Reise in die Vergangenheit, der Zukunft entgegen?

„awe“ wuchs als Sohn des Mannschaftsarztes der letzten Schalker Meistermannschaft ganz in der Nähe der Glückaufkampfbahn auf und hält sich gerne im Süden auf – sowohl im Urlaub als auch im Stadion.

Zur Glückaufkampfbahn zieht es ihn auch in seiner Geschichte hin, als dort im September 2011 ein „Nostalgiespiel“ stattfindet.


Vor einigen Jahren hab ich mal einen Bericht für den „Auswärtssieg!“-Blog über mein wahrscheinlich letztes Mal im Parkstadion geschrieben. Damals war es ein Testspiel unserer Ersten gegen eine holländische Truppe. Irgendwie seltsam, nach einigen Jahren Arena in das halbwegs zerrupfte Parkstadion zurück zu kehren.

Diesmal geht die Reise in die Vergangenheit sogar noch viel weiter zurück. In der Glückaufkampfbahn hab ich meine ersten Schalke-Spiele gesehen, als kleiner Stoppen im Schlepp der Eltern. Leider fehlt mir an mein „erstes Mal“ komplett die Erinnerung, auch die Eltern sind oder waren keine Hilfe. Erinnern kann ich mich an die Haupttribüne und komischerweise an viele Männer mit Hüten. Nun also zurück aus der Kindheit.

Unser Vorstandsmitglied Horst Heldt hat auf der diesjährigen Jahreshauptversammlung versprochen, die alte „Kampfbahn Glückauf“ wieder mit königsblauem Leben zu füllen. Nachdem sich schon zahlreiche Fans für eine „Wiederbelebung“ eingesetzt hatten, nun auch der Verein. Auftakt sollte eine Nostalgieveranstaltung am 06.09. sein. FC Schalke II gegen Twente Enschede II – das durfte ich mir auf keinem Falle entgehen lassen. Im Internet sah ich schon Tage vorher Bilder von den Spieltagsplakaten, ganz in blau und im Stile der Plakate von früher, auch die Eintrittskarten im Retro-Design, ich war begeistert.

Gegen 15:30 Uhr mache ich mich – mit dem pünktlich einsetzenden Regen – auf den Fußweg zur GAK. Über den Redit-Berg (den namensgebenden Supermarkt gibt es schon seit meiner Jugend nicht mehr und „Berg“ ist eh maßlos übertrieben) gehts entlang der A42 am alten Schalker Bahnhof vorbei zur traditionsreichen Kultstätte. Wenn man sich der Kampfbahn von dieser Seite nähert, fallen die Verschandelungen anlässlich der WM 2006 erstmal gar nicht so auf. Zwischen dem Nebenplatz und der Tribüne steht der Mannschaftsbus von Twente. Wie ein knallrotes Ufo steht der da, passt so gar nicht vor das ehrwürdige Gemäuer und zum Anlass. Im Vergleich zum Parkstadion sieht die GAK aber schon noch aus wie ein richtiges Fußballstadion, auch wenn ein Kunstrasen den Hauptplatz „ziert“.

Kurz vor vier ist noch recht wenig los, also beschließe ich ganz traditionsbewusst, mir im ehemaligen Vereinslokal „Bosch“ ein Bierchen zu gönnen. Noch bevor ich prüfen kann, ob die Plakette an Clemens‘ Stammplatz noch da ist, hab ich schon ein Veltins vor mir stehen. Nach einem netten Plausch und zwei weiteren Kleinen schlendere ich zu den Kassenhäuschen, die von den Ultras sehr ansprechend renoviert wurden, und erstehe eine von den wirklich ausnehmend schönen Eintrittskarten. Die 4 Euro Eintritt gehen komplett an verschiedene gemeinnützige Projekte rund um Schalke.

Vorbei am Gedenkstein, dessen „Erklärungstafel“ so gar nicht ins Bild passen will, erreiche ich die alte Gegengerade und lasse meinen Blick schweifen. Wahrscheinlich der frühen Anstoßzeit und dem schlechten Wetter geschuldet, sind es mit knapp 800 leider weniger Zuschauer als ich erhofft hatte. Auf der rechten Haupttribünenseite machen die Ultras und andere aktive Fans bereits reichlich Rabbatz, während sich die Mannschaften warm machen.

Auf dem Weg zur Haupttribüne treffe ich den Quatscher am SFCV-Stand und wir kommen ins Quatschen. Ich erfahre, dass Dirk nie ein Meisterschaftsspiel in der GAK sah, nur irgendwann ein Pokalspiel. Auf der Tribüne gesellt sich ein ehemaliger Präsident von Teutonia Schalke und Schalkefan zu uns, er kennt die alte Zeit und kann viele Geschichten erzählen.

Das Spiel beginnt unter lautem „Hi Ha Höre …Schalker Amateure“.

Trotz des Dauerregens entwickelt sich ein wirklich schönes Spiel, feine Spielzüge und Torchancen auf beiden Seiten. Die Schalker kommen etwas besser ins Spiel und gehen verdient in Führung. Danach bekämpfen sich beide Teams im Mittelfeld – Torraumszenen Mangelware, trotzdem spannend. Kurz nach der Halbzeit gelingt den Holländern der Ausgleich, die Schalker lassen sich aber nicht aus der Ruhe bringen und gehen ein paar Minuten später erneut in Führung. Mit dem 3 : 1 durch Martin, ne, Philipp Max war die Partie entschieden. Das 4 : 1 etwa 10 Minuten vor Schluss ist eigentlich „des Guten zuviel“, so deutlich fand ich den Unterschied eigentlich nicht.

Ein richtig schöner Spätnachmittag mit einem guten Spiel an historischer Stätte.
Hat richtig Spaß gemacht, auch wenn das Wetter so überhaupt nicht mitspielen wollte. Immerhin hat Horst Heldt 90 Minuten im Regen gestanden und das Spiel verfolgt und ich Weichei habs mir auf der Tribüne bei einem Bierchen im Trockenen gemütlich gemacht.

Wiederholung dringend empfohlen!


„1904 Geschichten“.
Die Bitte geht an Alle: wenn ihr etwas habt aus über 100 königsblauen Jahren, etwas Wahres und/oder Interessantes über Schalke, das ihr teilen wollt, Erlebnisse die erinnernswert sind oder ganz einfach Schilderungen, wie es war, wie man sich Eintrittskarten besorgte, wo in der Glückaufkampfbahn, dem Parkstadion oder der Arena man „daheim“ war, wie man dahin kam und wie es da zuging, oder was auch immer vielleicht jemand, der Schalke nur vom Fernsehen oder aus der Zeitung kennt, nie oder niemals wirklich wissen kann – aber vielleicht sollte – schickt mir (matthias.berghoefer[at]web.de) einfach eure Texte, Dreizeiler oder halbe Romane und egal wie’s mit Rechtschreibung aussieht. Klar erkennbar muss sein, ob es sich um eine wahre Geschichte handelt oder um einen Prosatext, also einen konstruierten, erfundenen, der etwas Bestimmtes ausdrücken will in Bezug auf den FC Schalke 04.
Wichtig ist natürlich auch, dass ihr kein Problem damit habt, dass euer Text hier, und vielleicht auch irgendwann mal in einem Buch, veröffentlicht wird – natürlich unter eurem Namen, oder einem „Pseudonym“ falls euch das aus irgendeinem Grund lieber ist.
1904 Geschichten sind eine Menge Holz. Ich bin mal gespannt.

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2 Antworten zu “Reise in die Vergangenheit, der Zukunft entgegen?

  1. Ein Pokalspiel hätte mir ja schon gereicht, vergönnt waren mir aber leider nur Besuche anlässlich der „Schalker-Historientour“ und ein weiterer Trockenbesuch in der jeweils leeren Kampfbahn.
    Ist ein weiteres Nostalgiespiel geplant?

    GA, Enatz

  2. Fußball ist ein Freiluftsport… Ich bin auch für Wiederholungsspiele!

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