Baraka

Matthias Berghöfer geht gerne mal zum Fußball – sofern wenigstenst irgendein Schalker auf dem Platz steht. Er liest gerne Bücher und schreibt manchmal auch welche. Neugierig ist er auch. Und lebt gerne.

Erinnerungen an ein paar Wochen im Nahen Osten, in denen, wie bei jedem Schalker, auf irgendeine Weise auch Schalke immer dabei war.


In Aleppo wird geschossen. In Homs und in Hama, und selbst in Damaskus. Wenn ich im Sommer des Jahres 2012 diese Bilder sehe, dann überkommt mich Trauer. Mehr als das sowieso bei solchen Bildern der Fall ist, weil – und das ist wohl menschliche Natur – weil mich mehr als nur theoretisches Wissen verbindet mit diesen Städten, und weil ich mich erinnere an Menschen.

„Go, get the red ones!“ herrscht der libanesische Flugkapitän einen Techniker an. Oh nein, rote Handbücher, das muss etwas Ernstes sein! Seit einer halben Stunde sitzen wir nun schon in dieser nahezu leeren Boeing, direkt hinter dem offenen Cockpit, in dem verzweifelt versucht wird, irgendein Problem in den Griff zu bekommen. Die blauen Handbücher hatten wohl nicht geholfen – dabei ist Blau doch eine so viel bessere, optimistischere, schönere Farbe als Rot! Rot, das muss Krise bedeuten. Zum Glück sind wir noch am Boden. Auf dem Rollfeld des Flughafens in Beirut, der erst vor kurzem aus den Ruinen des endlich beendeten Bürgerkriegs wieder auferstand. So frisch und neu, dass noch kaum etwas los ist und die Soldaten mit ihren Maschinenpistolen noch ähnlich viel Furcht vor so Fremdlingen wie mir haben wie ich vor ihnen. Einer von ihnen kontrollierte mich mit vorgehaltener Waffe noch im Flugzeug, hier darf nichts schief gehen, hier wird nichts riskiert. Vorne im Cockpit knallt es. Es ist schon erstaunlich wie ruhig man in Situationen sein kann, die auch irgendwie ganz anders ausgehen könnten – aber es sind keine Schüsse, es sind offenbar Fußtritte, die irgendein Bordinstrument bekommt. Ob das in den roten Handbüchern stand?

Wie auch immer, mit breitem Grinsen verlässt der Techniker das Flugzeug und wir heben ab für den kurzen Flug nach Amman, Jordanien. Der wunderbare Libanon liegt unter uns, wir werden ihn in wenigen Wochen wieder sehen, an den sich abwechselnden Straßensperren der libanesischen Armee, der syrischen Armee und der Hisbollah „lächeln wie harmlose, freundliche Deutsche“ (so der Rat einer Einheimischen) und die Bekaa-Ebene hinauf nach Baalbek fahren, wo im Schatten der gigantischen Säulen des Jupitertempels die UN-Friedenstruppe lagert und ich in den verblüffend deutsch benamsten Straßen einen ihren weißen Jeeps finden werde, auf dem anstelle der „UN“-Zeichen ein ebenso blauer, aber viel schönerer Schalke-Aufkleber prangt. Ein Moment des Friedens, wirklich, auch wenn es noch weiter im Norden unüberhörbar rumpelt und selbst mir großäugigem Fremden klar werden wird, dass das kein Gewitter ist, als wenig später israelische Jets über uns hinweg gen Süden zischen.

Erst einmal aber Amman. Am Flughafen schon hatte ich einer lokalen, englischsprachigen Zeitung – außer den Ziffern und ein paar Buchstaben kann ich kein Arabisch lesen, und sprechen oder verstehen kann ich’s schonmal gar nicht – entnommen, dass Jordanien von einem Fußballskandal erschüttert wird, und passenderweise ist der Busfahrer, den ich darauf anspreche, auch noch Fan der Hauptbeschuldigten. „Ausgeschlossen aus der Liga haben sie uns!“, jammert er, „dabei haben wir fast gar nichts gemacht! Nur das Spielfeld aus Protest verlassen, weil der Schiedsrichter uns betrog!“ Und dafür wird man so hart bestraft? „Naja“, lächelt der Busfahrer verschmitzt, „ein bisschen verdroschen haben die Spieler den mit der Pfeife natürlich auch…“ Aha. Das wäre in Deutschland bestimmt anders, meint er, da liefe alles ganz nach den Regeln und nichts würde hintenrum gemauschelt und der Verband würde einen Verein nicht so benachteiligen und übertrieben bestrafen, stimmts?
„Ach“, sag ich, „vor ein paar Jahren, da wurden die besten Spieler meiner Mannschaft gesperrt und sogar vor ein ordentliches Gericht gezerrt. Unseren ersten Meistertitel nach 14 langen Jahren kostete das! Dabei hatten sie fast gar nix gemacht….!“
„…außer den Schiedsrichter verdroschen?“
„Naja, außer sich bestechen zu lassen und absichtlich ein Spiel zu verlieren…“
Da macht der Fahrer große Augen, schlägt sich auf die Schenkel und wir müssen beide lachen – ich glaube, das ist das erste Mal, dass ich über dieses dunkle Kapitel meiner eigenen Farben nicht vor Scham im Boden versinke sondern tatsächlich lache.

Das Lachen vergeht mir am nächsten Tag. Heiß fegt der Wind über den Zitadellenhügel Ammans. In den Ruinen einer alten Moschee bolzen ein paar Jungs, Vollspann immer wieder an die 1400 Jahre alten Säulen. Verdammt, Pfosten! Nebenan graben ein paar Spanier nach Scherben, und der jordanische Soldat, der auf sie aufpasst, will wissen, ob ich Fußball mag. Was für eine Frage! „Na klar!“, sag ich, „Schalke!“ Der Soldat guckt zweifelnd. „Schalke, Mensch! Schalke ist der geilste Club der Welt!“. Hilft ihm offenbar nicht weiter, dass ich das jetzt auch noch zu singen versuche. „You are from Germany, yes?“ fragt er, und setzt nach: „Bayern München!“. Oh nein. Jetzt muss ich ihm erstmal erklären, dass dieser Verein, ganz anders als es die weltweite Werbecampagne offenbar zu vermitteln versucht, nicht die Krone der deutschen Fußballschöpfung sei, ja, dass er eigentlich sogar beinahe das Gegenteil wäre und praktisch niemand die leiden könne, und solche wie ich, die den besten Club der Welt, beheimatet nicht im südlichen Bayern sondern im berühmten Ruhrrevier, mögen, schonmal gar nicht. Und außerdem habe unser Club, ja, Schalke eben, praktisch neulich erst den UEFACup gewonnen, Europapokal, Schalke, das muss er doch kennen!
Und tatsächlich, da blitzt das Erkennen in den Augen, ein breites Strahlen erscheint unter der Soldatenkappe und der gute Junge hebt den Daumen und sagt: „Ah! Europapokal! Borussia Dortmund, gut!“

Hier hält mich nichts mehr. Am nächsten Tag überschreiten wir die Grenze nach Syrien.

Die jordanische Demütigung nagt noch immer an mir und verstärkt sich noch, als ich in einem abenteuerlichen Kiosk an der Straße nach Bagdad in den Zeitungen blättere, auf der Suche nach Fußballergebnissen. Draußen ist die Straße in beiden Richtungen verstopft mit Tanklastwagen – da fragt man sich, was die Nachrichten mit dem Wort „Öl-Embargo“ eigentlich meinen – und in meinem zerfledderten Blatt ist nicht nur die Rede davon, dass die UNO mit der Bombardierung Bagdads drohe, falls bis 13 Uhr nicht irgendein Ultimatum erfüllt werde, nein, ich muss auch noch lesen, dass Schalke das Revierderby mit 0:3 verloren hat. Stinksauer grüble ich, wie es wohl dem Schiedsrichter dieser Partie ergangen sein mag, einem gewissen Zahnarzt aus der Pfalz. 0:3, das kann doch nicht mir rechten Dingen zugegangen sein! Immerhin hilft mir das, zu bestimmen, wie alt dieser Zeitungsrest in meiner Hand eigentlich ist und ich weiß nun, dass es wohl momentan keine so gute Idee ist, in den Irak fahren zu wollen.

Wozu auch, wo es hier in Syrien genug zu sehen und zu tun gibt? Damaskus! Der Prophet Mohammed soll sich einst geweigert haben, diese Stadt zu betreten, weil er nur ein einziges Mal ins Paradies einkehren wolle. Eine herrliche Stadt! Assads Palast, eine riesige hässliche Betonkiste am Berg, mal beiseite gelassen, kommt man aus dem Staunen kaum heraus. In der großen Umayyaden-Moschee erklärt man mir, dass ich unbedingt die Gitter am prächtigen Schrein berühren müsse, denn der Schrein berge den Kopf des Täufers und spende beinahe so viel Baraka wie die Ka’ba in Mekka. „Baraka“? Eine Segenskraft, die hilft, Schaden abzuwenden, das Gute herbei zu führen. Baraka stecke in vielen Dingen, und hier eben besonders viel, und durch Berührung werde diese Kraft übertragen. Offenbar kann das auch mit technischen Hilfsmitteln verfeinert werden – so finden sich hier am Schrein des Johannes viele ans Gitter gekettete Schlösser, in der Hoffnung, der beständige Kontakt spende dem Besitzer des Schlosses auch aus der Ferne noch Baraka. Zu ärgerlich, dass ich keinen Schalke-Aufkleber dabei habe, aber das hätte sich natürlich nicht gehört – und getraut hätte ich mich auch nicht. Nichtmal Fotos machen darf man hier.

Draußen im Suq, dem großen Markt, dagegen ist das kein Problem. Ein Sinnessturm aus Farben, Dingen, Gerüchen. Phantastisch. Und Bücher gibt’s auch. Seltsamerweise keine über Schalke, offenbar, aber ich finde doch wenigstens einen Sprachführer Arabisch/Deutsch, dessen Brauchbarkeit durch sein Alter allerdings etwas leidet. Nicht nur dass Schalke zu dessen Drucklegung noch gar nicht existierte (nichtmal der Sport an sich hatte es da schon nach Europa geschafft), es ist wohl auch zweifelhaft, ob ich mit Sätzen wie „Reichen Sie mir bitte Feder und Griffel“ etwas anfangen können werde. Immerhin: „Ich wurde schon kontrolliert!“ und „Das sind nicht meine Waffen!“ könnten vielleicht mal nützlich sein…

Wunderbare Tage verbringen wir in Syrien, wir essen Dinge, von denen wir nichtmal den Namen, geschweige denn ihre Zusammensetzung, wissen, geraten in Homs in einen Fackel-Aufmarsch zu Ehren der Baath-Partei, der mich erinnert an früher, wenn die Blaue Menge brüllend die Treppen zum Betzenberg hoch stürmte, nur dass das hier viel mehr Menschen sind und das Ganze tatsächlich noch bedrohlicher wirkt, und wir staunen in Hama über die riesigen Wasserräder, die pausenlos nervenzerfetzend quietschen – ein Geräusch, wie wir es ähnlich erst Jahre später wieder in der Wellblechhütte zu Dortmund hören werden, wenn Ebbe Sand in der letzten Minute die Südkurve zum Kreischen bringt. „Die Stadt der Irren“, werde Hama genannt, sagt uns ein Einheimischer…

Und dann Aleppo.

Gewaltig steht die Burg über der Stadt. Der Sohn des mächtigen Salah-ad-Din, oder Saladin, wie er im Westen genannt wird, ließ vor 700 Jahren den Graben ausheben, den wir überschreiten müssen, um durch die zwei riesigen Portal-Türme hinauf zur Zitadelle zu gelangen, wo unser Erscheinen für Aufregung bei einem Haufen Erstklässler sorgt. In ihren braunen Uniformen mit Streifen auf der Schulter sehen sie aus wie Mini-Soldaten, aber sie strahlen uns an und ihre Lehrerin sorgt dafür, dass die Winzlinge uns ein Willkommens-Ständchen bringen. Ich weiß nicht, was sie singen, aber stellenweise klingt es glatt wie „Blau und Weiß“ – oder bekommt mir die Hitze etwa nicht? Jedenfalls bin ich hinreichend gerührt, um mich mit ein paar Zeilen von „Opa Pritschikowski“ zu revanchieren, was zu größtem Tohuwabohu unter den Zwergen führt, die sich vor Lachen biegen, und mir strenge Blicke von der Lehrerin einbringt.
Im Thronsaal herrscht dann andächtige Stille. Ein grandioser Raum, großartige Holzdecke, im Boden Löcher, um ganz bequem vom Thron aus den Feinden auf dem einzigen Zugang zur Burg heißes Öl auf die Köpfe kippen zu können, aus den Fenstern ein wunderbarer Blick auf die Medina, die Altstadt von Aleppo. Dort laden wir in der Moschee unser Baraka weiter auf, diesmal am Schrein des Zacharias, der immerhin der Vater des Täufers war und von dem mehr als nur der Kopf hier liegen soll, und dann nehmen wir den direkten Zugang zum Suq, der in Punkto „Orient“ den von Damaskus noch in den Schatten zu stellen scheint. Und Schatten gibts hier reichlich. Man meint, man wandle durch ein enges Kellergewölbe, Tageslicht gibt es sehr bald nicht mehr, in den gemauerten Wänden finden sich Nische um Nische, Händler um Händler, in den Gängen drängen sich Menschen, Esel, Karren, Fahrräder (auf denen zur Warnung nicht geklingelt sondern gepfiffen wird), manchmal sogar ein Motorrad, da wird alles transportiert, von Gewürzen und Sesamgebäck bis hin zu halben Lämmern und Schweinen, von Nadeln bis Kotflügeln, von Tand bis Gold, hier verdichtet sich alles, hier gibt es irgendwie auch alles – außer Strom vielleicht, wie wir bald merken werden.
Wir fallen natürlich auf. Ich bin ein bisschen größer als die meisten. Bin heller und dicker. Und anders angezogen bin ich auch. In Nullkommanix hab ich mehrere Schlepper an meiner Seite, alle haben sie dutzende Brüder, jeder davon stellt genau das her, was ich bestimmt brauche und gleich hier, nur ein paar Schritte entfernt kaufen kann. Und alle Brüder haben in Deutschland studiert oder beim Daimler gearbeitet, und manche verstehen tatsächlich ein bisschen Deutsch. Dem ersten, der überzeugend nickt, als ich frage, ob er Schalke kennt, folge ich.

In dem Wirrwarr der dunklen Gewölbe bin ich ruckzuck verloren, aber was soll’s, irgendwie kommt man da schon wieder raus. Der Bruder, bei dem ich abgegeben werde, verkauft Stoffe und Tischdecken. Seine Nische ist, wie alle hier, nur wenige Quadratmeter groß und quillt über vor Waren. Und er redet und redet und wirft Stoffbahn um Stoffbahn und die Preise purzeln von 1000 Pfund, das sind 40 Mark, bis 200 Pfund, aber weil er die 400 überspringt, an der mir irgendwie liegt, und weil ich eh keine Tischdecke brauche, lehne ich ab und kann nach zwanzig Minuten endlich entkommen – nur um vom Händler aus der nächsten Nische aufgehalten zu werden. Jetzt sehe ich, der gesamte Gang, vielleicht 50 Meter lang, besteht beidseitig nur aus Händlern, die Stoffe anbieten. Und da der erste nun an mir gescheitert ist, versucht der zweite sein Glück. Wahnsinn, das kann dauern!
Also wieder Decken, diesmal beginnt das Feilschen bei 800 Pfund, aber der gute Mann hat nur Sachen in den falschen Farben! „Blau? Gibt’s denn nichts Blaues?!“ beschwöre ich den Kerl, der mir prompt etwas strahlend Gelbes entgegen hält. „Nein! Nicht diese Farben!“, es hilft nichts. Offensichtlich hat der gute Mann mit seinen Kollegen gewettet, dass er mir genau dieses Stück andrehen wird – er lässt nicht locker, geht nach und nach herunter mit dem Preis für den gelben Fetzen, ganz unbeeindruckt von meinem Hinweis, dass der Preis ganz gleich sei, denn solche Farben könne ich nicht kaufen. Schließlich fällt der Preis auf 100 Pfund, was die umstehenden, längst neugierig gewordenen Händler aus den anderen Nischen, mit Kopfschütteln quittieren – und als ich ebenso den Kopf schüttle und „No! Wrong Colours!!“ rufe, da wirft mir der Syrer den Stoff in die Arme und deklamiert: „Okay, here, take it! No money!“
Das muss die günstigste Decke der Stadt sein – kein Wunder bei der Farbe. Der Händler lacht, auch dann noch, als ich ihm die Decke zurückgebe, und auch die anderen Händler lachen und lassen mich passieren. Mit mir ist heute kein Geschäft zu machen, das ist offensichtlich. Aber wenigstens hatten sie ihren Spaß – und ich auch.
Erst ganz am Ende des Ganges spricht mich einer aus der letzten Nische an und sagt, ganz ohne Lächeln, sondern sehr ruhig und gemessen: „Ich habe gesehen, dass du nichts gekauft hast und was es dazu bedurfte. Ich habe gesehen, dass du nicht kaufen willst. Aber ich bin der letzte Händler in diesem Teil des Suq, und ich werde mich noch einmal an dir versuchen – und du wirst mir etwas abkaufen. Ich verspreche es.“
Das beeindruckt, und ich finde, es ist nur fair, es darauf ankommen zu lassen – und irgendwie scheine ich eh keine Wahl zu haben. Also los. Der Mann wirft einen langen Blick in seine eigene Nische, zieht dann aus einem Haufen in der Ecke einen Stoff heraus, relativ weit unten, und sagt: „Es ist nicht blau. Es ist aber auch nicht gelb und auch nicht grün. Es ist purpur und gold. Es ist das Muster der prächtigen Holzdecke des Thronsaals, den du vielleicht schon gesehen hast oder noch sehen wirst. Es ist nicht königsblau, aber königlich. Und es hat Baraka. Es wird dir und dem, das du liebst Gutes tun. Kauf es.“
Tja. Was soll ich sagen. Vier Minuten später sind wir bei 400 Pfund und die gehören ihm, während ich eine neue Tischdecke besitze. Eine mit Baraka, die ja dann wohl Schalke zum Titel führen wird, schätze ich.
Als der Mann mir zum Abschied die Hand gibt, fällt der Strom aus. Eine Nacht schwärzer als die in diesem fensterlosen Gewölbegewirr, das kann man sich nicht vorstellen. Man wird von denen, die in den Gängen unterwegs und das gewohnt sind, im totalen Dunkel gerempelt und gestoßen, praktisch sofort setzt vollständige Desorientierung ein – aber es dauert nur Sekunden, dann breitet sich ein wahnsinnig schönes Schauspiel aus und flutet die Katakomben: Die Händler in ihren Nischen beginnen, unregelmäßig mit ihren Feuerzeugen zu schnippen. Ein Funken hier, ein Funken dort. Ein Meer von Funken breitet sich aus und sorgt so für gerade genug Licht, um allen ein Weiterkommen zu ermöglichen.

Und so gelange schließlich auch ich aus diesem Suq in Aleppo, trete mit meiner neuen Decke aus dem blitzenden Funkenregen hinaus ins Freie und stehe den im Sonnenuntergang liegenden gewaltigen Türmen der Zitadelle gegenüber, von denen aus gerade im Moment aus irgendeinem Grund ein paar Feuerwerksraketen in den Himmel steigen. Was für ein Anblick!

Tage später sind wir zurück in Deutschland und die „königliche Decke“ im Gepäck entfaltet sofort ihre Wirkung: Am Abend spielt der FC Schalke 04 gegen den MSV Duisburg und im Parkstadion treffen Eijkelkamp und Goosens – nach zwei langen Monaten der erste Sieg für Königsblau. Wie lange das Baraka in der Decke wohl hält?

Ganz egal wie lange. Mehr als Schalke oder ich brauchen sicher die Menschen in Aleppo, in Homs und Hama und Damaskus, einfach alle, die ich traf und hätte treffen können, ihr Baraka. Kommt heil da raus. Schafft und findet Frieden. Bald.


„1904 Geschichten“.
Die Bitte geht an Alle: wenn ihr etwas habt aus über 100 königsblauen Jahren, etwas Wahres und/oder Interessantes über Schalke, das ihr teilen wollt, Erlebnisse die erinnernswert sind oder ganz einfach Schilderungen, wie es war, wie man sich Eintrittskarten besorgte, wo in der Glückaufkampfbahn, dem Parkstadion oder der Arena man „daheim“ war, wie man dahin kam und wie es da zuging, oder was auch immer vielleicht jemand, der Schalke nur vom Fernsehen oder aus der Zeitung kennt, nie oder niemals wirklich wissen kann – aber vielleicht sollte – schickt mir (matthias.berghoefer[at]web.de) einfach eure Texte, Dreizeiler oder halbe Romane und egal wie’s mit Rechtschreibung aussieht. Klar erkennbar muss sein, ob es sich um eine wahre Geschichte handelt oder um einen Prosatext, also einen konstruierten, erfundenen, der etwas Bestimmtes ausdrücken will in Bezug auf den FC Schalke 04.
Wichtig ist natürlich auch, dass ihr kein Problem damit habt, dass euer Text hier, und vielleicht auch irgendwann mal in einem Buch, veröffentlicht wird – natürlich unter eurem Namen, oder einem „Pseudonym“ falls euch das aus irgendeinem Grund lieber ist.
1904 Geschichten sind eine Menge Holz. Ich bin mal gespannt.

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5 Antworten zu “Baraka

  1. Irgendwie wird mir bei deiner Beschreibung von Amman ganz warm ums Herz. Eine wunderbar chaotische Stadt in der ich ein paar Leute besonders schaetzen gelernt habe. Leider ging es mir so wie dir, die Bauern kannte man, Schalke nicht.

  2. Ein wunderbarer Reisebericht mit einigen königsblauen Farbtupfern!

  3. Herrliche Erzählung

  4. ganz wunderbar !
    Zum Lachen und zum Weinen …

  5. Pingback: Erste, zweite, dritte Liga, Stenger, Mafia und Olympia | Fokus Fussball

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