Die Geschichte der „1904 Geschichten“


Das tatsächliche Cover und ein paar der vorher diskutierten Versionen – auch das zeigt, wie der erste Band aus der „1904 Geschichten“-Serie sich entwickelte. Hier noch einmal zusammengefasst, wie es zu diesem Projekt und in der Folge dann eben auch zu Website und Buch kam. Und wie es vielleicht weiter gehen kann.

Anfang August erschien im Werkstatt Verlag unser Buch von den „1904 Geschichten“, eine Sammlung von großen und kleinen Erzählungen und Erinnerungen an Erlebnisse mit Schalke 04, geschrieben von Fußballfans, die sich beteiligten an der Geschichtensammlung im Netz (eben hier), die weiterhin aktiv ist, denn es sollen insgesamt wirklich einmal 1904 Abenteuer zusammen kommen und in weiteren Büchern auch auf Papier veröffentlicht werden.

Begonnen wurde diese Aktion, also das Sammeln der Geschichten, im Oktober 2010, mit dem Ziel, durch die Beiträge vieler unterschiedlicher Fans aus den verschiedensten Blickwinkeln und über alle Jahrzehnte der Vereinsgeschichte hinweg, ein Bild von Schalke zu gewinnen, wie es wirklich war und ist, was der Club den Menschen bedeutete, was sie mit ihm erlebten und so weiter. Die Lage im Verein war zu diesem Zeitpunkt in mehrerer Hinsicht kritisch, klar sichtbar auf dem Platz, aber insbesondere eben auch im Kern des FC Schalke 04, der sich selbst zu verlieren drohte und auch finanziell auf tönernen Füßen stand – das Erinnern tat vielen gut und schnell kamen einige außergewöhnlich gute Texte zusammen, die nach und nach im Internet veröffentlicht wurden und zahlreiche Leser fanden. Da ging es um denkwürdige Spiele, um die Eltern, die einem Schalke nahe brachten, um widrige Auswärtsfahrten, um Titelgewinne, um Verluste, um Abenteuer mit Medienleuten und um vieles mehr, das einen faszinierte, zum Lächeln oder Staunen brachte.

Schnell war klar, dass sich die Hoffnung, hier käme derart viel Lesenswertes zusammen, dass man daraus ein echtes Buch würde machen können, erfüllen würde – und das sogar früher als erhofft. Schon acht Wochen nach Beginn wurden Verlage aufmerksam, doch auf Bitten von anderen, die für Weihnachten 2010 bzw. für das Frühjahr 2011 selbst eigene Bücher mit starkem Schalke-Bezug fertig haben wollten, wurde unser Buchprojekt zweimal verschoben. Auch wenn tatsächlich schließlich nur eines der beiden „kollidierenden“ Werke wirklich erschien, unseren „1904 Geschichten“ tat das Warten im Nachhinein ganz gut, denn in der Zwischenzeit kamen natürlich mehr Beiträge zusammen und als es im März schließlich soweit war und mit mehreren Verlagen über das Projekt gesprochen wurde, da konnte aus über 100 Texten ausgewählt werden – was natürlich nicht ganz leicht war.

Mit dem renommiertesten deutschen Verlag für Fußballliteratur wurde schließlich der Vertrag geschlossen, einmal wegen der guten Erfahrungen, die ich sowohl als Autor, aber auch als Leser und Rezensent, mit ihm schon gemacht hatte, andererseits, weil der Verlag es möglich machte, dass ich jedem Fan, von dem ein Text im Buch erscheinen würde, ein fertiges Exemplar überreichen können würde, ohne dass ich diese alle zum Normalpreis selbst kaufen müsste. Bei schließlich 39 Texten von 35 Autoren hätte das bei einem anderen Verlag bedeutet, dass ich neben all der Arbeit für das Buch (und das Projekt an sich) auch noch mehrere Hundert Euro hätte investieren müssen.

Die Zusammenstellung der Texte übernahm ich als Herausgeber ebenso wie das erste Lektorat, ein zweites, professionelles Lektorat übernahm ab April der Verlag (der erschreckend viele von mir übersehene Schwächen ausbügelte – Profis eben), aber auch alle anderen konnten sich weiterhin beteiligen, mit Vorschlägen zum Cover, zum Titel des Buches und natürlich nach wie vor auch mit weiteren Textbeiträgen, die es vielleicht in dieses, vielleicht ins nächste Buch schaffen würden. Letzte Ergänzungen und Änderungen fanden in den Wochen nach dem Pokalfinale statt, die Coverentwürfe des Verlags wurden von Lesern im Internet diskutiert und schließlich tatsächlich auf Wunsch der Leser auch noch einmal geändert. Mitte Juni stand das erste Layout des Buches, und zahlreiche Meinungen im Netz, wo ich regelmäßig den Status der Arbeiten meldete, führten dazu, dass entgegen der anfänglichen Pläne das Buch doch noch durch einige Illustrationen, also Fotos, Abbildungen von Eintrittskarten usw, ergänzt wurde.

Schließlich, im Juli, war alles entschieden, alles geregelt, alles fertig, und das Buch ging in die Druckerei. Sozusagen kehrte „Ruhe“ ein und es musste nur noch darauf gewartet werden, dass die komplette Auflage an den Verlag und weiter zum Buchhandel geliefert werden würde – und just an dem Tag, als sich der LKW mit den fertigen Exemplaren der „1904 Geschichten“ auf den Weg machte, kam der größte Schreck, der das Ganze noch einmal ordentlich ins Wanken brachte. In einem eben erst erschienenen anderen Buch mit Schalke-Anekdoten las ich beim Frühstück mit äußerstem Staunen einen Text, der mir sehr bekannt vorkam. Ein Text, der bei den „1904 Geschichten“ im Internet schon im Oktober online ging und der sich nun auch im tausendfach frisch gedruckten Buch der „1904 Geschichten“ fand. Nur minimal unterschied sich unser Text von dem, den ich nun in diesem anderen Buch las. Was nun?

Es brauchte ein paar Tage, einige eMails und mehrere Telefonate, dann war klar: Unsere Geschichte ist das Original, unser Buch war „sauber“ und zur Besänftigung des Schalke-Fans, dessen Text von anderen, Fremden, sozusagen „aus Versehen gefunden und ohne Genehmigung verwendet“ wurde, mussten sich Autor und Verlag des anderen Buches etwas einfallen lassen. Taten sie dann auch, und die Sache war so gütlich vom Tisch, wie es in solchen Fällen nur möglich ist.

So also erschien am 8.August unser „1904 Geschichten – Mit Schalke is wie wennze fliechs“ und hat, soweit ich das beurteilen kann, noch jedem, der’s las, sehr gut gefallen. Mir vorne weg. Von den 04 Büchern, die unter meinem Namen bisher erschienen, ist es das erste, bei dem ich als Herausgeber fungierte, es ist das, was die meiste Arbeit machte (obwohl nur ein einziger Text darin von mir ist), es ist grafisch das Schönste bisher und inhaltlich das mit dem breitesten Spektrum. Und all das ist Ergebnis dessen, dass es sich hier um ein gemeinsames Werk handelt – unser Buch eben.

Im Internet, auf der Homepage der Serie, die auch über Facebook zu erreichen ist (http://facebook.com/1904geschichten), sind mittlerweile knapp 50 Texte veröffentlicht, acht davon finden sich auch im Buch, die anderen bleiben erst einmal exklusiv auf Papier und im Netz werden stattdessen weiter nach und nach die übrigen der bisher eingesendeten 150 Beiträge veröffentlicht. Bis 1904 ist da noch ein weiter Weg, es wird also weiter gesammelt (schickt einfach eure Abenteuer, große und kleine Geschichten rund um Schalke an matthias.berghoefer@web.de) und schon werden die ersten Ideen für den nächsten Band aus der „1904 Geschichten“-Serie entwickelt. Vielleicht wird es einer mit Geschichten aus dem Europapokal. Oder ausschließlich von Auswärtsspielen. Oder was auch immer. Sicher ist nur: einen Folgeband wird es geben. Und noch viel mehr als nur diesen – es hängt nur davon ab, ob genug Geschichten zusammen kommen. Zum Mitmachen sind, wie gehabt, alle eingeladen. Mit Texten, Ideen, Kritik oder einfach mit dem Interesse an diesem kleinen Projekt und an dem, was Schalke so ausmacht. Ich freu mich drauf.
GlückAuf
matthias

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13 Antworten zu “Die Geschichte der „1904 Geschichten“

  1. …der erste Band ist mehr als klasse und ich freue mich schon jetzt auf den zweiten! Also Leute: SCHREIBEN!!!

  2. Herzlichen Glückwunsch erst einmal zum Buch & noch mehr zu der tollen Idee. Mal schauen, ob auch Fans anderer Vereine im Laufe der Jahre folgen werden. Ich werd es mir jetzt erst einmal besorgen. Viel Erfolg und auf bald!

  3. Hi Ben,
    im ersten Buch sind schon Geschichten von einem MSV-Fan (Kees Jaratz, kennste bestimmt) und einem Paulianer. Bochumer wurden bislang schmerzlich vermisst, aber das wird sich ja hoffentlich dann ändern – ich bin mal gespannt!
    GlückAuf!
    matthias

  4. Hallo Matthias,
    bald bin ich mit dem Buch durch. Nur noch wenige Geschichten.
    Und vorab kann ich sagen, dass mir gerade das „Querbeet“ sehr gut gefällt.
    Spontan bin ich also gegen einen Extra-Band Auswärtsspiele oder Europacup.
    Die Mischung macht’s, finde ich!

    Wie bereits angedroht, werde ich dann nach dem Lesen versuchen, mindestens eine tolle Geschichte elektronisch zu verfassen. 🙂

    Ich freue mich schon jetzt auf die folgenden Bände, die quasi schon bestellt sind!

    Schöne Grüße und Glückauf
    Markus

  5. @Markus: Danke fürs Feedback, ich werd mal darüber nachdenken. Bislang dachte ich, 1904 Geschichten, das ist so viel Holz, wenn das wirklich mal alles auf Papier käme, dann sind das ja 50 Bände voller Abenteuer – und da könnte es nicht schaden, neben solchen „lockeren Sammlungen“ wie Band 1 hier auch wirkliche Themenbände zu haben. Wie eben beispielsweise welche nur zu Europapokalspielen, oder einen mit Gedichten(?), einen, bei dem nur Blogger Autoren wären oder nur Spieler des FC Schalke 04, oder einen, der gar keine wahren Geschichten über Schalke enthielte sondern ausgewiesene Fiktion (sowas wie: was wäre, wenn der Merk damals pünktlich abgepfiffen hätte. Wie sieht Schalke 2104 aus. Wie war das wohl, wäre man selbst damals bei der Vereinsgründung dabei gewesen, usw), vielleicht auch mal einen, bei dem alle Geschichten von einem einzigen Autor stammen (es gibt nämlich den ein oder anderen, der super schreibt, auch viel schreibt, aber selbst vielleicht gar nicht auf die Idee käme, ein eigenes Buch daraus zu machen – da würd ich gerne helfen).
    „Europapokal“ schwebt mir auch deshalb vor, weil ich, obwohl ich einige gute gehabt hätte, tatsächlich absichtlich im ersten Band keine solche Geschichte berücksichtigt habe, außer der von Jan Schneemann, der erzählt, wie ers 97 von Schottland aus, also nicht direkt im Stadion erlebte.

  6. Ich bin kein Marktforscher, aber ich könnte mir schon vorstellen, wenn Du den Inhalt von den Themen her breiter streust, werden auch mehr Leute das Buch interessant finden.
    Nur spezielle Themen lassen vielleicht manche gar nicht erst an einen Kauf denken, weil sie sich z. B. so rein gar nicht für Auswärtsfahrten interessieren.
    So ist meine Überlegung, aber ich habe ja (zum Glück) nix zu sagen. 😉

    Schöne Grüße und Glückauf
    Markus

  7. Pingback: Das Web 0.4 liest: Königsblaue Pflichtlektüre | WEB 0.4

  8. Matthias,
    wann dürfen wir denn nun endlich mal den zweiten Band erwarten? 😉

  9. Band 1 ist gerade mal acht Wochen raus, der Verlag wird sicherlich in diesem Jahr keinen zweiten machen wollen, sondern erst nach Weihnachten schauen, ob sich das Ganze für ihn denn „rechnet“. Ist verständlich, finde ich.
    Das hieße dann, dass wohl vor Ostern bei Werkstatt auch kein zweiter Band möglich wäre. Reicht dafür die Geduld? 😉

    • Na klar reicht bis dahin die Geduld. Hier im Netz gibt’s zum Glück ja auch immer reichlich Lesestoff.
      Ostern? So früh hätte ich nicht gerechnet. Zeitnah wäre für ja auch noch Ende nächsten Jahres gewesen. Dein Werk ist ja nun keine Monatszeitschrift, sondern schon etwas wenig edler, oder? Da kann man das Volk schon mal etwas auf die Folter spannen.

      • Echt? Also ich find „Ostern“ ja schrecklich weit entfernt (und kann ja auch sein, dass es sogar noch später werden würde). Mir hätte es schon gefallen, sogar vor Weihnachten schon Band 2 zu sehen. Müsste dann halt ein anderer Verlag sein, was natürlich diverse Probleme bereitet (finden, Qualität, wie passts zu Band 1, Kosten, usw)

  10. Pingback: Parallelwelten

  11. Ich finde die Idee mit Extrabänden sehr gut. Auch die Idee mit einem Extra Bloggerband. Da ich ja selber Blogger bin. Und ich finde es sehr intressant, und das wäre auch mal was für die Öffentlichkeit. Da ja nicht alle die gleichen Beweggründe haben einen Blog zu eröffnen, aber es immer was mit Schalke ist (aber irgendwie ist es klar, dass ich einen Bloggerband gut finde (Werbung) ;-D)
    Grüße Hütte04

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