Danke, Papa!

Sara Brücker lebt in NRW und ist bekannt für ihre königsblaue Leidenschaft. Sie studierte BWL und selbst in ihrer Diplomarbeit ging es um den FC Schalke 04.

Niiiiiiiemals wollte sie ein Fußballstadion betreten, aber es gibt eben Leidenschaften, denen verfällt man einfach, ohne sich wehren zu können…

Mein Name ist Sara Brücker und ich bin Schalke-Fan. Wozu erzähle ich das hier? Naja, ich muss sagen, dass mein Leben stark durch den Fußball geprägt ist, vor allen Dingen natürlich durch den FC Schalke 04. Das Ganze habe ich meinem Vater wohl zu verdanken. Als Junge besuchte er schon die GlückAuf-Kampfbahn, später das Parkstadion und heute natürlich die Arena.

Das alles war mir zunächst alles vollkommen unverständlich und als kleines Mädchen war Fußball erstmal gar nicht mein Ding. Was ist daran schon interessant, wenn 22 Männer einem Ball hinterherlaufen? Ich schrieb damals sogar einen Brief an meinen Vater, um schriftlich zu belegen, dass ich niiiiiemals in meinem Leben in ein Fußballstadion gehen möchte und dass ich niiiiiemals ein Fußballspiel ansehen werde… Tja.. so kann man sich täuschen…

Wie fing das Ganze eigentlich an?

lm Jahr 1992 sollte der Familienurlaub nach Schweden gehen. Mit dem Wohnmobil. Der „Haken“ an der Sache war für meine Schwester und mich, aus damaliger Sicht, dass unsere Eltern mit uns das Spiel Deutschland gegen Niederlande bei der Europameisterschaft besuchen wollten. Naja, wir „mussten“ halt mit. Also wurde aus der Not eine Tugend gemacht, ein Deutschland-Schal umgehängt, eine Mütze gekauft und die Fahne in die Hand genommen. Auf ging’s, zum ersten Live-Fußballspiel meines Lebens… meine Eltern, meine Schwester und ich… mitten im orangefarbenen Block zwischen vielen Holländern… und trotzdem war es super! Alle sangen und feierten miteinander. Ein einmaliges Erlebnis! Und das sollte nicht das letzte Fußballspiel in meinem Leben gewesen sein…

Zu Hause wieder angekommen schien mich unbewusst das Fußballfieber schon gepackt zu haben. Auch wenn es einige Zeit dauerte, so wollte ich doch nun unbedingt mal mit auf Schalke, unbedingt mal ein Bundesligaspiel sehen. Somit rückte dieser Tag näher.

Es war der 6. Spieltag der Saison 1995/1996. Am 16.09.1995 stand mein erstes Bundesliga-Spiel an. KFC Uerdingen gegen den FC Schalke 04. Endlich durfte ich mit! Das Spiel war eher unspektakulär und ich weiß leider nicht mehr vieles… Doch manche Informationen kann man aus dem Internet klauen. Nach dem Führungstor durch Anderbrügge in der 26. Minute gelang Meijer in der 87. Spielminute doch noch der Ausgleich vor 24.700 Zuschauern. Die Aufstellung der Schalker Mannschaft war wie folgt:
Schalke: Lehmann, Ksienzyk, Eigenrauch, Kurz, Latal ( 63.Scherr), Nemec, Müller, Prus, Anderbrügge, Mulder, Weidemann (77.Linke).
Auch heute noch bezeichne ich viele dieser Spieler als ,,Helden meiner Jugend“.

Und so nahm es langsam seinen Lauf, dass auch mich der Schalke-Virus gepackt hatte. Immer häufiger stand ich samstags morgens vor meinem Vater und fragte, ob ich nicht nachmittags mit zum Spiel fahren könne. Damals, es kam natürlich auf den Gegner an, war es noch kein Problem, vor dem Spiel am Stadion Karten zu kaufen. Und somit saß ich viele Male gemeinsam mit Papa auf der Haupttribüne und sang unendliche Male, „Blau und Weiß – wie lieb ich Dich“, „Ob ich verroste oder verkalke“ oder bald auch ,,Wir schlugen Roda… wir schlugen Trabzon.“…

Als der FC Schalke 04 1997 das UEFA-Pokal-Finale erreichte, war ich ganz aufgeregt. Mein Vater bekam zwei Tage vor dem 21.05.1997 Bescheid, dass es am nächsten Tag los gehen sollte und auch er stolzer Besitzer einer Eintrittskarte für San Siro war. Oh man, wie gerne wollte ich mit… Doch leider hatte er lediglich eine einzige Karte (worüber ich natürlich auch heute noch sehr erbost bin)! Somit begann ich zu überlegen, wo ich dieses einmalige Ereignis erleben wollte. Zu Hause, mit Mama auf der Couch, war irgendwie, meiner Meinung nach, nicht angemessen. Somit bettelte ich den ganzen Tag, dass meine Mama doch unbedingt mit mir ins Parkstadion fahren müsse, wo eine Leinwand aufgebaut war. Schließlich stimmte meine Mutter zu, jedoch unter einer Bedingung: ich musste den Rasen mähen… Doch was tut man nicht alles für seinen Verein? So raste ich den halben Tag durch den Garten und mähte (man beachte hier, dass das erste und auch letzte Mal in meinem Leben war, dass ich den Rasen gemäht habe). Besondere Ereignisse erfordern halt besondere Maßnahmen! Und wie wir alle wissen, hat sich mein Einsatz anscheinend gelohnt. Eine Geschichte, die meine Eltern heute noch gerne Freunden und Verwandten erzählen.

Eines Tages kam auch meine Mutter auf den „Geschmack“. Ich weiß nicht mehr genau, welches ihr erstes Spiel und was der Anlass war, doch heute ist sie nicht mehr aus dem Stadion wegzudenken. Jedes Spiel ist sie mittlerweile dabei und für mich gibt es kaum was größeres, als mit meinen Eltern samstags auf Schalke zu fahren! Bei dem Lied Oppa Pritschikowski gibt es eine Zeile, bei der ich immer schmunzeln muss: „am Goldnen Hochzeitstage, wurd‘ Oma fast verrückt, als Opa still und heimlich zum Endspiel sich verdrückt“ und es gibt einen Gedanken, der dann immer durch meinen Kopf schießt: „bei Mama und Papa würde das nicht passieren… Niemals würde die Goldhochzeit an einem Heimspieltag gefeiert werden!“

Man muss sagen, der Schalke-Virus hat in unserer Familie schon weit um sich gegriffen. Meine Schwestern, meine Nichten und Neffen, Tanten, Onkel, fast alle wurden schon in den Bann des FC Schalke 04 gezogen. Na OK, ich muss zugeben, dass wir auch den ein oder anderen Fan von hier nicht erwähnenswerten Vereinen in unseren Reihen haben, aber darauf kommt es ja hier gerade nicht an. Ich glaube, es gibt kaum jemanden in unserer Familie, in unseren Freundeskreisen und in unserem Bekanntenkreis, der nicht schon mal ein Spiel unserer Jungs gesehen hat oder sich zumindest einen Besuch für die nahe Zukunft vorgenommen hat! Häufig bekomme ich zu hören, dass wir doch alle verrückt seien und spinnen. Doch ich denke, viele Menschen können einfach nur nicht nachvollziehen, was es bedeutet, ein Schalker zu sein. Für mich ist der FC Schalke 04 nicht nur ein Fußballverein. Ich identifiziere mich mit dem lmage, das der Verein ausstrahlt und ich will den Verein unterstützen, wo ich nur kann. Das lmage des Ruhrpottvereins, der Kampffußball, die Spieler, die Geschichte, die Lieder, die Fans, all das sind Dinge, die nicht mit anderen Vereinen zu vergleichen sind.

Wenn wir auf Schalke fahren, und mit je mehr Leuten desto schöner, dann ist das jedes Mal ein Erlebnis für mich. Ich freue mich immer riesig, wieder „zu Hause“ zu sein. Hier kennt man mich, hier kann ich jubeln, anfeuern, schimpfen. All meinen Gefühlen kann ich hier freien Lauf lassen, ob ich gute Laune habe oder auch mal einen schlechten Tag. Man kennt mich hier und man kennt die Leute. Viele meiner Freunde sind auch Schalke-Fans, und sind sie es nicht, so ist es auch schön, sich mal mit ihnen über Ergebnisse „zu streiten“.

Auch einen Fanclub hat Papa mittlerweile gegründet. In dem natürlich die halbe Familie Mitglied ist. Mit der Mitgliedsnummer 888 sucht der Fanclub „Blau-Weiß Niederrhein e.V.“ immer fleißig nach neuen Mitgliedern (immer schön Werbung machen, hab ich von Papa gelernt). Sogar meine Diplomarbeit habe ich über das Thema „Kundenbindung und Fußball – eine ökonomische Analyse“ am Beispiel des FC Schalke0 4 geschrieben. Auch in diesem Lebensbereich scheint der Fußball nicht wegzudenken zu sein. Und selbst die Enkelkinder begrüßen ihren Opa schon mit „GlückAuf“.

Als mein Papa 60 Jahre alt wurde, schrieb ich ihm diesen Text und hoffe, dass ich ihm damit eine kleine Freude bereiten konnte.
Und Papa, eines wollte ich dir schon immer mal sagen: Danke Papa, dass ich kein Lüdenscheider geworden bin!


„1904 Geschichten“.
Die Bitte geht an Alle: wenn ihr etwas habt aus über 100 königsblauen Jahren, etwas Wahres und/oder Interessantes über Schalke, das ihr teilen wollt, Erlebnisse die erinnernswert sind oder ganz einfach Schilderungen, wie es war, wie man sich Eintrittskarten besorgte, wo in der Glückaufkampfbahn, dem Parkstadion oder der Arena man „daheim“ war, wie man dahin kam und wie es da zuging, oder was auch immer vielleicht jemand, der Schalke nur vom Fernsehen oder aus der Zeitung kennt, nie oder niemals wirklich wissen kann – aber vielleicht sollte – schickt mir (matthias.berghoefer[at]web.de) einfach eure Texte, Dreizeiler oder halbe Romane und egal wie’s mit Rechtschreibung aussieht. Klar erkennbar muss sein, ob es sich um eine wahre Geschichte handelt oder um einen Prosatext, also einen konstruierten, erfundenen, der etwas Bestimmtes ausdrücken will in Bezug auf den FC Schalke 04.
Wichtig ist natürlich auch, dass ihr kein Problem damit habt, dass euer Text hier, und vielleicht auch irgendwann mal in einem Buch, veröffentlicht wird – natürlich unter eurem Namen, oder einem „Pseudonym“ falls euch das aus irgendeinem Grund lieber ist.
1904 Geschichten sind eine Menge Holz. Ich bin mal gespannt.

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Eine Antwort zu “Danke, Papa!

  1. Sehr, sehr schön zu lesen!

    Papa hat alles richtig gemacht und kann stol auf seine Tochter sein 😉

    Glückauf, Enatz

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