Verschossen

Frances Peters setzt sich im westlichsten Kreis Deutschlands erfolgreich gegen Aachener und Gladdies durch, viele kennen sie deshalb nur als „Schalke Willis Tochter“. Bekam beim ersten Spiel live auf Schalke nicht viel vom Spiel mit, da sie die ganze Zeit zur Nordkurve starrte und im fünf Minuten Takt forderte: „Da will ich auch hin“

Ein Elfmeter verschossen im Schnee, ein Papa verschossen in Schalke, ein kleines Mädchen für immer königsblau. Es war einmal, UEFA-Cup…

Ein von der eigenen Mannschaft verschossener Elfmeter hat selten etwas Gutes, doch am Abend des 19. November 1996 sollte alles anders sein:

Den ganzen Nachmittag über warte ich schon ganz gespannt darauf, dass mein Vater endlich von der Arbeit nach Hause kommt. Schließlich habe ich schon den ganzen Tag darauf gewartet, ihm erzählen zu können, wie ich heute beim Fußball spielen im Kindergarten ein Tor geschossen habe.

Ich, das war damals ein Mädchen von fünf Jahren, das mit Puppen absolut nichts anfangen konnte, dafür aber mit allen runden Sachen, die sich irgendwie als Ball benutzen ließen. Als mein Papa dann endlich nach Hause kam, lief ich sofort begeistert auf ihn zu und er nahm mich in seine Arme. Doch irgendwie schien er mit seinen Gedanken ganz wo anders zu sein, was mir auch der folgende Satz: „Da schauen wir mal, ob wir heute in Brügge was reißen können“ noch mal verdeutlichte, konnte ich damit doch so gar nichts anfangen.

Ich sagte erst mal nichts dazu, sondern ging mit ins Wohnzimmer, wo ich mich neben ihn aufs Sofa setzte und ihn ganz erwartungsvoll ansah. Wann konnte ich denn jetzt endlich von meinem Tor erzählen?

Doch der Fernseher, in dem ein paar weiße Männchen auf einem komischerweise weißen Feld herumliefen, nahm seine ganze Aufmerksamkeit in Anspruch. Er schaute wie gebannt dort hin und wenig später trollte ich mich etwas traurig auf meine Spieldecke. Ganz in mein Spielzeug vertieft, bekam ich auch nicht mehr wirklich mit, was um mich herum passierte.

Dann kam die Szene in der Olaf Thons Elfmeter zur Ecke geklärt wird. Mein Vater schimpft so sehr, dass ich erst einmal erschrocken aufsehe. Was ist denn da passiert? Was dann folgt, ist der Moment, der mich für immer zum Schalker machen wird: Mike Büskens hämmert den Ball volley in das Tor der Belgier und Papa brüllt so laut, dass ich mich vor lauter Schreck erst einmal unter dem Sofa verkrieche.

Als ich mich dann wieder hervortraue, sehe ich das glückliche Strahlen in seinem Gesicht, durch das ich sofort mitstrahlen muss. Lachend nimmt er mich hoch und wirbelt mich durch den Raum. „Das gibt’s doch gar nicht“, wiederholt er immer wieder.

Als Papa mich dann wieder absetzt frage ich ihn: „Papa, was war das denn?“
Und er antwortet mir: „Das ist Schalke 04“

Diesen Satz werde ich wohl nie im Leben vergessen. Dieses Schalke muss wirklich etwas Tolles sein, wenn es meinen Papa so strahlen lässt und nicht nur ihn, auch die ganzen Menschen im Fernsehen, die gerade gezeigt werden jubeln und liegen sich in den Armen!

Nach diesen Bildern ist es um mich geschehen, da will ich auch dazugehören! Und genau das sage ich meinen Vater auch gleich: „Papa, ich bin jetzt auch Schalke!“

Darauf lacht er noch mehr, setzt mich auf seinem Schoß und erklärt mir, wie die Spieler heißen und singt mir einige der Lieder vor, die gerade auch im Stadion gesungen werden. Von da an habe ich auch meine Spitznamen bei allen Verwandte und Freunden meiner Eltern weg: „Schalke Willis Tochter“. Schließlich müssen sie jetzt bei jedem Besuch meine Gesangseinlagen des königsblauen Liedguts, das mir nach und nach immer besser über die Lippen kommt, ertragen. In diesen Momenten sehe ich, wie stolz mein Papa ist und das ist das schönste Gefühl der Welt für mich.

Als er mir dann, nach seinem nächsten Besuch auf Schalke, ein Trikot mitbringt, platze ich fast vor stolz und will es gar nicht mehr ausziehen, doch da setzt sich meine Mutter dann doch durch. Da ich jetzt so toll ausgestattet bin, muss Papa mir versprechen mich möglichst schnell auch mal mit ins Stadion zu nehmen.

Heute, fast 15 Jahre später, sind diesem ersten Besuch im Stadion noch einige andere gefolgt und es sind auch noch etliche königsblaue Momente, die ich zusammen mit meinem Vater erlebt habe, dazugekommen. Doch dieser eine aus dem Winter 96, wird mir immer am stärksten in Erinnerung bleiben als der Tag, an dem ich vom königsblauen Virus befallen wurde.

„1904 Geschichten“.
Die Bitte geht an Alle: wenn ihr etwas habt aus über 100 königsblauen Jahren, etwas Wahres und/oder Interessantes über Schalke, das ihr teilen wollt, Erlebnisse die erinnernswert sind oder ganz einfach Schilderungen, wie es war, wie man sich Eintrittskarten besorgte, wo in der Glückaufkampfbahn, dem Parkstadion oder der Arena man „daheim“ war, wie man dahin kam und wie es da zuging, oder was auch immer vielleicht jemand, der Schalke nur vom Fernsehen oder aus der Zeitung kennt, nie oder niemals wirklich wissen kann – aber vielleicht sollte – schickt mir (matthias.berghoefer[at]web.de) einfach eure Texte, Dreizeiler oder halbe Romane und egal wie’s mit Rechtschreibung aussieht. Klar erkennbar muss sein, ob es sich um eine wahre Geschichte handelt oder um einen Prosatext, also einen konstruierten, erfundenen, der etwas Bestimmtes ausdrücken will in Bezug auf den FC Schalke 04.
Wichtig ist natürlich auch, dass ihr kein Problem damit habt, dass euer Text hier, und vielleicht auch irgendwann mal in einem Buch, veröffentlicht wird – natürlich unter eurem Namen, oder einem „Pseudonym“ falls euch das aus irgendeinem Grund lieber ist.
1904 Geschichten sind eine Menge Holz. Ich bin mal gespannt.

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