Mit Stan Libuda „am Betze“

Paul Germann spielte als Mittelstürmer viele Jahre für den FK Clausen, wurde ’74 mit ihm Meister der I. Amateurliga Südwest und Dritter der Deutschen Amateurmeisterschaft, blieb seinem Club trotz Angeboten von Profivereinen treu und übernahm später auch zeitweise dessen Vorsitz. Seit 1992 ist er bei vielen Schalke-Spielen dabei und holte für ein Firmenjubiläum auch mal die Schalker Traditionself ins neue Stadion nach Pirmasens.

Blau und Weiß ein Leben lang – erzählt von einem, der lange nur von Ferne seine Knappen erlebte, bis es 1963 endlich soweit war und die Königsblauen auf dem Betzenberg zum Bundesligaspiel antraten – mit einem erst neunzehnjährigen Wirbelwind auf dem Flügel.


Neugierig auf Königsblau war ich schon als Kind. Mein Vater Paul, vor dem Zweiten Weltkrieg Erstligaspieler und dreifacher Südwestmeister mit dem FK 03 Pirmasens, hatte mir in meinen Jugendjahren oft von Ernst Kuzorra, Fritz Szepan und dem legendären „Schalker Kreisel“ vorgeschwärmt.

Schalke live gab es für mich aber lange nur im Radio. Die Rundfunkübertragungen der Oberliga-Spiele oder die Endrundenpartien um die Deutsche Meisterschaft verschlang ich regelrecht, ehe ich den S04 im Jahr 1958 mit dem Finale um die „Deutsche“ gegen den Hamburger SV (3:0) in unserer Dorfkneipe „Buckel“ in Clausen (Pfalz) erstmals live im Fernsehen verfolgen konnte. Der erste Titelgewinn nach Kriegsende hatte mich so fasziniert, dass ich endgültig und bis zum heutigen Tag Schalke-Fan wurde. Ich war damals elf Jahre alt und natürlich auch fußballverrückt, wie die meisten Jungs in meiner Schule. Je älter ich wurde, desto mehr interessierte ich mich für den „großen“ Fußball abseits der altehrwürdigen Oberliga Südwest, unserer kleinen, aber feinen „Fußball-Welt“.

Mit meinem Vater, meinem Bruder Karl und Freunden besuchte ich damals viele Oberligaspiele und war beinahe selbstredend auch Anhänger des dreifachen Südwestmeisters FK Pirmasens. Blau und Weiß ein Leben lang. Je näher der Start der neu gegründeten Fußball-Bundsliga rückte, desto größer wurde mein Verlangen, meinen FC Schalke endlich einmal live zu erleben. Und: Am 1. September 1963 war es soweit. Es ging zum ersten Bundesliga-Auswärtsspiel ins nahe Kaiserslautern. Meine Mutter hatte mich bestens mit Proviant versorgt und ich fuhr mit Freunden und mit großer Anspannung und Erwartung zum ersten Heimspiel des 1. FC Kaiserslautern gegen S04. Das für die Bundesliga dank der großzügigen Hilfe der US-amerikanischen Besatzer in „K-Town“ ausgebaute Betzenberg-Stadion (erst 1985 wurde es in Fritz-Walter-Stadion umbenannt), die Atmosphäre mit 33.000 Zuschauern und das Gedränge rund um die pfälzische Fußballfestung übertrafen schon vor Spielbeginn meine Erwartungen. Mit viel Mühe quälte ich mich durch die Ostkurve und fand schließlich bei den vielen Schalke-Fans Unterschlupf. Blau-weiße Fahnen waren zwar eher selten, aber die Fans aus dem Ruhrpott waren dafür gut hörbar.

Schalke, durch einen 2:0-Auftaktsieg gegen den VfB Stuttgart mit breiter Brust in die Pfalz gereist, gewann nach einer packenden Partie verdient mit 3:2. Erstes Live-Spiel, erster Sieg und am Betzenberg konnte ich zudem einen neuen Stern am deutschen Fußballhimmel bewundern: Reinhard „Stan“ Libuda (19). Seine Dribbelkünste hatten meinen Besuch zu einem unvergesslichen Erlebnis gemacht. Reihenweise trickste er seine Gegenspieler aus und sorgte bei den „Roten Teufeln“ für pures Chaos. Selbst eingefleischte FCK-Fans mussten hinterher neidlos anerkennen, welch großartigen Spieler sie an diesem Tag erstmals bewundern konnten.

Ab diesem Zeitpunkt und seit fast 50 Jahren gilt meine Fußballliebe dem FC Schalke 04. Seit 1997 bin ich Vereinsmitglied und gehöre zu den über 100.000 Freunden der Schalke-Familie.


„1904 Geschichten“.
Die Bitte geht an Alle: wenn ihr etwas habt aus über 100 königsblauen Jahren, etwas Wahres und/oder Interessantes über Schalke, das ihr teilen wollt, Erlebnisse die erinnernswert sind oder ganz einfach Schilderungen, wie es war, wie man sich Eintrittskarten besorgte, wo in der Glückaufkampfbahn, dem Parkstadion oder der Arena man „daheim“ war, wie man dahin kam und wie es da zuging, oder was auch immer vielleicht jemand, der Schalke nur vom Fernsehen oder aus der Zeitung kennt, nie oder niemals wirklich wissen kann – aber vielleicht sollte – schickt mir (matthias.berghoefer[at]web.de) einfach eure Texte, Dreizeiler oder halbe Romane und egal wie’s mit Rechtschreibung aussieht. Klar erkennbar muss sein, ob es sich um eine wahre Geschichte handelt oder um einen Prosatext, also einen konstruierten, erfundenen, der etwas Bestimmtes ausdrücken will in Bezug auf den FC Schalke 04.
Wichtig ist natürlich auch, dass ihr kein Problem damit habt, dass euer Text hier, und vielleicht auch irgendwann mal in einem Buch, veröffentlicht wird – natürlich unter eurem Namen, oder einem „Pseudonym“ falls euch das aus irgendeinem Grund lieber ist.
1904 Geschichten sind eine Menge Holz. Ich bin mal gespannt.

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