Berlin ist eine Reise wert – Blankenfelde aber auch

Martin Piasta, in GEborn, besitzt ein Tabellenarchiv und Fußballbücher aus aller Welt, sein Motto lautet „Fußball ist mehr als nur ein Spiel“ und wenn Fußball eine Droge wär‘, wäre er ein Junkie.

Schalke im Pokalfinale, nach 1972 dauerte es Jahrzehnte bis es wieder mal so weit war – aber irgendwann ging der Traum dann doch in Erfüllung.

Jahrelang, von 1985 bis 1990, war ich zum Pokalfinale in Berlin. Immer wieder hab ich dort Bekannte besucht und musste mir Siege der Pipigelben oder Bazis ansehen, Klassiker wie Frankfurt gegen Bochum oder ähnliches. Erfüllend war das nicht und so hab ich mir irgendwann geschworen, wenn, ja wenn mal die Schalker nach Berlin fahren dann musst du dabei sein!

Rückblende
Halbfinale am 07.Februar 2001, VfB Stuttgart – FC Schalke 04. Mit wenig Erwartung haben wir uns im Wohnzimmer breit gemacht. Veltins auf dem Tisch ein paar Knabbereien drumherum und so warteten wir auf den Anstoß. Eigentlich hatten wir alle ein mulmiges Gefühl im Bauch. Vor 4 Tagen hatte der VfB zuhause den Tabellensechsten Kaiserslautern mit 6:1 nach Hause geschickt und wir haben uns eine 1:4 Klatsche in Cottbus abgeholt. Was wir dann gesehen haben war eine erste Halbzeit die schwer zu toppen ist. Ebbe, Gerald und Emile schossen eine 3:0 Pausenführung heraus und das hochverdient. Mit Pausenpfiff gegen 21:15 Uhr stand das Telefon nicht mehr still. Berlin, Berlin wir fahren nach Berlin! In der 2.Halbzeit passierte nicht mehr viel und der Traum von „Schalker in Berlin!“ wurde wahr.

Freitag 25.Mai 2001
Mit 9 SchalkerInnen geht es ab zum Pokalfinale. Gegen 08:00 Uhr holen wir uns den vorbestellten Mercedes-Sprinter ab. Spartanisch eingerichtet, also Sitze und sonst nix, laden wir unsere Sachen ein. Bisschen frisches Veltins, die üblichen eingeschweißten Frikadellen, Mettwürstchen und Brötchen und was man noch so braucht. An der Anhängerkupplung haben wir dann einen Pipigelben- sowie einen Bazi-Schal festgebunden. Also alles nötige vorhanden und ab auf die A2: „Berlin wir kommen.“ An der Raststätte Gütersloh-Süd wurde dann die erste Pinkelpause eingelegt und kaum denkst du das Leben kann so schön sein, hält prompt eine vorbeifahrenden Zecke an und ruft aus 25 Meter Entfernung ein paar unschöne Worte. Der von vier Schalkern kurz angesetzte Sprint Richtung Leuchtie führte zu einem Motorabwürgen des selbigen und bei uns zu schallendem Gelächter. Man muss sie einfach lieb haben 😉 Aber egal ab wieder in die Kutsche und von nun an geht es Nonstop und ohne nennenswerte Störungen anderer „Verblendeter“ Richtung Berlin bzw. in unserem Falle nach Blankenfelde.

„Jámas!“
Nachdem wir uns alle kurz in der Pension frisch gemacht hatten, zogen wir gegen 18:00 Uhr in den Ort um irgendetwas Essbares zu finden. Da Blankenfelde aus vielen kleinen typischen Siedlungshäusern besteht und ziemlich „verschlafen“ wirkt, hatten wir eher an einen kleinen Gasthof oder Pommesbude gedacht. Aber dann fand sich neben einem mittleren Supermarkt im „Zentrum“ doch tatsächlich eine Gaststätte Namens „Dionysos“. Griechische Spezialitäten lockten auf der Karte und eine schöne Einrichtung lud zum verweilen ein. Kurz nach einem Tisch für neun Personen gefragt und schon wurden selbige zu einen langen Tafel zusammengestellt und der erste Ouzo kam noch bevor jemand von uns die Speisekarte hatte: „Jámas!“ Was soll man sagen: Essen vom feinsten, Bier, Wein und Ouzo in rauen Mengen und ein mehr als freundliches Personal. Ob denen unsere Vereinsfarben oder die fröhliche friedliche Gemeinschaft so gefallen hatte, wissen wir nicht. Was wir aber wissen ist, dass der Wirt mehr als 10 Runden Ouzo ausgegeben hatte und wir alle pappsatt und leicht schicker mit Schalker Liedgut auf den Lippen wieder in Richtung Pension zogen. „Jámas!“ Dort angekommen wurde in einem Zimmer ein kleiner Beistelltisch in den Raum gestellt und allen nahmen rundherum auf dem Boden platz. Frisches Veltins machte die Runde und es kam uns noch das ein oder andere Liedchen „leise“ von den Lippen. Beschwert hat sich keiner und kurz nach 2 Uhr gingen wir dann alle ins Bett. Wir hatten schließlich am nächsten Tag noch was vor.

Samstag 26.Mai 2001
Nach Dusche und Frühstück ging die Reise nun in das große Berlin. Schalker Lieder schepperten aus dem Casettenrekorder als der mit blau-weißen Fahnen und Schals geschmückte Sprinter gegen 10 Uhr durch die breiten Prachtstrassen Berlins fuhr. An Brandenburger Tor, Reichstag, „Goldelse“, Kuhdamm und Schloss Charlottenburg vorbei ging es in Richtung Olympiastadion wo wir die Karre auf dem Platz direkt vor dem Eingang parkten. Mit der S-Bahn fuhren wir dann ins Herz der pulsierenden Großstadt und waren erstaunt wie viele Schalker schon da waren. Allein der Platz um die Gedächtniskirche (oder wie wir Schalker sagen: „Die kaputte Kirche“) war voll mit Hunderten blau-weiß gekleideten Menschen. Ab und zu schaute auch der ein oder andere Fan der Eisern Union vorbei, es kam zu Smalltalks und kleinen Tauschgeschäften. Man traf sich mit Freunden und es war ein sehen und gesehen werden wie man es sonst nur von Stadtteilfesten kennt. Auch wenn es pathetisch klingt: Die ganze Schalker Familie war da und feierte eine fröhliche Party. Nachdem das ein oder andere Bier und ein paar kleine Snacks eingeworfen wurden ging es nachmittags wieder Richtung Stadion. Schließlich fand dort schon das Damenpokalfinale 1.FFC Frankfurt gegen den FFC Flaesheim/Hillen statt. Letztere Mannschaft übrigens mit dem ehemaligen Schalker Hermann Erlhoff als Trainer.

Das Spiel 1.FC Union Berlin – FC Schalke 04
Nachdem die Damen des 1.FFC Frankfurt mit einem 2:1 Sieg ihren dritten Pokalsieg in Folge feiern konnten, warteten nun alle auf das Duell der Eisernen gegen die Knappen. Wechselvolle Vereinsgeschichten hatten beide vorzuweisen. Union, im Schatten der stahlverarbeitenden Industrie rund um Köpenick ansässig, hat einen ähnlich leidvoll geprüften Anhang wie wir Schalker. Im Rahmenprogramm wurden dann beide Vereinslieder vorgetragen und während für uns die Florians ihr bestes gaben sang für den 1.FC Union keine geringere als Nina Hagen. Oft hatte sie das Lied „Eisern Union“ wohl noch nicht live vorgetragen, denn anders sind ihre reichlichen Textaussetzer, die eher peinlich als lustig waren, nicht zu erklären. Im Spiel dann hatte unsere Mannschaft mit den sehr forsch auftretenden Unionern mehr Mühe als uns Fans lieb war. Ein ums andere mal wurde unsere Abwehrreihe ausgespielt und oft war es Olli Reck zu verdanken, dass er Ball nicht in unserem Tor einschlug. Es war ein eher zähes Spiel, das mit einem gerechten 0:0 in die Pause ging. Mit Wiederanpfiff war dann aber Schluss mit Lustig und Jörg Böhme schoss uns mit 2 Toren zum dritten Pokalsieg der Vereinsgeschichte und die Party konnte beginnen. Getrübt wurde die Siegerehrung eigentlich nur durch das Erscheinen eines gewissen Herr Mayer-Vorfelders der auch einen dementsprechend lautstarken Empfang von uns bekam und nachdem wir aller Welt noch gesagt hatten wo sich die Bazis die Schale hinstecken können wurde nur noch abgefeiert. Eine LaOla nach der anderen ging durch die königsblauen Reihen und selbst als alle Spieler in die Katakomben verschwunden waren hörte die Party nicht auf. Als erstes kamen dann Olli Reck und Mike Büskens wieder auf den Rasen und die Party startete noch ein zweites mal durch.

Die Heimfahrt
Nachdem wir noch 2 Stunden in und um das Stadion gefeiert hatten fuhren wir mit unserem Sprinter Richtung GE und ohne besondere Vorkommnisse erreichten wir die Stadt der Tausend Feuer mit Sonnenaufgang. Das einzige worauf man aufpassen musste waren die immer noch feiernden Fans die nun zuhauf aus den Kneipen kamen und sich natürlich mit breiter Brust und leicht schwankend über die Strassen bewegten. Nach ein paar Stunden Schlaf ging es auch schon wieder los: Die Pokalhelden mussten ja noch im Parkstadion empfangen werden!


„1904 Geschichten“.
Die Bitte geht an Alle: wenn ihr etwas habt aus über 100 königsblauen Jahren, etwas Wahres über Schalke, das ihr teilen wollt, Erlebnisse die erinnernswert sind oder ganz einfach Schilderungen, wie es war, wie man sich Eintrittskarten besorgte, wo in der Glückaufkampfbahn, dem Parkstadion oder der Arena man „daheim“ war, wie man dahin kam und wie es da zuging, oder was auch immer vielleicht jemand, der Schalke nur vom Fernsehen oder aus der Zeitung kennt, nie oder niemals wirklich wissen kann – aber vielleicht sollte – schickt mir (matthias.berghoefer[at]web.de) einfach eure Texte, Dreizeiler oder halbe Romane und egal wie’s mit Rechtschreibung aussieht. Hauptsache das, was ihr erzählt, ist wirklich wahr, man erkennt um welches Jahr es geht (wenigstens ungefähr) und ihr habt kein Problem damit, dass es hier, und vielleicht auch irgendwann mal in einem Buch, veröffentlicht wird – natürlich unter eurem Namen, oder einem „Pseudonym“ falls euch das aus irgendeinem Grund lieber ist.
1904 Geschichten sind eine Menge Holz. Ich bin mal gespannt.

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