Schalke international: Samstach Ahmt in Minga

Jörg Seveneick ist Schalker, seit ihn sein Vater und Stan Libuda dazu gemacht haben. Außerdem ist er Journalist und Autor diverser Bücher und Filme, auch und vor allem über den FC Schalke 04.

Unterwegs in Sachen Fußball kann man was erleben. Und Schalke ist dabei, selbst wenn Schalke nicht dabei ist.


Ich bin grad arbeitstechnisch in München und heute Abend will ich unbedingt El Clasico sehn. Real Madrid – FC Barcelona wird aber nur von Laola.tv übers Internet gezeigt und droht deshalb, eine eher nichtöffentliche Geschichte zu werden.

Ich laufe also quasi grundlos optimistisch auf der Suche nach der Perle im Heuhaufen durch Schwabing – werde aber in den üblichen Kneipen enttäuscht. Selbst da, wo sonst jeder Zweitliga-Kick mit anschließender Wiederholung gezeigt wird, heißt es: „Leider nein!“ Klar, die haben alle nur sky-Abos und Murdochs liebste Geldvernichter zeigen heute Abend nur abgestandene Ware…

Wo könnte noch was gehen? Soo gut kenn ich mich als Ruhri hier ja auch nicht aus. Aber ich weiß, dass in den Querstraßen hinter dem künstlerisch angehauchten McDoof viele Multi-Kulti-Läden beheimatet sind. Vielleicht sind die – sagen wir: flexibler, was Rechte und so angeht…
Und wahrhaftig, in einem Laden mit Sky-Zeichen und ansonsten schwarz verblendeten Fenstern sagt der Türsteher: „Jo, hier gibt’s El Clasico!“ Ja!!! Rein da, auch wenn es wegen der dunklen Glasflächen nicht besonders vertrauenserweckend aussieht.

Mittlerweile ist die erste Halbzeit schon vorbei, es läuft Werbung. Mein Handy sagt, es steht einseins, und ich suche mir einen Platz. Auf dem Weg zum einzig freien Sitz mit Sicht auf die Leinwand höre ich spanische Wortfetzen. War ja zu erwarten. Aber: in der Ecke, in der ich lande, komm ich schnell mit einem Rumänen ins Gespräch, der eigentlich Rapid Bukarest-Fan ist, sich aber vom rumänischen Fußball losgesagt hat, weil die „alle bekloppt“ oder „kriminell“ sind. Oder beides.

Okay – kann man nachvollziehen. Wir reden über den gefährlichen, weil rechtsradikalen und auch sonst vollkommen abgedrehten Präsi von Steaua und er findet es gut, dass Schalke kurz zuvor gegen seine Landsleute gewonnen hat. Siehstewoll: Die Euro-League is auch verdammt international…

Danach wird’s allerdings erstaunlich.

Der Kollege daneben is nämlich Israeli und Maccabi Haifa-Fan und war zu unserem Euro-League-Spiel in der Arena. Unglaublich! Er ärgert sich riesig, als ich voll vorfreudig erkläre, dass es mir vergönnt sei, am darauf folgenden Dienstag zum Spiel nach Haifa zu fliegen – er wäre soo gern dabei…

Unglaublich? Der Mann noch einen Platz weiter – die drei haben sich alle schon vorher in München kennen gelernt – kommt aus Sevilla und freut sich heute noch über die Party im Halbfinale nullsechs gegen Schalke! Wir erinnern uns gemeinsam an das getrennt erfolgte Besäufnis auf der „Feria“, dem Stadtfest, und an den grausamen Tod des damaligen Schützen des einzigen Tores, Antonio Puerta. Die vielfältigen Reaktionen in königsblau sind den Sevillistas noch gegenwärtig.

Wir simpeln fach ohne ende, alle sind sich einig, dass das Gute, also Barca, gewinnen muss – und wir jubeln zusammen: 3:1-Sieg über das Böse. Danach verabschiedet sich Senor Sevilla mit allen guten Wünschen für Königsblau, und der junge Rumäne sagt: „Ich werd jetzt immer gucken, was Schalke macht. Bis heute hatte ich noch kein deutsches Team, das ich sympathisch fand, aber ich spüre, dass Schalke was Besonderes ist.“

Viel mehr geht nicht in einer Kneipenecke, oder?
Noch dazu in München!


„1904 Geschichten“.
Die Bitte geht an Alle: wenn ihr etwas habt aus über 100 königsblauen Jahren, etwas Wahres und/oder Interessantes über Schalke, das ihr teilen wollt, Erlebnisse die erinnernswert sind oder ganz einfach Schilderungen, wie es war, wie man sich Eintrittskarten besorgte, wo in der Glückaufkampfbahn, dem Parkstadion oder der Arena man „daheim“ war, wie man dahin kam und wie es da zuging, oder was auch immer vielleicht jemand, der Schalke nur vom Fernsehen oder aus der Zeitung kennt, nie oder niemals wirklich wissen kann – aber vielleicht sollte – schickt mir (matthias.berghoefer[at]web.de) einfach eure Texte, Dreizeiler oder halbe Romane und egal wie’s mit Rechtschreibung aussieht. Klar erkennbar muss sein, ob es sich um eine wahre Geschichte handelt oder um einen Prosatext, also einen konstruierten, erfundenen, der etwas Bestimmtes ausdrücken will in Bezug auf den FC Schalke 04.
Wichtig ist natürlich auch, dass ihr kein Problem damit habt, dass euer Text hier, und vielleicht auch irgendwann mal in einem Buch, veröffentlicht wird – natürlich unter eurem Namen, oder einem „Pseudonym“ falls euch das aus irgendeinem Grund lieber ist.
1904 Geschichten sind eine Menge Holz. Ich bin mal gespannt.

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3 Antworten zu “Schalke international: Samstach Ahmt in Minga

  1. Sicher biste zu vorrückter Stunde überzeugend im vermitteln Königsblauer Werte.:-)

  2. es gibt Zufälle und Kombinationen … die gibt´s eigentlich überhaupt nicht!
    Schön zu lesen.

  3. „Schalke International“!!!
    Ein schönes Kleinod! Diese kleinen und feinen Geschichten machen den Fussball aus.
    Wildfremde Menschen kommen ins Gespräch und parlieren munter drauf los.
    Wenn dann noch Fans (oder Sympathisanten) für Schalke dabei herauskommen, wunderbar!
    Glückauf,
    Enatz

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