Fußball ist nix für Mädchen…

Romina Braunert wohnt in Gelsenkirchen und Schalke ist ihre Leidenschaft, ihr Leben.

Wie es dazu kam, das erzählt sie heute. Eine Liebeserklärung, auch an den Papa.


Ich kann mich noch an meine Worte erinnern als wäre es gestern. Ich war 4 oder 5 Jahre alt, als ich jeden Samstag, völlig genervt mit meinem Vater Sportschau gucken musste. Für mich war es damals klar: Fußball ist mehr als langweilig und schon mal gar nix für Mädchen.

Es war 1997 und ich war 7 Jahre alt. Schalke spielte gegen Eintracht Frankfurt und mein Vater wollte mich unbedingt mal mit zu seinem Verein nehmen. Schon einige Tage vor dem Spiel kaufte er mir Schal und Mütze. Es konnte also losgehen. Ich glaube, er hatte dann aber doch seine Bedenken, dass ich das Spiel todlangweilig finden könnte und dass seine Ruhe während des Spiels gestört werden könnte und so kaufte er mir also an der nächsten Bude eine Weingummitüte für 5 DM. Wer sich da auskennt, der weiß, dass die riesig war!

Es ging also durch den Bärenpark über die Brücke, ab ins Parkstadion. Wir saßen auf der Gegengrade, ich zum ersten mal.

Ich kann mich an die Bilder erinnern, wie tausende Menschen in Blau Weiß für ihren Verein lebten. Was da los war, das war für mich unglaublich. Zum ersten Mal konnte ich meinen Vater verstehen. Ich weiß nicht mehr wie das Spiel ausging. Das ist im Endeffekt auch völlig egal. Viel wichtiger war, dass in diesem Moment ein Feuer entflammt ist, das niemals erlischt.

Danach durfte ich noch einige Male mit meinem Papa ins Parkstadion. Das letzte Mal war das besagte Spiel im Jahr 2000/2001 gegen Haching. Ich glaube, viel zu sagen gibt es da nicht. Das war der erste Moment, in dem ich erfahren musste, was es heißt, für Schalke zu leiden. Mein Vater und ich standen auf dem Rasen, so wie jeder andere auch. Als plötzlich das Tor der Bayern gezeigt wurde, hatte mein Vater Mühe, mich zu halten. Das erste und bisher einzige Mal, dass ich meinen Vater habe weinen sehen. Auf dem Weg nach Hause sprachen wir kein Wort.

Und so vergingen die Jahre… Ich bin jetzt 21 Jahre alt. Schalke ist ein ganz großer Teil meines Lebens, meine große Liebe. Heute sehe ich jedes Heimspiel in der Arena – Grüße an den Block 35 🙂 – und fahre durch ganz Deutschland und durch die halbe Welt. Zum Schluss kann ich nur sagen: Danke Papa, du hast alles richtig gemacht und ich hoffe wir gehen noch viele, viele Jahre gemeinsam zu unseren großen Liebe!


„1904 Geschichten“.
Die Bitte geht an Alle: wenn ihr etwas habt aus über 100 königsblauen Jahren, etwas Wahres und/oder Interessantes über Schalke, das ihr teilen wollt, Erlebnisse die erinnernswert sind oder ganz einfach Schilderungen, wie es war, wie man sich Eintrittskarten besorgte, wo in der Glückaufkampfbahn, dem Parkstadion oder der Arena man „daheim“ war, wie man dahin kam und wie es da zuging, oder was auch immer vielleicht jemand, der Schalke nur vom Fernsehen oder aus der Zeitung kennt, nie oder niemals wirklich wissen kann – aber vielleicht sollte – schickt mir (matthias.berghoefer[at]web.de) einfach eure Texte, Dreizeiler oder halbe Romane und egal wie’s mit Rechtschreibung aussieht. Klar erkennbar muss sein, ob es sich um eine wahre Geschichte handelt oder um einen Prosatext, also einen konstruierten, erfundenen, der etwas Bestimmtes ausdrücken will in Bezug auf den FC Schalke 04.
Wichtig ist natürlich auch, dass ihr kein Problem damit habt, dass euer Text hier, und vielleicht auch irgendwann mal in einem Buch, veröffentlicht wird – natürlich unter eurem Namen, oder einem „Pseudonym“ falls euch das aus irgendeinem Grund lieber ist.
1904 Geschichten sind eine Menge Holz. Ich bin mal gespannt.

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6 Antworten zu “Fußball ist nix für Mädchen…

  1. Vielen Dank, Romina.

    Weisst Du, ich bin auch Vater.
    Meine Jungs sind noch klein, so alt vielleicht wie Du damals, aber auch sie tragen schon mit Stolz ihre Schalker Trikots mit den Namen ihrer derzeitigen Idole auf dem Rücken. Raul und Draxler.
    Damals, gegen Haching, ja. Damals war ich auch im Stadion. Ich weiß, was Du, was Ihr, was wir alle gefühlt haben. Diese Leere, dieser Unglaube, und doch dieser unbrechbare Stolz, Schalker zu sein auch unter Tränen.
    Ich hoffe ich werde eines Tages noch vergleichen können, welches Gefühl mächtiger ist: die Freude über eine Deutsche Meisterschaft, oder vielleicht doch dieser Tag und sein Gefühlsgemenge damals. Ich bin mir gar nicht sicher, daß die Meisterschaft da so viel besser abschneidet.
    Heute wohnen wir viel zu weit weg. Leider.

    Eigentlich wollte ich nur kurz schreiben, daß Dein Papa stolz sein kann – auf seine Tochter und auch auf sich selbst. Auf sich selbst, weil er seiner Tochter etwas mitgegeben hat. Und auf Dich, weil Du zurückgibst – auch mit diesem Text hier.

    Ich wünsche mir, daß meine Jungs später auch mal, ganz still und heimlich vielleicht, irgendwo Danke sagen wollen.

    Fröhliche Weihnachten!

  2. Da ist der Kommentar des „Vaters von Klein-Raul und Klein-Draxler“ ja genauso schön wie die Geschichte von Romina!!!

    Das letzte Spiel im Parkstadion habe ich auch mit meinem Vater gesehen.
    Der kann heutzutage leider nicht mehr mit in unseren Block, dafür aber mein Sohnemann.

    Lasst uns „Das Feuer weitergeben!“

    Glückauf, Enatz

  3. Auch ein Mädchen mit einem wunderbaren Papa!

    Schöne Geschichte. Danke!
    Väter sind …die wunderbarsten… Götter… einfach unbeschreiblich… nicht von dieser Erde… ❤

  4. Danke für die Kommentare 🙂
    Wünsch euch allen auch noch frohe rest Weihnachten…

    Glück auf ihr lieben =)

  5. auch ich habe irgendwie geschafft, das Feuer an meine beiden mädels weiterzugeben. Da die beiden in Berlin, im Feindesland – zumindest aus Sicht von Tante Bertha, groß geworden sind, freue ich mich darüber noch ein bisken mehr. In unserer Familie lebt das Feuer somit in vierter Generation, fürwahr eine Liebe, die niemals endet!

  6. Block 35. Ich bin in 34. Du bist mir also ganz nahe, nicht nur räumlich.

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