Derbyglück

Joern Trottenberg, schalkebekloppt seit 1974, ist Westfale und seit vielen Jahren im norddeutschen Exil zuhause – aber selbst dort gibt es eine königsblaue Gemeinde und Auswärtsspiele, bei denen sich der Anreiseweg in Grenzen hält.

Manchmal allerdings ist der Weg sehr kurz und scheint doch in einer Sackgasse zu enden. Wie beim Derby 1991.


4.August 1991. Anpfiff 15:30. Revierderby.

Normalerweise gegen Eins mit Jörch die A2 40 Km Richtung Gelsenkirchen. Parken Schloß Erle (geht mit kreativem Parkplatz immer), eben über die zwei Fußgängerbrücken und Karten besorgen.
Heute aber irgendwie verpeilt, dass die Gegner ja die gleiche Strecke nehmen müssen – es läuft nicht. Zäh ab Henrichenburg, Stau ab Herten. Die Uhr tickt runter und endlich kommt der Kreisel an der Abfahrt Buer. Jetzt schnell parken und ab zur Nord!

Doch es gibt Null Chance. Parkplatz Schloss Erle gesperrt und alle weiteren kleinsten Ecken schon belegt. So geht es weiter und weiter bis zum Bergmannsheil.

Drei Uhr rum, Wagen geparkt und im Laufschritt Richtung Stadion. Ein mittelaltes Ehepaar auf Rädern überholt uns und scherzt „Jetzt aber schnell!“. Unsere freundliche Anfrage auf Gepäckträgerbeförderung lehnen sie lachend ab.

Schließlich erreichen wir keuchend und japsend den Eingang Nord und stellen – natürlich – fest, dass an Karten nicht mehr zu denken ist.

Das Spiel läuft gerade.

Traurig und erschöpft stehen wir mit hängenden Köpfen ratlos vor dem Eingang, da kommen die beiden Radfahrer wieder vorbei. „Kommt ihr nicht rein?“ fragen sie uns und sehen die Antwort schon in den Gesichtern.

Jubel brandet auf. Ingo hat das 1:0 erzielt.

Da rollt die Frau mit ihrem Rad zum Eingang und spricht mit einem Ordner, der uns darauf heranwinkt. Ohne weitere Worte lässt er uns durch und wir stehen sprachlos und glücklich im Stadion. Es gibt keine Chance, noch in irgendeinen Block zu kommen und so klettern wir auf den Zaun hinter Block 5 und erleben das Spiel neben vielen anderen aus luftiger Höhe.

Es gibt zwar erst noch den Ausgleich, doch in der zweiten Halbzeit erleben wir das Spiel unseres Lebens und torkeln freudetaumelnd mit einem 5:2 gegen die hässlichen Nachbarn zurück zum Auto.

Wer auch immer uns vor zwanzig Jahren dieses Erlebnis ermöglichte, Dank an Euch zwei Radler!

Ach ja, danach gab’s dann die Dauerkarten 🙂


„1904 Geschichten“.
Die Bitte geht an Alle: wenn ihr etwas habt aus über 100 königsblauen Jahren, etwas Wahres und/oder Interessantes über Schalke, das ihr teilen wollt, Erlebnisse die erinnernswert sind oder ganz einfach Schilderungen, wie es war, wie man sich Eintrittskarten besorgte, wo in der Glückaufkampfbahn, dem Parkstadion oder der Arena man „daheim“ war, wie man dahin kam und wie es da zuging, oder was auch immer vielleicht jemand, der Schalke nur vom Fernsehen oder aus der Zeitung kennt, nie oder niemals wirklich wissen kann – aber vielleicht sollte – schickt mir (matthias.berghoefer[at]web.de) einfach eure Texte, Dreizeiler oder halbe Romane und egal wie’s mit Rechtschreibung aussieht. Klar erkennbar muss sein, ob es sich um eine wahre Geschichte handelt oder um einen Prosatext, also einen konstruierten, erfundenen, der etwas Bestimmtes ausdrücken will in Bezug auf den FC Schalke 04.
Wichtig ist natürlich auch, dass ihr kein Problem damit habt, dass euer Text hier, und vielleicht auch irgendwann mal in einem Buch, veröffentlicht wird – natürlich unter eurem Namen, oder einem „Pseudonym“ falls euch das aus irgendeinem Grund lieber ist.
1904 Geschichten sind eine Menge Holz. Ich bin mal gespannt.

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Eine Antwort zu “Derbyglück

  1. Jaja, das sind Erlebnisse, die man nicht vergisst.
    War damals auch bei diesem wunderschönen Spiel.
    Da ich aus LÜ-Nord komme, haben wir uns damals in unserem Vereinslokal getroffen, die Räder im Hof abgestellt und sind, blau-weiss und schwarz gelb gemischt, mit einigen PKS’s zum Parkstadion.
    Unsere schwarz-gelben Freunde waren erst später zurück und wollten unter dem Fenster durch ihre Fahrräder aus dem Hof holen und schwupps nach Hause.
    VON WEGEN!
    Auf frischer Tat ertappt und ruckizucki ins Kneipeninnere befördert,
    Siegerpils getrunken und mächtig gefeiert.

    Neee, was schön, so ein Derbysieg!!!

    Glückauf,
    Enatz

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