Das Schlimmste, was passieren könnte…

Ingo Fallico ist ein Gastronom aus Hamm, der seit 20 Jahren eine Dauerkarte besitzt , zwar leider aus beruflichen Gründen nicht mehr jedes Heimspiel schafft, aber doch alles in Bewegung setzt, um Schalke folgen zu können.

…zum Beispiel zum ChampionsLeague Viertelfinale in Barcelona. Was soll da schon passieren?

Es ist Dienstag der 8.April 2008, 5:00 Uhr morgens als die beiden Schalker Horst und Erke den kleinen Italiener Ingo in Pelkum abholten. Alle drei wollten nach Barcelona, wo der FC Schalke 04 sein ChampionsLeague Viertelfinal-Spiel austragen soll. Das Hinspiel ging leider mit 0:1 verloren, also waren die Chancen auf ein Weiterkommen nicht gerade groß….aber egal, echte Schalker stört das nicht und so ging es also los Richtung Frankfurt, von wo es über Amsterdam nach Spanien gehen sollte, alles war bestens geplant und organisiert – aber wie das manchmal so ist…

Alles lief super, freie Autobahn, relativ schnelles Auto und gute Laune. Fast vier Stunden vor Abflug waren wir schon vor Friedberg, ich hörte Erke noch sagen: „Bis jetzt lief ja alles super, kein Stau, nichts …das Schlimmste was passieren könnte, wäre, wenn wir in einen Riesen Stau kommen würden. Wir wollen uns ja noch ein paar Bierchen am Flughafen gönnen, nicht wahr Horst?“

Kaum hatte er es gesagt, sah man vorne schon rote Bremslichter. So ein Mist, naja ein kleiner Stau wird uns schon nicht aufhalten. Ganze drei Minuten später schalten wir das Radio an, wo wir mit entsetzten hören müssen: „Autobahn A3 Kassel in Richtung Frankfurt 16 km Stau“. Uff…scheisse…was machen wir jetzt? „Keine Panik“, sagt Erke „das geht schnell. Außerdem haben wir noch mega viel Zeit“. Eine Stunde später wurde dann auch Erke nervös…also ab auf den Standstreifen und Vollgas. Doch einige LKW Fahrer begriffen die Situation nicht und scherten aus, um uns auszubremsen. Also wieder rein, überholen und wieder auf den Standstreifen. So kamen wir tatsächlich innerhalb von nur 30 min ganze 4 km weit. Scheisse, das schaffen wir nicht!

Erke: „Ich rufe mal bei der Reiseagentur an, um zu erfahren was wäre falls wir den Flug verpassen sollten.“ Erke telefonierte während des Fahrens:„ Ah..ja…ok…mmmhhh…aber ist es nicht möglich..aha..ja ok, danke. Tschüss. Wenn wir den Flug nicht kriegen, können sie nicht umbuchen, dann haben wir also ein Problem. Verdammt, ich ruf mal beim Flughafen an, vielleicht hat ja der Flug Verspätung. Hast du die Nummer vom Flughafen Ingo?“
Ingo: „Nein, ruf doch die Auskunft an.“
Erke: „Wie ist denn die Nummer der Auskunft?“
Ingo: „11…0…88..11..00…keine Ahnung, verdammt was hat die Feldbusch nur immer gesagt? 11 Freunde müsst ihr sein und bei 0 Ahnung frag ich meine Oma die 88 ist.“
Erke: „Ja genau so war das.“
Also Handy raus und wählen. 11088. Stimme am Handy: „Notrufzentrale, was ist passiert?“
Erke: „Notrufzentrale…bin ich da nicht am Flughafen Frankfurt? Oh da hab ich mich verwählt, Entschuldigung. Verdammt…die Nummer fing mit 110 an, also bin ich bei der Polizei gelandet.“

Also war es dann doch wohl die 11880. Als wir dann mit dem Flughafen verbunden wurden, konnten die uns leider nicht weiterhelfen. 9:00 Uhr…uii das wird jetzt aber eng. Also nächste Abfahrt runter…Friedrichsdorf! Leider hatten sich das wohl hunderte vom anderen Autofahren auch gedacht. Kein Durchkommen, immer nur Schritttempo. 9:30 Uhr….was machen wir jetzt? Erke: „Zur aller Not fahren wir irgendein kleinen Bahnhof an, stellen das Auto dort ab und fahren mit der Bahn zum Flughafen.“

Gesagt getan, denn es ging ja kaum weiter. Also waren wir in dem idyllischen Seulbeck, ein schönen kleines Städtchen am Rande von Frankfurt. Raus aus dem Auto und schnell zur S-Bahn Station, Ticket für 3,90 € gelöst und die Bahn kam auch sofort. Jetzt muss es aber schnell gehen. Frankfurt Hauptbahnhof 10:00 Uhr. Die nächste Bahn zum Flughafen fährt um 10:17 Uhr, Ankunft Flughafen 10:45 – Fünf Minuten vor Abflug! Scheisse, dann schaffen wir’s nicht. Also raus zum Taxi-Stand. „Das gibt’s doch nicht“, sagte Horst!

Eine Schlange von ca. 30 Personen die auf ein Taxi warten. Aber man muss ehrlich sagen, es ging schneller als man denkt. Also saßen wir gegen 10:15 Uhr im Taxi. Ein netter sympathischer, türkischer Fenerbahce Fan fragt: „ Wo soll es hingehen?“
Horst: „Frankfurt Flughafen…schnell !!! Unser Flug geht um 10:50 Uhr.“
Taxi-Fahrer: „Seid ihr wahnsinnig, das schafft ihr nie, aber versuchen können wir es.“

Wir wussten da noch nicht, dass wir wohl im Wagen des Teufels saßen. Er versuchte wirklich alles, damit wir unsern Flug noch bekommen. In der Frankfurter Innenstadt, wo 50 km/h erlaubt waren, raste er mit 90 km/h in Richtung Flughafen, noch schlimmer wurde es außerhalb von Frankfurt. Erlaubt war 100 km/h, was den Taxi Fahrer nicht davon abhielt mit 180 km/h zu „brettern“. Völlig von Angst zerfressen hielten wir uns irgendwo fest. Während der Fahrt wurden auch immer wieder andere Autofahrer von Taxifahrer angepöbelt: „Fahr du Idiot. Ist bestimmt eine Frau, merkt man sofort wie die fährt.“ Von einem Rechts-Überhol Verbot hatte er wohl auch noch nie was gehört, aber egal, wir mussten ja schnell zum Flughafen. Kurz vor unserem Ziel stand ein Partner Taxi mit einer Panne am Straßenrand und bat um Hilfe. Taxifahrer: „Ich kann nicht, du Idiot, die Jungs müssen zum Flughafen!“ Also mit 120 km/h an ihm vorbei gedüst. Direkt vorm Flughafen Terminal 2 angekommen ging er scharf in die Bremsen, ein lautes Geräusch kam von hinten…ein kratzendes, schabendes Geräusch.
Ingo: „ Was war denn das?“
Taxifahrer: „Ach ich bräuchte mal wieder neue Bremsen, die sind völlig abgefahren.“
Ein kalter Schauer lief uns den Rücken runter. Schnell raus aus dem Höllen-Fahrzeug, rein in den Flughafen, zum Schalter gerannt, wo eine nervige alte Dame sich lautstark über ihren Flug beschwerte. Ingo fiel ihr einfach ins Wort: „Kriegen wir den 10:50 Uhr Flug nach Amsterdam noch?“
Mädel: „Tut mir Leid, der Flug ist weg.“
Ingo: „Können wir nicht noch schnell rein, der Flieger ist doch bestimmt noch da.“
Mädel: „Das ist hier kein Busbahnhof, wo man noch schnell noch einsteigen kann.“
Ingo: „Ich zahle auch ein wenig mehr als für einen Bus.“
Erke: „Dann nehmen wir ein Billig Flieger, direkt nach Barcelona. Den Rückflug haben wir ja noch.“
Mädel: „Da täuschen sie sich, wenn der Hinflug nicht angetreten wird, verfällt der Rückflug.“
Alle 3: „WAAAAAS?! Aber wir haben doch bezahlt!“
Mädel: „Tut mir Leid, das ist aber so, das machen alle.“
Erke: „Nicht mit uns….ich rufe bei der Reise Agentur an.“
am Telefon: „Aha…ja…aber…das geht doch nicht…das wird noch Folgen haben. Wir wollen jetzt ein günstigen Flug nach Barca, ansonsten hören sie von meinem Anwalt.“

Wir bettelten und flehten. Uns wurde ein Flug angeboten mit der „Air France“ über Paris. Für 500€ oder mit der Lufthansa für 800€. Spotbillig, oder? Als wir dann noch ein wenig mehr bettelten und sagten dass wir Schalke Fans sind….oh Wunder, da gab es doch noch eine Möglichkeit: Flug nach Amsterdam um 15:00 Uhr und dann von Amsterdam nach Barcelona um 21:15 Uhr. Alles für ein Zuschlag von 115€ pro Kopf. Da wir keine Lust hatten die insgesamt schon bezahlten 340€ zu verlieren, sagten wir zu.

Also hatten wir knapp 4 Stunden Aufenthalt im schönen Terminal 2 des Frankfurter Flughafens. So jetzt erstmal Frühstück…und ein Bier natürlich, war ja auch schon 11:30 Uhr. War ja auch sehr günstig….nur 4,95 € für ein Bier, wer da nicht zuschlägt ist selber schuld. 14:50 Uhr Bording Time. Endlich ging’s los. Erstmal ging’s zu Passagier Kontrolle. Während Erke keine Probleme hatte und locker durchging, hatten Horst und ich größere Probleme. Horsts Hose war übersäht von Nieten, die der Kontrolleur nicht sah und immer wieder kam ein lautes Piepen.
Kontrolleur: „Haben sie mal einen Unfall gehabt und haben nun Metall im Knie oder ähnliches?“
Horst: „Nein.“ Nervosität machte sich bei Horst breit.
Ich konnte mir ein breites Grinsen nicht verkneifen und stand ein paar Meter entfernt und sah zu wie Horst immer wieder mit dem Metall Detektor abgetastet wurde. Als sie dann endlich darauf kamen, dass die Nieten daran Schuld sind, dachte ich mir…endlich geht’s weiter. Von wegen….
Sicherheitsbeamtin: „Sorry Sir, is this your jacket?“ (Gehört die Jacke Ihnen? – im kalten Deutschland war es nötig eine etwas dickere Jacke zu tragen)
Ingo: „Ja das ist meine, sie können ruhig deutsch sprechen.“ (Ich wurde dauernd auf Englisch angequatscht, weil mein Italienischer Pass wohl den Leuten das Gefühl gab: Der Dicke spricht kein Deutsch.)
Sicherheitsbeamtin: „Folgen sie mir bitte zur Sprengstoff Untersuchung.“
Ingo: „Schluck…“
Meine Jacke wurde dann mit irgendeinem Mittel eingesprüht und eingerieben, bevor sie dann in eine große Maschine nach Sprengstoff untersucht wurde. Kein Befund!

Eine Stunde später waren wir in Amsterdam, wieder vier Stunden warten auf den Anschluss … gähn! Aber bei lecker Frittjes und Fleisch Frikadellen aus dem Automaten verflog die Zeit. Beim Boarding hatte Horst wieder das Hosen Problem und schwor, beim Rückflug die Jeans anzulegen.

23:20 Uhr Ankunft in Barcelona. Gepäck geholt und ab zum Taxi – die Taxi- Fahrerin hatte noch nie was von unserem Hotel gehört. Aber nach langen Funkgesprächen mit der Zentrale wurde das Hotel dann doch noch gefunden, in einer ziemlich engen Gasse direkt an den „Ramblas“, der großen Einkaufsstrasse inmitten von Barcelona. Also die Lage hätte eigentlich nicht besser sein können. Rauf aufs Zimmer…..ein 10 qm großes Zimmer mit 3 Betten voll gestellt. TV an der Wand, aber ohne Antennenkabel und Fernbedienung…das kostete extra. Der Balkon…nein es war eine Terrasse….mindesten 1 qm groß und die dicke Klimaanlage drauf, also konnte man nur höchstens ein Bein draufstellen.

Schlafen gehen….Quatsch…es ist doch erst 0:30 Uhr. Gehen wir noch irgendwo ein Bier trinken. Die Strassen waren noch voll mit anderen Schalke Fans. Wir fanden eine schöne, abgelegene und gemütliche Kneipe direkt hinter unserem Hotel und genehmigten uns noch jeder ein Getränk, bis ein paar Minuten später schon Sperrstunde war. Naja, der Tag war lang genug, ab ins Hotel und erstmal schlafen. Oder auch nicht, denn es schien so, als wenn nur wir schlafen wollten, der Rest von Barcelona aber wollte noch Party machen, und zwar.direkt vor unserem Hotel….Nerv! Und da es immer noch angenehme 15°C waren, beschlossen wir, die Nacht über die Balkon-Tür offen zu lassen – und wachten ein paar Stunden später halb erfroren wieder auf. Es war so schweinekalt, man kann es sich nicht vorstellen! Es hatte sich in der Nacht so sehr abgekühlt, dass die dünnen Laken, die sowas wie eine Bettdecke sein sollten, uns nicht wärmen konnten. Also freute ich mich um so mehr auf eine warme Dusche. Ich dachte mir noch…das Schlimmste was passieren könnte, wäre wenn es kein warmes Wasser gäbe.

Und so war es auch anfangs, es dauerte wirklich ca. 30 Minuten bis warmes Wasser aus dem Duschkopf kam. Also ließ ich es lange laufen und legte mich erstmal noch ein paar Minuten ins Bett. Drei Männer und ein Bad, das vergisst man übrigens auch nicht. Aber egal, jetzt erstmal schön frühstücken. Wir also in den Frühstücksraum. Dort war ein Büffet aufgebaut das einfach einmalig war. Croissants, Brötchen und süße Teilchen. Eine rote, eine gelbe Marmelade und Butter.

Das war’s.

Der Joghurt sei, so Erke, „Mehr Chemo als lecker“. Und der Orangensaft…naja schmeckte schon sehr ungewöhnlich. Egal, wir waren ja nicht zum frühstücken in Barcelona. Also raus in die Stadt. Wir schlenderten am Hafen entlang. Viele schöne Gebäude, die wir nicht kannten. Wie gingen hoch zur Kathedrale, aber sie war verhangen und man konnte nur auf der Plane sehen, wie schön sie eigentlich sein müsste. Während der Erkundung der wunderschönen Stadt wurde Horst mehrmals angesprochen, ob er Haschisch kaufen möchte…warum fragten die Spaniern ausgerechnet einen Nichtraucher? Vielleicht lag es ja an der Nieten-Hose.

Am Hafen war eine Party für Schalke-Fans organisiert, aber viele waren nur dort, um sich mächtig zu betrinken und sich dann dermaßen auch zu benehmen. Also sind wir dann gegen 15:00 Uhr noch mal los um uns die Stadt anzuschauen. Mitten auf den „Ramblas“ wurde Horst plötzlich von einem Schalker angesprochen. „Hey, du hast doch bei uns die Heizung eingebaut, wenn du wieder in Deutschland bist, komm mal vorbei, irgendetwas stimmt da nicht.“ Da fährt dieser Schalker 2000 km um Horst das zu sagen!

Erke und Horst hatten dann keine Lust mehr weiter zu laufen, also trennten wir uns, und ich ging zurück zum Hafen, um dort den organisierten Shuttle Bus zum Stadion zu nehmen, aber darin war für mich kein Platz, also musste ich wieder zurück in die Innenstadt um eine U-Bahn zum Stadion zu nehmen.

Erke und Horst hatten sich mittlerweile „für unterwegs“ ein Six-Pack Bier besorgt, und weil die Stadt Barcelona vorher darauf hingewiesen hatte, dass es verboten sei, in der Öffentlichkeit Alkohol zu trinken, trank Horst sein Bier auch brav in der Empfangshalle des Hotels aus…..Erke aber nicht. Und so wurde er schon nach ein paar Metern direkt von zwei Zivilpolizisten angesprochen und nach seinem Ausweis gefragt. Der eine Zivilpolizist trug einen Barca-Schal, woraufhin Erke der Meinung war, dass es keine echten Polizisten wären – und sie ließen es schließlich auch bei einer Ermahnung bleiben als Erke sagt, er habe weder Ausweis noch Geld dabei.

Ich war währenddessen an der U-Bahn Station angekommen, wo mir eine nette deutsche Studentin erklärte wie ich zum Station käme, für sage und schreibe 1,30€, wenigstens das Bahn fahren war günstig. An der Station „Les Cortes“ war es dann noch ca. ein 1,5 km Fußmarsch bis zum Station. Aber dieses Stadion war es einfach wert. Schnell noch ein Schal kaufen und rein in die “Schüssel“.

Es war erst 18:30 Uhr, also noch gut zwei Stunden bis zum Anstoß, aber die Zeit verflog, weil man sich einfach an dem Stadion Inneren nicht satt sehen konnte. Das Stadion Äußere war eher hässlich, baufällig und sehr kalt. Es galten wohl auch Europapokal Preise im Stadion. Bier, Cola, Fanta: 4€. Wasser: 2€. Würstchen im Brot: 5€!

Das Station ist sehr hoch, also hieß es erstmal…Stufen Stufen Stufen! Oben angekommen war es schon sehr windig, aber solange die Sonne da war….kaum gedacht, verschwand sie auch schon und es wurde windiger und halt extrem kalt. Auf Deutsch gesagt: Ich hab mir in meinem kurzärmeligen Schalke Trikot den Arsch abgefroren! Das Spiel…naja was soll man noch dazu sagen…0:1 verloren, obwohl wir in der ersten Halbzeit ein wirklich starkes Spiel gemacht hatten.

Die Stimmung….also da hatte ich wirklich ein wenig mehr von Barcelona erwartet. Keine Stimmung, keine Gesänge…nix. Bei der Aufstellung wurde bei jedem Namen Òle gerufen und das Vereinslid war ein wenig laut, aber das war’s auch. Toll fand ich nur, dass die Barca Fans, schon nach 20 Minuten mit weißen Taschentüchern gewunken hatten um Ihren Unmut zu zeigen. Das sieht man mal, wie stark Schalke war!

Aber egal…wir hatten verloren und waren also ausgeschieden. Traurig war nur, dass direkt nach Abpfiff der größere Teil der Schalke Mannschaft direkt in die Kabinen verschwand und nur eine Handvoll Spieler zu uns Fans kam, um sich zu bedanken. Vielleicht ist es für die Fußballer nichts besonderes, aber für manche der Fans war es doch eine Riesen Anstrengung, nach Barcelona zu kommen. Auch wenn der Pfiff zum Ende des Spiel schon lange verhalt war, mussten wir Schalker noch eine halbe Stunde im kalten Station warten.

Zurück zur U-Bahn Station. 1,5 km….langsam wurde es anstrengend. In der U-Bahn Station war es sehr voll, ich direkt runter zu den Zügen, weil ich ja eine Rückfahrkarte hatte – die allerdings nicht mehr gültig war… also wieder hoch und am Ticket-Automaten anstellen….oh mann, war das voll. Das hat mich wieder Nerven und ca. 30 Minuten meines Lebens gekostet. Ich fuhr dann mit der Bahn zwei Stationen weiter als das Hotel war, ich war nämlich hungrig und ich wollte auch zum Kentucky Fried Chicken noch eine Kleinigkeit essen. Dort war es aber so voll, dass ich mich für ein kleinen Döner ähnlichen Laden entschied… das war echt günstig, verdammt warum hatte ich den nicht schon eher gesehen?!

Also schlenderte ich noch alleine die „Ramblas“ runter. Es war schön, die vielen Schalker noch zu sehen, die Touristen, wie sie sich für die Partys schön gemacht hatten. Woran ich aber nicht gedacht habe waren die Nutten. Die „Ramblas“ waren nämlich nach Geschäftsschluss der Straßenstrich Barcelonas. Also wurde man sofort von jungen, teilweise attraktiven Frauen in knapper Bekleidung gefragt ob man Lust auf eine nette Massage hätte. Trotz Nein sagen, verfolgten die Frauen einen noch über ein paar Meter. Kurz vorm Hotel dachte ich mir, Horst und Erke sind bestimmt in der Kneipe, also drehte ich wieder um und ging ein paar Meter die Straße hinauf. Dabei drehte ich einigen leichten Mädels meinen Rücken zu, die so auf meinem Trikot meinen aufgeflockten Spitznamen „Flikko“ lesen konnten. Da hörte ich plötzlich eine Frau wirklich laut über die Strasse brüllen: „Flikko Flikko, come Ficki Ficki…Flikko Flikko, come Ficki Ficki!“ Schnell verschwand ich in der Seitenstrasse und traf im „Alex“ wie erwartet Horst und Erke. Die beiden amüsierten sich natürlich köstlich über mein Erlebnis.

Wir tranken dann noch schnell einen und gingen dann ins Bett, es war ein äußerst anstrengender Tag. Und am nächsten Tag ging schon um 10:00 Uhr der Flieger und den wollten wir auf keinen Fall verpassen. 06:30 Uhr aufstehe und ab zur „Plaza de la Catalunya“. Leider ohne Frühstück, auch wenn es Mist war, hätten wir schon gerne was zu uns genommen, aber Frühstück gab es erst ab Acht. Wir nahmen den Bus zum Flughafen. Horst hatte wirklich seine Jeans an, womit er eindeutig einfacher durch die Personen Kontrolle kam. So jetzt erstmal ein Kaffee und ein Schnittchen…teuer aber sehr gut. Zum Bedauern von Erke gilt an allen Flughäfen ein absolutes Rauchverbot. Also setzen wir uns schon mal in die Warte Halle um auf das Bording zu warten.

Das Schlimmste, was jetzt noch passieren könnte wäre, wenn wir so viel Stress wie beim Hinflug hätten und den Anschluss Flug verpassen würden. Und da kam schon die Ansage… „Wegen technischer Probleme verzögert sich der Abflug um ca. 45 Minuten“

Panik! Das gibt’s doch nicht, warum haben wir immer so ein Pech?! Die Maschine startete also mit ca. 45 Minuten Verspätung, eigentlich nicht schlimm, wir hatten aber nur 30 Minuten Aufenthalt in Amsterdam. Und Erke wollte ja mindestens noch eine Rauchen. Ich weiß zwar nicht, wie das Flugzeug es geschafft hat, aber wir kamen dann nur mit einer Verspätung von ca. 15 Minuten in Amsterdam an. So konnte noch geraucht werden und wir erreichten locker unseren Flug nach Deutschland. In Frankfurt angekommen nahmen wir den Shuttle zum Terminal 1, wo die Haltestelle der Bahn war. Von da aus zum Hauptbahnhof und dann in die Stadt, die wir drei niemals vergessen werden: Seulbeck!

Am Hauptbahnhof hatten wir die spontane Idee auf ein Kaffee, leider war da nur ein Nestlé Kaffee Automat, na gut, dann halt nur so einen…kostet ja nur ein Euro. Wir scherzen noch so rum: Das Schlimmste was jetzt noch passieren könnte wäre, wenn kein Kaffee rauskommt.
Erke sagt: „ Ich bin clever, ich kaufe mir Kakao!“
Tja….wie sollte es auch anders sein: es kam nur heißes Wasser raus. Dann versuchte ich mein Glück mit Kaffee, es kam tatsächlich einer raus, nur leider ohne Zucker. Aber das konnte uns wirklich jetzt nicht mehr erschüttern.

Das Schlimmste, was jetzt noch passieren könnte wäre, wenn wir die falsche Bahn nähmen und nicht nach Seulbeck kämen. Und was soll ich euch sagen, eine Station vor Seulbeck hält die Bahn und eine Stimme sagt: „Bitte aussteigen, Zug endet hier!“
Wir waren zwar im richtigen Zug, aber ausgerechnet dieser fuhr nur nach Bad Homburg und nicht in das eine Haltestelle entfernte Seulbeck. Also noch mal 15 Minuten warten. Wir nahmen dann dich richtige Bahn…und den ganzen Tag eigentlich schon verfolgte uns dieser Horror Satze: Das Schlimmste was jetzt noch passieren könnte wäre, wenn der Wagen nicht mehr da stünde! Da wir ja so in Zeitdruck waren hatten wir bei der Hinfahrt nicht einen Blick zurück geworfen, um zu sehen, ob dort, wo der Wagen stand, Halteverbot war oder sonstiges. Also hieß es Hoffen Hoffen Hoffen. Wir stiegen aus der Bahn, ein kribbeln ging durch unseren Körper….

JA, DAS STAND ES !!!

Wir hatten Glück…mann, war das schön! Also nichts wie rein ins Auto, Heizung an, denn Frankfurt ist viel kälter als Barcelona. Jetzt nur noch 2,5 Stunden Autobahn und wir hatten es geschafft.

Und ob ihr es glaubt oder nicht, es ging alles gut, selbst der angekündigte Stau löste sich von allein auf! Gegen 19:15 Uhr setze mich Erke dann bei mir zuhause ab und eine lange, stressige, witzige aber doch einmalige Fahrt zu einem Auswärtsspiel war beendet.

Und eigentlich war gar nichts Schlimmes passiert! Uns doch nicht!


„1904 Geschichten“.
Die Bitte geht an Alle: wenn ihr etwas habt aus über 100 königsblauen Jahren, etwas Wahres und/oder Interessantes über Schalke, das ihr teilen wollt, Erlebnisse die erinnernswert sind oder ganz einfach Schilderungen, wie es war, wie man sich Eintrittskarten besorgte, wo in der Glückaufkampfbahn, dem Parkstadion oder der Arena man „daheim“ war, wie man dahin kam und wie es da zuging, oder was auch immer vielleicht jemand, der Schalke nur vom Fernsehen oder aus der Zeitung kennt, nie oder niemals wirklich wissen kann – aber vielleicht sollte – schickt mir (matthias.berghoefer[at]web.de) einfach eure Texte, Dreizeiler oder halbe Romane und egal wie’s mit Rechtschreibung aussieht. Klar erkennbar muss sein, ob es sich um eine wahre Geschichte handelt oder um einen Prosatext, also einen konstruierten, erfundenen, der etwas Bestimmtes ausdrücken will in Bezug auf den FC Schalke 04.
Wichtig ist natürlich auch, dass ihr kein Problem damit habt, dass euer Text hier, und vielleicht auch irgendwann mal in einem Buch, veröffentlicht wird – natürlich unter eurem Namen, oder einem „Pseudonym“ falls euch das aus irgendeinem Grund lieber ist.
1904 Geschichten sind eine Menge Holz. Ich bin mal gespannt.

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2 Antworten zu “Das Schlimmste, was passieren könnte…

  1. Jau, an Barca auswärts kann ich mich auch gut erinnern.
    Wir sind auch über Amsterdam, haben von der Stadt quasi nichts gesehen, einen dort lebenden Freund 1,5Std. vor dem Spiel kurz auf dem Weg zum Stadion getroffen und direkt am nächsten Morgen früh wieder zurück. Was ein Stress für so ne Auswärtsniederlage (Urlaub genommen, Flug, Hotel, Ticket, Taxi, organisiert, viel Geld ausgegeben, etc.).
    Immerhin haben wir unseren Flieger erreicht. Ich dachte immer nur an diejenigen, die mit dem Auto da runter sind …
    Aber vor dem Rückflug traf man am Flughafen Horden gleichgesinnter, übermüdeter, aber lustiger bzw. netter Schalker, die Geschichten von 97 und aus der 2. Liga erzählten. DAS hat eigentlich für alles entschädigt 🙂

  2. >„Hey, du hast doch bei uns die Heizung eingebaut, wenn du wieder in Deutschland bist, komm mal vorbei, irgendetwas stimmt da nicht.“ Da fährt dieser Schalker 2000 km um Horst das zu sagen!<

    Ich hab Tränen gelacht!!! In dem Stadion war ich auch schon. Ein Tag nachdem die Bazis dort gespielt haben. Einfach nur genial und das Stadion sah aus wie ein Schwein und ich wurde überall auf Spanisch blöd angebrüllt (wahrscheinlich wegen meinen Schalketrikot :-D)!!! @Schalke-Yeti ich bin damals mit meinen Eltern (bin 14) mit dem Auto runter. Ist gar nicht so schlimm. Knappe 18 Stunden Fahrt ;-D!!!

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