Farvel!

Daniela, Baujahr 1975, wurde bereits postnatal auf diverse Grounds geschleift, um den torhütenden Vati zu supporten, zeigte schon immer Affinität zu blau-weißen Mannschaften und ist seit Eröffnung der Donnerhalle in steter Regelmäßigkeit im Block I anzutreffen.

Der, dessen Lied wohl das mit den meisten Strophen ist, verabschiedet sich von seinem Schalke und Daniela ist dabei, mehr oder weniger.

Ebbe Sand, einer der Großen bei uns auf Schalke, lud im Sommer 2006 zu seinem Abschiedsspiel. Und alle waren sie gekommen, ausverkauftes Stadion in der Urlaubs- und Ferienzeit. Sogar „alte Hasen“ wie Ingo Anderbrügge waren mit von der Partie. Leider fand das Spiel an einem Sonntagnachmittag statt, so dass wir bereits am Vortag anreisen und einplanen mussten, nicht das ganze Spiel sehen zu können. Wir übernachteten im Hotel am Stadion.

Es war sehr warm und wir saßen abends noch lange draußen bei Kaltgetränken. Kinder sprangen auch noch durch die Gegend. Sie sprachen Dänisch. Aha. Neben uns rückte man Tische und Stühle zusammen. Auch diese Leute sprachen Dänisch. Ah ja. Es stellte sich dann schnell heraus, dass Familie Sand mit Kind und Kegel hier ebenso wie wir Quartier bezogen hatte und den Abend in der lauen Sommernacht auf der Terrasse ausklingen lassen wollte. Ebbe Sand kam auf unseren Tisch zu. Ebbe Sand persönlich. Meine Pulsfrequenz stieg. Er fragte, ob er den freien Stuhl haben dürfe. Was für eine Aufregung. Ja, natürlich. Wie schön, wir fahren zum Abschiedsspiel von Ebbe Sand und eben dieser fragt just in diesem Moment, ob er den Stuhl haben darf? Das glaubt uns doch niemand. Zufälle gibt es.

Na toll, der Fotoapparat liegt auf dem Zimmer. Nach kurzem Gezeter holte Enrico die Kamera dann aber noch. Welch’ Aufregung. Ich sollte Ebbe mit „Herr Sand“ anreden, sagte er, und das, wo sich in Dänemark doch alle duzen. Ein bisschen Anstand muss wohl sein. Es ist ein schönes Foto geworden. Ein schöner Abend. Mange tak!

Am Sonntag war es dann unerträglich heiß. Im Stadion sind die Leute vor Erschöpfung umgefallen. Und unten auf dem Rasen spielen zum Teil ältere Herren Fußball. Klasse. Ebbe Sand hatte in der ersten Halbzeit den Ausgleichstreffer für seine Mannschaft zum 1:1 markiert.

Mitte der zweiten Halbzeit mussten wir dann schon los zum Bahnhof. Draußen, auf dem Weg zur Bahn, hörten wir den frenetischen Applaus des Stadions. Ebbe Sand ist wohl gerade ausgewechselt worden und läuft seine Ehrenrunde. Und wir sind leider nicht mehr dabei. Vielleicht war es auch gut so. So blieb uns jedenfalls das Schluchzen erspart, wenn Ebbe die große Schalker Bühne für immer verlässt. Hatten wir uns doch schon gestern heimlich von ihm mit einem „Farvel!“ verabschiedet. So ganz still und leise.


„1904 Geschichten“.
Die Bitte geht an Alle: wenn ihr etwas habt aus über 100 königsblauen Jahren, etwas Wahres über Schalke, das ihr teilen wollt, Erlebnisse die erinnernswert sind oder ganz einfach Schilderungen, wie es war, wie man sich Eintrittskarten besorgte, wo in der Glückaufkampfbahn, dem Parkstadion oder der Arena man „daheim“ war, wie man dahin kam und wie es da zuging, oder was auch immer vielleicht jemand, der Schalke nur vom Fernsehen oder aus der Zeitung kennt, nie oder niemals wirklich wissen kann – aber vielleicht sollte – schickt mir (matthias.berghoefer[at]web.de) einfach eure Texte, Dreizeiler oder halbe Romane und egal wie’s mit Rechtschreibung aussieht. Hauptsache das, was ihr erzählt, ist wirklich wahr, man erkennt um welches Jahr es geht (wenigstens ungefähr) und ihr habt kein Problem damit, dass es hier, und vielleicht auch irgendwann mal in einem Buch, veröffentlicht wird – natürlich unter eurem Namen, oder einem „Pseudonym“ falls euch das aus irgendeinem Grund lieber ist.
1904 Geschichten sind eine Menge Holz. Ich bin mal gespannt.

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