamem Schlage, als wäre seine Zunge zu groß, „ergebt euch gleich und ihr sollt verschont werden. Mein Herr ist großherzig und bietet euch eine heldenhafte Kapitulation!“
„Werter Herr zweifelhafter Gestalt“ sprach Huuber, „wir können in unserer Mark nicht so viele Gefangene verköstigen, wir müssen daher freundlich ablehnen!“
„Dann werde ich meinen Heerführer senden, sollen also die Waffen sprechen, ihr werdet das schwerlichst bereuen! Wir haben schon alle besiegt, so werdet auch ihr nicht verschont!“ züngelt der Scherge des bösen Watzes zurück.

Die Mannen Huubers waren frohen Mutes ob des Auftreten ihres Anführers und klapperten mit den Schilden. Ein besonders kecker Recke namens Holterbeil zwitscherte aufgeregt und siegesgewiss zu den Bauern herüber. Die Mannen bereiteten sich auf das nun folgende Schlachten vor.
Sie schlugen sich tapfer und alsbald konnten sie sogar das gewellblechte Tor der Feste stürmen. In dessen Inneren sollte also die Entscheidung fallen. Beide Seiten hatten nur noch ihre besten Recken unversehrt als Faustpfand für die entscheidende Fehde. So standen sie sich gegenüber, Elf gegen elf sowie die beiden Heerführer. Dieser war auf Seiten des bösen Watzes ein vierschrötiger, verschlagener Mann, der für seine boshafte Art gegenüber den friedliebenden Hütern von Recht und Ordnung bekannt war. „Pupser“ war auf seinem Helme geschrieben, was sicherlich aus einer fremden Sprache stammte oder einfach nur gemeine Darmwinde signalisierte. Auch seine Tracht war in den schrecklichen Farben gehalten, den Mannen Huubers, obwohl gewappnet, wurde kalt ums Herz bei seinem Anblicke.

Auch die verbliebenen Elf des bösen Watzes waren ein gemeiner Anblick, sogar ein schabrackenartiger Krieger war dabei, der sie böse anfunkelte. „Männer, seid unverzagt, wir werden auch das überstehen!“ sagte der mutige Huuber und lies sie vorrücken. Augenblicklich entwickelte sich eine wogende Schlacht, es wurde getolschockt, gegnarft und sogar etwas gegniddelt- Das Schlachtenglück wechselte hin und her und fast schien es, als sollte der böse Watz am Ende doch triumphieren und die Welt abermals ins Dunkel führen, als der wackere Held Jonas aus den Landen jenseits des großen Meeres den Schabrackenkrieger niederrang. Die Krieger Huubers, als sie dessen gewahr wurden, schöpften neuen Mut. Herr Hunter von der Laar, der aus demselben Lande wie auch Huuber stammte, fasste sich ein Herz und ging auf die einsam stehende Wache des Zeltes des bösen Watzes zu, hob sein Schwert und ….

Möööp…möööp…möööp…möööp…

Schweißgebadet wache ich auf. Fettiges Essen am Abend sollte ich wohl meiden. Wird Zeit, dass es endlich losgeht.


„1904 Geschichten“.
Die Bitte geht an Alle: wenn ihr etwas habt aus über 100 königsblauen Jahren, etwas Wahres und/oder Interessantes über Schalke, das ihr teilen wollt, Erlebnisse die erinnernswert sind oder ganz einfach Schilderungen, wie es war, wie man sich Eintrittskarten besorgte, wo in der Glückaufkampfbahn, dem Parkstadion oder der Arena man „daheim“ war, wie man dahin kam und wie es da zuging, oder was auch immer vielleicht jemand, der Schalke nur vom Fernsehen oder aus der Zeitung kennt, nie oder niemals wirklich wissen kann – aber vielleicht sollte – schickt mir (matthias.berghoefer[at]web.de) einfach eure Texte, Dreizeiler oder halbe Romane und egal wie’s mit Rechtschreibung aussieht. Klar erkennbar muss sein, ob es sich um eine wahre Geschichte handelt oder um einen Prosatext, also einen konstruierten, erfundenen, der etwas Bestimmtes ausdrücken will in Bezug auf den FC Schalke 04.
Wichtig ist natürlich auch, dass ihr kein Problem damit habt, dass euer Text hier, und vielleicht auch irgendwann mal in einem Buch, veröffentlicht wird – natürlich unter eurem Namen, oder einem „Pseudonym“ falls euch das aus irgendeinem Grund lieber ist.
1904 Geschichten sind eine Menge Holz. Ich bin mal gespannt.

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9 Antworten zu “Schlacht um Derbinium

  1. beste Derbyvorschau ever 🙂

  2. extrem gut geschrieben. Klasse, das ist doch einen Asbach Urlalt wert.

  3. Sowas kann nur von Schmiddy kommen…. 😀

  4. Mit sehr viel Witz und herrlicher Doppeldeutigkeit geschrieben. Nun denn, möge das Derby beginnen und die Guten gewinnen.

  5. Der Schreiber hat gute Arbeit verrichtet. Das Volk ist begeistert.
    Man danket ihm! 🙂

    Glückauf

  6. Wohl an – welch derber Spass von einem wahren Recken ….Bravo !

  7. Super – Klasse, wahrhaftig so soll es sein!!

  8. Geil, Schmiddy 😀

  9. .. doch war ihm das Glück nicht hold, er stach sich damit in seinen kettenbestrumpften Fuß.

    Nur der Vollständigkeit halber. 🙂

    DERBYSIEG!!!

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