Mein Weg zum geilsten Club der Welt

Saskia Lüdert lebt in einer Kleinstadt vor den Toren Hamburgs, während ihr Herz für den S04 schlägt. Da Gelsenkirchen nicht gleich um die Ecke liegt, sind Heimspiele in der „Donnerhalle“ immer ganz besondere Ereignisse.

Die einen sind Schalker, weil sie da zuhause sind, die anderen, weil die Familie königsblau ist oder weil sie als Zwerge schon mit durften, und manche brauchen eine Weile und finden vielleicht erst über Umwege zum Ziel…


Ich habe schon einen eigenartigen Weg eingeschlagen, um zu den Blau-Weißen zu kommen. Mir wurde es leider auch nicht ganz so leicht gemacht. In meiner Gegend ist es üblich, Fan eines Nordclubs zu sein, egal ob erste oder zweite Liga. Von Schalke war hier nie die Rede- nur ich bin (Gott sei Dank !) anders als alle anderen.

Mit einem Urlaub im Jahr 2004 auf Lanzarote wurde so langsam der Weg zum S04 eingeschlagen. Ich habe als 11-jähriges Mädel zusammen mit meinen Großeltern die Frühjahrsferien auf der wohlig-warmen Kanareninsel verbracht. Ich habe mir die Zeit vertrieben, indem ich nach Gummiringen getaucht habe, die meine Oma in den Pool geworfen hat oder ich lag faul auf meiner Liege und habe an meinem damals geliebten GameBoy gedaddelt. Ich habe also nie einen Gedanken an Fußball verschwendet. Bis auf den einen Tag, an dem alles begann.

An diesem Tag wurde ich vom Fußballsport gepackt – auf eine eigentlich ganz eigenartige Weise: Ein Junge im Deutschland-Trikot ging vor mir. Beflockung: Kuranyi. Ich weiß leider nicht mehr, ob ich nur den Namen so toll fand oder ob ich schon wusste, wie dieser Spieler aussah. Für mich (damals!) dermaßen gutaussehend. Ich schätze, seine Ausstrahlung war ein Kriterium dafür, weshalb er später zu meinem Lieblingsspieler wurde. Jedoch war er zuvor ein wenig aus meinem Blickfeld geraten – bis Weihnachten, denn da galt es den Wunschzettel zu schreiben.

Komischerweise wollte ich mir zuerst ein Bremen-Trikot mit dem Aufdruck „Micoud“, Bremens Nummer 10, wünschen. Es wäre, laut meinem Stiefvater, alles so schön geworden, wenn ich Bremerin geworden wäre. Stadionbesuche, gemeinsames Leiden, gemeinsame Freude und vielleicht eine Dauerkarte – doch ich entschied anders. Ein kurzer Moment des Innehaltens, ja, ein kleines Schwelgen in Gedanken und wiederaufblühende Erinnerungen an den wunderbaren Urlaub mit meinen Großeltern haben dazu geführt, dass ich mir ein Trikot von Kuranyi gewünscht habe. Und da war er wieder: Kuranyi – jetzt endgültig in meinem Blickfeld angekommen und nicht mehr wegzudenken. An jenem heiligen Abend war dieses Stuttgart-Trikot mit der Nummer 22 das schönste Geschenk, zusammen mit einem Stadionbesuch im Volkspark zum Spiel HSV-VfB. Weitere Geschenke an Heilig Abend waren ein Fußball und Nike-Sportschuhe mit Multinocken. Meine Fußball- und Fanausrüstung war somit komplett.

Stuttgart-Fan war ich nur bei diesem einen Spiel gegen den Hamburger Sportverein, welches mit einer 1-2 Niederlage für den VfB endete. Ich war zu dem Zeitpunkt überzeugt davon, dass das Spiel anders ausgegangen wäre, wenn Kuranyi gespielt hätte. Er saß die ganze Zeit auf der Bank und ich war zutiefst enttäuscht, sodass mir fast ein paar Tränen über das Gesicht gekullert wären. Ich war wohl doch mehr von der Person Kuranyi fasziniert als von dem Verein aus dem „Schwabenländle“.

Am Ende der Saison 2005/2006 haben Kuranyi und ich dann den Verein gewechselt. Er als Profisportler und ich als Fan. Er, der neue Mittelstürmer des S04, wurde von mir, dem neuen Schalke-Kuranyi-Fan angehimmelt. Ab sofort hatte ich nur noch Augen für ihn und den Kumpel- und Malocher-Club aus der Kulturhauptstadt Gelsenkirchen. Nach einiger Zeit fing ich an, zusammen mit meinem fußballverrückten Opa, die Spiele meines Helden und des FC Schalke bei Premiere (später sky) zu verfolgen. Später regelmäßig. Samstags um 15:30 Uhr galt die Konzentration nur noch meinem Lieblingsspieler und seinem Verein.

Allerdings merkte ich schnell, wie die Zeit mich und mein Fan-Dasein veränderte. Ich fing an, mich über den FC Schalke 04 zu informieren und mich für die Fankultur zu interessieren. Kuranyi rückte in den Hintergrund. Es schien, als wurde ich verzaubert von etwas. Verzaubert von dem Schalke-Virus. Verzaubert vom dem Verein, den Fans, den Emotionen, der Tradition, der Mentalität und der Maloche.

In den folgenden Monaten ging dann alles ganz schnell: Ich bestellte mir meine ersten Schalke-ArtikeI. Zu Weihnachten erhielt ich dann, zu meiner riesig großen Freude, von meiner Mutti das Abo für den Schalker Kreisel. Weiter Dinge aufzuzählen, die mich in der folgenden Zeit dem FC Schalke näher brachten, wäre doch ein wenig zu viel. Der Wechsel von Kuranyi zu Dinamo Moskau war mir später auch egal. Wichtig war mir der Fußballclub aus Gelsenkirchen! Nichts anderes hatte eine größere Priorität!

Ich bin sehr dankbar, dass alles so gelaufen ist, dass ich alle Teile für mein Puzzle gefunden habe. Ich kann mir als Schalke-Mitglied einfach keinen anderen Verein vorstellen. Es gibt für mich nichts Besseres. Schalke 04 ist eben mehr als nur ein Fußballverein. Es ist eine Liebe, die niemals endet!


„1904 Geschichten“.
Die Bitte geht an Alle: wenn ihr etwas habt aus über 100 königsblauen Jahren, etwas Wahres und/oder Interessantes über Schalke, das ihr teilen wollt, Erlebnisse die erinnernswert sind oder ganz einfach Schilderungen, wie es war, wie man sich Eintrittskarten besorgte, wo in der Glückaufkampfbahn, dem Parkstadion oder der Arena man „daheim“ war, wie man dahin kam und wie es da zuging, oder was auch immer vielleicht jemand, der Schalke nur vom Fernsehen oder aus der Zeitung kennt, nie oder niemals wirklich wissen kann – aber vielleicht sollte – schickt mir (matthias.berghoefer[at]web.de) einfach eure Texte, Dreizeiler oder halbe Romane und egal wie’s mit Rechtschreibung aussieht. Klar erkennbar muss sein, ob es sich um eine wahre Geschichte handelt oder um einen Prosatext, also einen konstruierten, erfundenen, der etwas Bestimmtes ausdrücken will in Bezug auf den FC Schalke 04.
Wichtig ist natürlich auch, dass ihr kein Problem damit habt, dass euer Text hier, und vielleicht auch irgendwann mal in einem Buch, veröffentlicht wird – natürlich unter eurem Namen, oder einem „Pseudonym“ falls euch das aus irgendeinem Grund lieber ist.
1904 Geschichten sind eine Menge Holz. Ich bin mal gespannt.

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2 Antworten zu “Mein Weg zum geilsten Club der Welt

  1. Chapeau!
    Diese Wortevon einem jungen Mädel aus dem hohen Norden 😉
    Ich bin beeindruckt!!!

    Glückauf,
    Enatz

  2. Eine nette Geschichte. Gefunden, was man nicht suchte und dann damit glücklich werden. Wobei Schalke bisweilen auch ein hartes Los sein kann.

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