Wenn einer eine Reise tut…

„Enatz“ ist Baujahr ’65, hat selbst mal wenn nicht „hochklassig“, so doch „klassisch“ gekickt und trainiert heute Jugendmannschaften. War lange ständig mit Papa auf Schalke, nahm seinen eigenen Sohn das erste Mal mit auf Schalke, als der Drei war, und hofft, dass er ihn bald auch international dabei haben kann.

Diese Woche steht bekanntermaßen eine Europapokal-Tour nach Helsinki an, nur ein bisschen weniger weit gen Norden ging es vor sieben Jahren, als die Schalker Reisegruppe Edinburgh „eroberte“. Hier Enatz‘ ausführlich-abenteuerliche Erinnerungen an eine legendäre Tour.

Eines ganz vorweg: ES WAR GRANDIOS!!!

Relativ stressfrei fanden wir (Half Scotsman Jason M. aus Kitzingen, der bissige Schäferhund aus Unna-Billmerich Guido P., der Fußball-Groundhopper Ele B. aus Dortmund Kurl und Initiator Enatz H., ebenfalls aus Kurl) uns am Mittwoch, den 03. November 2004, um 10 nach 6 am Dortmunder Flughafen ein. Der zügige „Check in“ und das problemlose Durchqueren der Sicherheitschecks suggerierten uns aber scheinbar schon hier: „Da geht noch was, hier sind noch unnötige Zeitpuffer vorhanden!“.

7:00 Uhr Abflug in Dortmund, 07:20 Ortszeit Ankunft in London Luton (Hier weiß der kundige Kosmopolit unter Euch, dass die Uhren in Great Britain anders ticken ;-)))
Der mit äußerster Flugangst behaftete und allzeit durstige Guido P. gab sich als extrem geschmeidig, Zuversicht unter den Reisenden machte sich breit. Nicht weiter erwähnenswert, dass die als alter britischer Pub aufgepäppelte Flughafenkneipe „BAR DES VOYAGEUR“ in London um ca. 07:45 die ersten handfesten Gäste hatte.

Zwei Guinness, ein Carlsberg – große versteht sich – und ein Kaffee (hier versuchte der prinzipienbehaftete Enatz noch seine Weisheit: “Kein Bier vor zehn, sonst wird man Dich am Abend nicht verstehen“ umzusetzen) bildeten „The first order“. Als Jason M. sich auf dem Weg zur dritten Order zu machen, war auf einmal der Kaffee alle (gibt’s doch gar nicht ;-))) ) und das lustige Treiben, zu dem sich auch noch einige königsblaue Anhänger gesellten, fand seine Fortsetzung.

BIS UM CA. HALB 11!!!

Der Weiterflug nach Edinburgh war auf 11:10 Uhr terminiert, in den Stau kommen konnten wir nicht mehr, die GENAUEN EasyJet Bestimmungen hatten wir nicht gelesen, Schalker Fans waren auch noch um uns versammelt, also konnte nichts anbrennen, daher:

– Noch’n Photo…
– Noch’ne SMS…
– Noch’ne MMS, alle mal cheeeeeeeeeeeeeeeeeese…
– Noch ne Runde, wieeeeeeee nur Kleine, neeeeeee, Große solltens schon sein…
– Nochmal für Königstiger soviel Zeit muss sein…
– …„Aaaaaaaaaaaah, der erwachsene Bernd hat schon die Jacke an, bleib mal geschmeidig …!!“

Nun gut, geschmeidig gings gemeinsam Richtung „Check in“: Turin, Nizza, Rom … „…und wo bitte geht’s nach Edinburgh???“

Einfach mal die attraktive Dame am Turin Schalter fragen!!

„Ahhhha, oh yeeeeees! To the prompt Schalter?!?!?!. Of course. You are welcome …”

Am “Prompt Schalter” natürlich eine Schlange, es dauert … „Jaaaaaaaaaaaaaason, wir haben es eilig, überhol mal die Schlange und erklär dem Clerk das wir „in Hurry“ sind“
Gesagt getan!!!!!!!!

AW: „Wir können nicht mehr mitfliegen!!!“
„Wiesooooo???, SPINNNNNNNNNNNNNNNNT DER ?!?!?“
AW: „Check in Schluss ist 30 Minuten vor Abflug“
„Wieso das denn??? Die anderen Edinburgh Flieger turnen hier auch noch rum, sach dem Clerk das!!!“
AW“: Die haben auch schon eingecheckt!“
„Dann checken wir jetzt auch ein!“
AW: Das Programm ist zu!“
„Dann sach dem Clerk, er soll das Programm wieder aufmachen!“
AW: Geht nicht, wenn Programm zu, dann zu, immer ne halbe Stunde vorher!!!“
„Gibt’s doch nicht! Und getz??“
Der Bissige: „Wenn wä drauflöhnen müssen, fliech ich mit däm nächsten Bomber nach Hause, das steht fest!!!“
Jason: „Wir können den nächsten Flug nehmen!“
„Wann ist das?“
AW:“14:45“
„Quanta costa?“
AW: „Kostet nix, der bucht uns einfach um“
„Wie???“
„Will der uns jetzt auch noch verarschen ???
Aber in der Tat und Kurzum: „JAU FÜR LAU!!!“

So ein irrsinniges Glück muss man haben, sollte doch eine Online Namensänderung über http://www.easyjet.com im Vorfeld so um die 20 schlappe Öcken kosten. Und laut späterer Berichte aus Edinburgh durfte sich ein Schalker Kamerad, der mit Ryan Air ab Niederrhein gebucht hatte, geschlagene 40 Minuten durch die Panorama Scheibe des Airport seinen Flieger anschauen, bevor dieser gen Schottland abhob und für satte 130 Euro den nächsten Flug nachladen.

Also zurück in die „BAR DES VOYAGEUR“. Von der Bedienung und den vorher anwesenden Gästen feiern lassen. Ein paar Frische??? Natürlich, sehr gerne!!!!!
Mannomannomann!
Wohlwissend, dass wir „Mehr Glück als Verstand“ gehabt hatten, sind wir die ersten Fluggäste, die für den Flug 15 einchecken, die ersten, die den Sicherheitscheck vornehmen lassen und die ersten, die am Gate sitzen 😉

Nicht ganz, aber aus Schaden soll man ja bekanntlich klug werden.

Wohlbehalten landeten wir dann in Schottland, der Flug-Hypochonder Guido war die Ruhe selbst und nun war eigentlich nur noch die Frage der UEFA Cup Tickets offen aber das sollte von uns Organisationstalenten doch wohl zu regeln sein.

Mit 3½ stündiger Verspätung in Edinburgh eingetroffen, gings dann im Taxi zum legendären Hotel „Hotel Links&Bar“ ehemals „Park Bar“. Reisegruppe Herrmann checkt ein, „jawoll, sure, two Double Rooms, booked on October the 7th!!“ “I’m pleased”!!!
„Aaaaaah, not reserved!“
„Geil!!!“
„The confirmation please“
“Hotel reservation Service ????”
“mmmmmmhh, very, veryyyyyyyy tasty …”
Achtzehn Telefonate später dann doch die Zimmer. Dritter und oberster Stock ohne Lift, 1,40m Bett (eins versteht sich) pro Zimmer und wenn der zweite ins Zimmer will, der erste bitte erst wieder raus, was will man für 63, — GBP auch verlangen?
Iss ja immerhin inkl. Frühstück bzw. Full Scotish Breakfast!
Aber was ne geile Sportsbar und das direkt Parterre!
Als wir reinkamen sahen wir schon die Schilder für den CL Abend angeschlagen „Manchester United“ to the left „FC Liverpool“ to the right.
Die ersten Schalker, die am frühen abend eintrafen, fragten zunächst „Wo seid Ihr denn untergebracht? Und dann ungläubig: „..wieeeee hier??? Einfach nur die Treppe rauf bzw runter und juuuuuuuuupp?!?!?“
„Jaaaaaaaaaaa, wat meinze, wat wir draufhaben, auf dem Hinflug ist uns erst noch gerade folgendes passiert ….“ 😉

Ja, so residierten wir also allen widrigen Verkettungen der Anreise zum Trotz oberhalb der „Park Bar“ und fühlten uns geborgen in der Gewissheit, eine Kellerbar der Extraklasse vorübergehend unser Eigen nennen zu dürfen. Nun war an diesem Abend noch eine Kernfrage des Schottland Trips zu klären.

„Wie kommen wir am morgigen Spieltag ins Stadion „Murrayfield“, standen wir doch augenblicklich noch ohne Tickets da. Die Übergabe dieser in Good Old Germany war nicht mehr zustande gekommen, hatte Guido doch in S04 Zweittorwart Christopher Heimeroth einen „Lieferanten“ ausfindig gemacht, der terminlich gerade in englischen Wochen äußerst eingeschränkt ist. Diesbezüglich kamen schon aus Kitzingen im Vorfeld einige leckere SMSse von Jason aus Kitzingen:

Nr.1 „Watt iss mit die Katten. Iss dat geritzt odda gucken we inne Glotze datt Dingen?“

Nr.2 „Ja leck mich anne Fritten, wie kommen we denn ohne die Biester (Anmerkung der Redaktion: Tickets) rein in dem Stall, odda bringt Rudi uns de Dinger persönlich ? Wenn dat inne Hose geht, dann Glotze! Geil!“

Guido hatte mich nämlich am Vortag der Abreise noch telefonisch mit der „Mässätsch“ konfrontiert, er habe eine gute und eine schlechte Nachricht bezüglich der Karten. Ich war zu diesem Zeitpunkt der Meinung, der Bissige hätte die 4 Eisen bereits in der Hosentasche, wurde hier aber eines besseren belehrt.

Enatz:“ Zuerst die gute Nachricht!“
Der Bissige:“ Wir kriegen die Katten“!
Enatz: „Hääääääääääää??? Das war doch klar, die hasse doch schon ooooooder???“
Der Bissige: „Na gut, dann nur die schlechte Nachricht, wir müssen die Dinger in Edinburgh von Christopher abholen“
Enatz: „??? Na prima, der wird ja ne Menge Zeit haben, wahrscheinlich bringt er uns die Teile im Trikot ne Stunde vorm Match mal eben in den Stadionpub!“
Der Bissige: „Bleib mal geschmeidig!“ (Da war es wieder, dieses Wort, wie soll man da geschm…bleiben?)

Nun galt es also, diese „Problematik“ vor Ort in Schottland zu lösen. Zwangsläufig fühlte ich mich hier an eine meiner originären SMSse der Tourplanung an Jason erinnert: „Die Kombo steht, 4 Mann vier Ecken, schließ schon mal versicherungstechnisch das „Rundum Sorglos Paket“ ab.“

Nun sollten wir aber Guido P. aus U.-B. in einer Art und Weise herausgefordert haben, die ihn zu einer überragenden Leistung auflaufen ließ. Kurzum telefonierte er per Handy mit Christopher: „Ahhhhhha, Mannschaftshotel ginge für die Übergabe, iss gut, kannze uns anne Bar schon mal was Frisches anzapfen, hehehe“

Rückfragen ergaben allerdings, dass sich unsere Domizile jeweils am anderen Ende der City befanden, Luftlinie lockere 20 Meilen, prima. Also Stadion! Abschlusstraining war auf 17:30 gelegt, noch was Kaltes auffe Hand und ab per Taxi Richtung Stadion. Ungeklärt nur noch die Frage, wie wir dort reinkommen sollten…

Das das Abholen der Tickets zum Highlight werden würde, konnte zu diesem Zeitpunkt in der Tat niemand ahnen, hier sollte aber das Beherrschen der schottischen Muttersprache inklusive Dialekt seitens Jason und die Phrase: „We have a date with the second Goal Keeper from FC Schalke 04 because he is supposed to give us the tickets for the match tomorrow evening“ entscheidend weiterhelfen.

Ich schätze, in Deutschland wäre einem bei dieser „scheinbaren Lüge, die ja keine war“ von jedem Ordnungsdienst süffisant entgegnet worden: „Na klar, der S04 Keeper hat Eure Karten dabei, Rudi Assauer macht Euch gleich noch nen lecker Veltins fertig, Schnusenberg hat noch ne Stadionführung für Euch parat und in der anschließenden Pressekonferenz gebt Ihr 4 Helden der Nacht noch die Mannschaftsaufstellung für morgen bekannt, na siiiiiiiiiiiiiieeeeecher“

Aber nicht bei unseren schottischen Freunden!!!

Von wäääägen!!!

Zack, Sesam Öffne Dich, mit dem Taxi stilecht wie VIPS aufs Gelände, de Pfunde gelöhnt und nach Rücksprache mit dem Ordnungsdienst – kenntlich gemacht durch „Staff“ – waren wir Ruckizucki im Stadioninneren, betraten den Rasen WÄHREND DES ABSCHLUSSTRAININGS in zwei Meter Entfernung zu Stumpen-Rudi, Ebbe Sand und Co., und schauten ins weite Rund, das auf der Gästetribüne von den „Nicht-Priviligierten königsblauen Anhängern“ bevölkert wurde 😉

Sven Kmetsch und Marco van Hoogdalem grüßten uns freundlichst (KEIN WITZ, die beiden uns, nicht umgedreht) und nach dem Training kam der volksnahe Christopher zu uns, schüttelte uns lächelnd die Pranke, verlor kein Wort über unsere sicherlich nicht zu leugnende Fahne nach reichlich Pints, verschwand in der Kabine und kam mit den 4 Tickets wieder raus.

UNGLAUBLICH! UNBELIEVABLE! Ich schwör, so wars!

Guido ließ sich natürlich feiern und forderte für den Abend Freibier bis zum Umfallen und war dementsprechend im Anschluss im Hearts Pub und später in einem Innenstadt-Pub mit schottischer Live Musik mit einem Durst gesegnet, der seinesgleichen suchte. „Half Pint? Wüßt ich aber! Große, aber zackes! Habt Ihr nicht mit gerechnet, dass ich sonn Lauf kriege, habt wohl gedacht, ich mache schlapp, von wääägen!“ Ich schiebe das Ganze auf die Psychopharmaka vom morgen wegen der Flug-Panik aber sicher bin ich mir da nicht! Was EIN Mensch zu leisten imstande ist…!!!

Nach einem irrtümlichen Gang im Stockdunkeln über den Edinburgh Friedhof landeten wir schließlich „wie auch immer“ in unsere „Parkbar“ und ließen es uns bei einigen Pints dort bis zur „Last Order“ gut gehen. „Last Order“ hieß für uns (für einige von uns ;-)) übrigens ein letztes Pint und – um die Gesetze des Landes nicht zu missachten – im Anschluss daran für Jedermann eine Flasche „Wodka-Alcopop hassenichtgesehen“, hatte ja nicht gereicht und sollte dem eine oder anderen auch noch als morgendliche Erfrischung dienen … Saumüde sanken wir also am morgen des 04.November in die flauschigen Federn…

4. November 2004:

Nach einer gefühlten Stunde Schlaf – in Wirklichkeit waren es wohl knapp 5 Stunden – wurden Jason und ich von einer unsäglichen Weckermelodie unsanft geweckt. Jason hatte ein Handy und einen Reisewecker so im Zimmer 304 (304 und 308, die beiden Zimmernummern werde ich wohl niemals vergessen) derart clever auf dem Heizkörper postiert, dass man von unserem 1,40 m breiten Himmelbett (mmmmmmh) nicht herankam. Angesichts der Zimmergröße eine logistische Meisterleistung. Mein Kommentar: „Ohgottogott, ich hatte gerade noch gedacht, bis zum Früstück dauerts noch ne Weile“ wurde von meinem Zimmergenossen zwar grummelig aber dennoch mit Zustimmung bedacht. Wenige Augenblicke später wussten wir auch warum, Jason hatte zwar seine Armbanduhr , nicht aber Handy- und Wecker auf britische Zeit umgestellt.

VIELEN DANK FÜR NICHTS!!!!

An Schlaf war nun nicht mehr zu denken, also Glotze an, und kleines „Revue passieren lassen“ bzw. „Paroli laufen lassen“ des gestrigen Tages. Jeder ließ dabei erkennen, die Wissenslücken des jeweils anderen durchaus mit Fakten belegen zu wollen, wenn Ihr versteht, was ich meine ;-)))

Als wir gerade die Duschreihenfolge verkaspert hatten, klopfts aufeinmal an der Tür!!!
„Watt, wer iss da denn schon??“
Tür auf. „ACH DU SCHEISSE, der Bissige ist schon wieder unter uns!! Mit Dir ham wä ja noch gar nicht gerechnet“
Guido war die Frohnatur selbst, taufrisch und verkündete er habe nicht mehr schlafen können und wolle sich nun mit Ele dem schottischen Breakfast widmen und warum um Gotteswillen der Schotte die Klotür nicht aufmache.
„Weil ich aufm Lokus sitze!!!“
AW Guido: “Ja und ????“ (Noch irgendwer noch irgendwelche Fragen???)
Erste SMSe aus Deutschland, wie Guido denn den Flug überstanden hätte, beantwortete ich folgendermaßen: „Gut, der muss gestern so um die 25 Liter getrunken haben, neee, neee, neee!!!“
Kurz bevor wir unsere „304“ in Richtung Bar verließen, bot ich Jason folgende Wette an. „Wette, wenn wir jetzt runterkommen, sitzen die beiden Kojoten schon bei einem Pint am Frühstückstisch, watt meinze!!!“
Jason: „Könntesse wohl recht haben“
Kommen wir in unsere hufeisenförmige „Park Bar“ sitzen die beiden doch glatt „ggg“ (gutgelaunt gesittet und gemütlich) bei einer TassKaff mit Ziggaretsche und lassen sich durchs Panoramafenster die Morgensonne auf den Pelz scheinen.
„Oooooh Jason, da hab ich den beiden abba schwer unrecht getan, watt sachse getz??“
„Jaggutt, ich sachma, normal wär das ja auch nich gewesen!“
Also kurzes HALLO, Platznehmen und gucken, was denn son schottisches Frühstück zu bieten hat.
„Full scotish breakfast?“ „Sehr gerne!“

Dauert nicht lange, da kommen die beiden Goldstücke Guido und Ele an den gedeckten Frühstückstisch. Kommentare „alla Kolör“ aneinandergereiht, achtzehnmal derart am Tisch gerappelt, dass Kaffee (war eh fast nicht genießbar), Tee und sonst was verschütteten, aber egal, wenigsten die beiden haben ja vorher gemütlich gefrühstückt.
„Hömma Enatz, wer Schafseingeweide isst, der frisst auch kleine Kinder und alles andere!“
„Ja natüüüürlich!!!“, sach ich noch so und bedanke mich artig für den kleinen JuiceMilchKaffeeTee-See auf meinem Teller.
Sach ich so: „Jason, was ist denn hier das ziemlich „Spicige“ auf meinem Teller, schmeckt nicht schlecht!!“
Jason: „Na, Schafseingeweide! Gebraten mit ….“
„Stopp, stopp, genug reicht, AUSSSS!“

Na guck, hätten wir das auch geklärt. Hatten die beiden doch tatsächlich vorher die Speisekatte studiert. Gut, so einen schottischen Fachmann dabei zu haben, der ließ mich absolut im Dunkeln aber so blieben wenigstens Blutwurst und Bratwürstchen aufm Teller, Pilze, Eier und Speck waren hingegen klasse. Was Jason und mich jetzt noch verwirrte, war dieses ewige „noch 40 Minuten Ele“, „Ele, noch ne gute halbe Stunde“, „Ey Olle, gleich hammers geschafft!!!“ „Ele, dauert nich mehr lange!“
Wir beiden: „Häääää, watt hat der?“
Der Bissige:“ Mensch rafft das dochma! Wir ham vor einattttthalb Stunden nen Pint geodddat, abba dä Bar öffnet er’s um 11!“
Sach ich: „Jason, ich nehm alles wieder zurück!“

Einige Pints, ein Kicker- und zwei Billiardspiele später begaben wir (außer Ele, der sich als bekennende Zecke standhaft weigerte) uns stadionfertig und blauweißgeflaggt (Wie man spricht, ein Wort ;-))) Richtung City. Die frische Luft quer durch den Park tat gut und nach einem Zwischenstopp bei der „Royal Bank of Scotland“, einem kurzen Smalltalk mit einem uns Zuversicht zusprechenden Hibernian Fan und einem Erhaschen von Pizza Hut Bons für den kleinen Hunger am Abend marschierten wir schnurstracks und „ohne auch ja nicht zuviel von Edinburgh“ gesehen zu haben in den uns unbekannten Pub „Shakespeare“ auf EIN (Ich lach mich tot) Pint. Wir tranken Carlsberg vom Fass, nahmen mit den ersten Königsblauen Gästen Kontakt auf und schossen dank der Kamera von Ele das ein oder andere lustige Foto. Nach kurzer Zeit hatte uns der Mann an der Bar auch lieb und das „Shakespeare“ stand bereits jetzt als Satellit auch für den nächsten Tag fest.

Das Vorhaben, nicht während des ganzen Edinburgh Trips ausschließlich nach durchaus sehenswerten schottischen „Pub Interior“ Ausschau zu halten, geriet allerdings nun zunehmend in Gefahr.
„Jungens, denkt dran, wir wollten noch auf dat Kaaaazel, soll ein Super Blick über die Stadt und die Bucht sein!!!“
Antwortpalette:
„Ein kömmer noch“
„Leck mich am Aaaarsch mitte scheiß Burg“
„Bin doch hier nich auf Seitsiing“
„Weisse, wie hooooch datt iss?!?!?“
„Hier iss doch guuuuut, wo wollze denn hin?“
„Bleib doch mal geschm…..“

Nachdem letztendlich das bisschen Restvernunft doch gesiegt hatte, machten wir uns auf den beschwerlichen „Aufstieg“. Unten im Park trafen wir doch – man mag es kaum glauben – mutterseelenallein meinen direkt vor uns in Block 17 platzierten Dauerkarteninhaber Lars, uns bis dahin aufgrund seiner Trikotbeschriftung nur als „Fischer“ bekannt. Der sonst eher introvertierte Lars, der mit dem Tagesflieger aus Münster-Osnabrück(?) gekommen war und – wie sich bei unserem ersten längeren Gespräch nach unzähligen Arenaheimspielen in Edinburgh(!) herausstellte – übrigens schwer in Ordnung ist, schloss sich, von unserer Fröhlichkeit und Heiterkeit gepaart mit wilder Aufstiegsentschlossenheit angesteckt, unserem Tross an. Jeder versuchte, den beschwerlichen Weg auf seine Art und Weise zu gehen, der Bissige trieb sich durch ständiges Fluchen in Richtung meiner Adresse an, war ich es doch, der ihn aus seinem geliebten Shakespeare „gelockt“ hatte. Zu spüren bekam dieses ein ca. elfjähriger schottischer Junge, der rauchend auf einer Mauer sitzend uns den Weg zur Burg weisen wollte. „ZÜNDER AUS, SONST GIBT’S NEN SATZ HEISSER OHREN“

Endlich oben angekommen, ein herrlicher Ausblick!

Guido blickte am ersten Aussichtspunkt über die Mauer, sparte sich jeden weiteren Weg zu den anderen Aussichtspunkten und mahnte zur Eile, schließlich hatte er die Burgmeile herab den ersten Pub ausfindig gemacht und blieb wie angewurzelt in direkter Blickentfernung stehen. Immerhin bekamen wir noch ein Foto mit einem Kiltträger am Eingang der Burg zustande, angsichts von ca. 10 GBP Eintritt schenkten wir uns aber eine Besichtigung. Erzählungen eines Schalker-Fans im Flieger nach Hause zufolge hatte sich an diesem Tag vor „Edinburgh Castle“ übrigens folgender Dialog mit „Uns Manni Breuckmann“ zugetragen:
„Na Manni, schon in der Burg gewesen?“
Manni: “Neee, kostet reichlich Pfunde, da bin ich zu kniepich für!!“
„Hömma Manni, wenn ich mir Deine Klüsen so betrachte, sehn die auch nicht besser aus als meine!“
Manni: “Ja meinze, ich war gestern abend nicht vor der Tür?!?!?!“

Nun war aber auch genug der Kultur und wir machten uns auf in Richtung Guidos Eroberung, nicht ohne vorher einem schottischen Mönch für irgendein Kloster zu spenden und weitere Fotos zu schießen, während wir ein Riesenbanner „UEFA CUP 2004 Hearts of Midlothian vs. FC Schalke 04“ hielten. Groß das Gelächter, als ich hinterher anmerkte:“ Sach ma, was stand da eigentlich drauf???“ und uns die Künstler daraufhin erst die Aufschrift präsentierten.

Dann aber endlich ab ins Pub. Wouwwwwww, total heimelig, niedrige Decken mit künstlichen Kamin, hier waren wir richtig. Probleme gab es allerdings mit dem WC, hier verhinderte eine elektronische Schranke den Eintritt, zuerst musste ein vierstelliger Sicherheitscode eingegeben werden. Als der Wirt allerdings unsere ehrliche und uneigennützige Absicht erkannte, mehrer Pints zu verkonsumieren, hatte er uns – mit Ausnahme des Singens von königsblauen Vereinsliedern, hier gab es ein ständiges und störendes „Tschschschhhhhhhhhhtttt“ – in sein Herz geschlossen und gab den Code preis: „1980“. Meiner Aufforderung, diesen gefälligst in „1904“ umzuändern folgte er unverständlicherweise nicht. Glücklicherweise bekam er des Weiteren nicht mit, dass nachfolgende weibliche Gäste, die mal kurz Pi mussten und die Zahlenkombination nicht wussten, für uns tanzen sollten, wollten sie in den geistigen Besitz der „1980“ kommen.

Nachdem wir noch kurz mit Schalke Fan und schottischen Kiltträger „Wilfried 67“ aus ???, der mit Sohn und Enkel mit dem Auto über Amsterdam angereist war und in den Folgetagen noch einen Abstecher in die Highlands machen wollte über den Ausgang des Spiels philosophierten und nebenbei erfuhren, dass der auf http://www.schalke04.de prognostizierte 20:30 Anstoß für Edinburgh 19:30 Uhr bedeutet (da war es wieder, unser Zeitproblem), machten wir uns so langsam in die tiefergelegenen Pubs auf, hatten wir ja auch noch die Pizza Bons am Mann…. unser Weg ging also die Royal Mile hinab in Richtung City.

Nach knapp 10 Minuten Marsch war jedoch die Erschöpfung erneut dermaßen groß, dass von den ursprünglichen Plänen „PizzaHut“ abgesehen und die Einkehr in einen von außen äußerst einladend wirkenden Pub erwogen wurde. Gesagt; Getan. Rein ins Vergnügen.

Im Vorfeld wurde mehrfach darüber diskutiert, ob die Wirte in den Pubs Fussballfans als Gäste haben wollten, also sprich bereits im „Kommunionsanzug“ mit Trikot, Schal, Mütze und allem was dazu gehört. Hier meinte Schottland Experte Jason, dass es hier und da Probleme geben könnte aber wir hatten uns ja nun mal den ganzen Spieltag für Königsblau entschieden und bis dato keine Probleme gehabt. Vorsicht mahnte Jason aber in jedem Fall in puncto „Lautstarkes Singen“ zumindest beim Betreten eines Pub an. Das musste unser Mitstreiter Guido mal wieder überhört haben, drehten sich doch alle Gäste inklusive Wirt um als ein lautstarkes Gegröle „Oh, when the Hearts, go marching in, oh, when the heaaaaaaaaaaaaaaaarts go maaaaaarching in, oh, when…“ aus dem Eingangsbereich zu Ihnen drang.

Ich bemerkte, wie der Wirt, der weniger einladend als sein Pub war, Guido mit ernstestestestester Miene von oben bis unten musterte, dabei bewegten sich seine Augen ähnlich bei Karl Dall unterschiedlich auf und nieder.

„Sir, 4 Pints please, two Guiness and two Carlsberg“
AW: “No, not for you!!!”
“Why not”
AW: “Because of him” (seine Blicke richteten sich eindeutig auf den Bissigen).
„Oh, sorry, he’ll be quiet now, he is no problem“
“NO! No beer for you guys!”
“Daaaaaaaaaaaaaaaaaaaaanke Guido!!!”
“Daaaaaaaaanke mal wieder für nichts!!!”
Guido: „WASSSSSSSS, der will uns kein Bier geben?!?!? SPINNT DER?!?!? Nur wegen son bisschen Gesinge, der kriegt gleich ein vorm Kapps gekloppt, singen doch alle hier! Mensch heut is Fußball, was glaubt der eigentlich, wer der is? Kann von Glück sagen, das ich ihm nicht gleich einen vors Mett haue!“
Jason: “Natürlich, Du haust den ältesten Wirt von Edinburgh einen vorn Zappadäus und wir sehen die restliche Zeit keinen einzigen Pint mehr in der ganzen City!!!“

Kurzum befanden wir uns also wieder auf der Strasse, kein Problem, wie sich unmittelbar herausstellen sollte, befanden wir uns in direkter Nähe des „Grassmarket“, eines beliebten Kneipenviertels von Edinburgh. Also nahezu auf Zehenspitzen rein in den nächsten Augenschmeichler und schwuuups, saßen wir bei 4 Pints in gemütlicher Runde. So gemütlich, dass „PizzaHut“ kurzfristig verworfen und britishlike 2 x „Fish and Chips“ sowie 2 x „Chili Burger“ mit allem Drumunddran geordert wurden. Schon kurz danach waren wir wieder zu fünft, nachdem sich im „1980“ „Fischer“ abgeseilt hatte, sollte bis zum Spiel ein schottischer Groundhopper unser ständiger Begleiter sein.

So um sechs Uhr Ortszeit gings dann mit uns Fünfen ins Taxi Richtung „Murrayfield“ um in einem direkt am Stadion gelegenen rappelvollen Hotelpub zu landen. Hier trafen nun also erstmals für uns die „feindlichen“ Fangruppen aufeinander, völlig friedlich versteht sich. Es dauerte sich nicht lange, und wir heizten im Hotelflur den ersten Sangesstreit an. Die Schotten hörten uns freundlich zu, um dann ebenfalls lautstark Contra zu geben.

Da wir ja die Schotten gemeinhin als „respektvolle“ und absolut faire Sportsmänner in Erinnerung hatten, mit denen man außer beim Feiern nicht aneinandergeraten kann, wollte ich mich gerade anerkennend verneigen, als ich im Augenwinkel erkannte, dass der Hauptsänger der Hearts seinen Zeige- und Mittelfinger in Erinnerung des am 20. April 1889 in Braunau am Inn Geborenen unter die Nase hielt und dabei mit der anderen Hand auf Gemächthöhe Bewegungen der Art „Fünf gegen Willi“, „Schneuz mir den Kasper“, und „Schüttel mir die Palme“ machte. (Anmerkung: Die einzige schottische Entgleisung, die wir in drei Tagen erlebt haben!)

Wir straften die Schotten mit Nichtbeachtung und widmeten uns wieder dem Kneipenbereich, wobei Guido zumindest noch kurz bemerkte, „sich dieses Gesicht gemerkt zu haben“. Inzwischen hatten wir übrigens auch festgestellt, dass wir im „Grassmarket Pub“ Eles Kamera vergessen hatten, eine Sache, die uns und insbesondere Ele zutiefst verärgerte und seine Stimmung deutlich sinken ließ. Hier hatte ich übrigens noch deutlich Sandras (Eles Sandra, die uns dankenswerter Weise zum Flughafen brachte) berechtigte Worte im Ohr, als wir die Kamera am Mittwoch morgen um sechs Uhr bei Ihren Eltern abholten: „Ele, paß bitte auf und verlier die nicht, die macht Klasse Bilder“. Warum Sandra nur so an Ihrem Gatten zweifelte, tse, tse, tse! ;-)))

Die Geschichte des Spiels ist ja gemeinhin bekannt: 1:0 gewonnen, guter Support, fast durchgesungen, gejubelt wie Sau, in der Halbzeit verabschiedete sich Guido Richtung des stimmungsmäßigen Epizentrums mit den Worten „Ich geh getz in Mopp“ und zudem trafen wir Guidos und Jasons Bekannten aus Kaiserauer Tagen (Willi?), der mir den HotDog nicht empfehlen konnte und – was mich doch emotional sehr berührte – in Zeiten höchster Schalker Finanznot – sein komplettes Taschengeld in Höhe von 10,– DM monatlich dem S04 zukommen ließ!

Ich hingegen traf doch tatsächlich nach fast 10 Jahren meinen Gelsenkirchener Schalke Spezi Wolfgang wieder, mit dem ich „anno 95“ am IDB des Technologiezentrums die SAP Weihen erlangte, Wiedersehen in der Arena vorprogrammiert.

Nach den freudigen 90 Minuten und nachdem Guido zumindest Teile der Mannschaft abgeklatscht hatte, machten wir uns wieder auf in Richtung Hotelpub, der Bissige hatte hier auch die Hoffnung, den despektierlichen schottischen Sänger zu treffen, vergaß aber leider beim Eintreten in den Hotelbereich an der „Staff“ vorbei, sein lautstarkes „oh, when the Hearts, gooooooo marching …“ einzustellen, was uns einen Verweis: „ No singing in the hotel area!“ einbrachte.
Meinem: „ Guuuuuuiiiiiiiiiiiiiiiiido, waaaaaaaaaarum immer Duuuuu???“ wurde ein „Weisse Enatz, alle singen hier und ICH werd mal wieder angemacht!“ erwidert, vermischt mit der Aufforderung (Na? Was kommt jetzt wohl? Riiiiiiiiiiiiiiichtiiiiiiiig) doch bitte GESCHMEIDIG zu bleiben!

So versuchten wir also, den Pub von Mittwochabend zu finden, noch war uns die Orientierung ja nicht abhanden gekommen. Kurz vor dem (wie sich im Nachhinein herausstellte) Ziel, stach uns ein mit beiden Fangruppen proppevoller Pub direkt ins Auge.
Hiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiineiiiiiiiiiiiiiiin!!!
Nach der ersten Oder und knapp 5 weiteren Minuten, hatte man aus dem Bissigen einen Hearts Fan gemacht, kein Blau mehr, nur noch rot. Jason, der am Vortag noch bemängelte, von seinen Wechsel- und Tauschverlusten mit Guido würden andere bequem 2 Wochen Sommerurlaub machen, hatte dem Bissigen noch ein altes S04 Trikot zum Tauschen gegeben und dieser doch tatsächlich einen Schal dafür ergattert.

Zitat Jason: „Ker, ker, ker, wennze den Bissigen ans Ruder lässt, gehsse inne Unterbuxe nach Hause und hast im Gegenzuch ne Hearts Anstecknadel durche Brustwarze gezogen, neeee, nee, nee“ Guido hingegen staubte allerdings ein nagelneues Hearts Trikot ab, opfern musste er allerdings dafür den Schal seines Sohnes Lukas. Erwähnenswert noch, dass der schottische Fan – nachdem er ein Frisches mit uns genommen hatte und beteuerte, die S04 Utensilien in Ehre zu tragen – bei der Rückkehr zu seinen Kollegen sich vor ernsthafte Probleme gestellt sah. Scheinbar ob seines Farbenwandels beleidigt, wollte der Rest ihn des Königsblau entledigen, aber da hatte die Truppe die Rechnung ohne den „NewSchalker“ gemacht. Ja heiliges Blechle!!! Ab über Tisch und Bänke, ein Getümmel ohne Ende, Vorne Raus, Hinten wieder Rein und hassenichtgesehen, Staff von links und rechts, rein inne Kartoffeln, raus ausse Kartoffeln. Unsern schottischen Freund haben wir anschließend leider nicht mehr wieder gesehen, hätte gerne noch sein heldenhaftes Verhalten gerühmt aber in dem Wirwarr ist er irgendwie gegangen worden ;-(

Nachdem wir noch ne Weile mit zwei „Scottish Good Guys“ verbrachten und Guido sich unsäglich darüber erregte, an dem Gespräch nicht in gewohnter Weise teilnehmen zu können („Der Jason geht mir aufn Sack mit seinem „ch, ch, ch“, versteh kein Wort“) machten wir uns erneut per Taxi zurück ins Kneipenviertel „Grassmarket“. Dem Taxi entstiegen hatte ich eine Eingebung und wanderte irgendwie in Richtung „Pub of the afternoon“ wo der gute Ele seine Kamera vergessen hatte und darüber auch aufgrund bereits gemachter Fotos und verpasster Stadionfotos todtraurig war. Im Hinterstübchen hatte ich noch die Worte unseres schottischen Freundes vom Nachmittag, dass in Schottland Gegenstände, die einem nicht gehören nur sehr, sehr selten mitgenommen werden: „Scottish people are honest people“. Leider war aber in besagtem Pub schon „Last Order Time“ und ich durfte nicht mehr hinein, versuchte allerdings, dem gutgebauten Kollegen „in front of the Door“ mein Ansinnen kundzutun. Schlankes Palaver, palim, palim, zwei Hühner, eine Gänse hatte ich – wie auch immer – de Knippskiste inne Hand!

Problem war jetzt nur. „Wo waren de Kollägens hin???“
Einfach mal auf Verdacht PimalDaumen die Strasse rauf und schon kommt der Zopfträger Jason aus som Schuppen raus und ruft: „Kär komm rein Du Kamäl, hier simmer!!!“ Die Jungs: “Ker wo warssse denn, Mannomannomann???“ Noch kurz auf Zeit gespielt und dann war Beschääääärung für Ele, der mir versicherte: „Enatz, das vergess ich Dir nieeeeeeeee!!!“

Hier meinte ich nun ob des Tagewerkes meinen ersten schottischen Whiskey nehmen zu dürfen und so feierten wir bis zur dritten oder wievielten „Last Order“ auch immer in großer königsblauer Runde. Vorher machte das Gerücht die Runde, von nun an kommt man nur noch im adretten Outfit in die Pubs, also ohne Trikot, Schal, Kappe etc. Diesen Standpunkt vertraten auch zwei junge Schotten, die mit ihren trötenartigen Zigaretten einen seltsam süßlichen Geruch an unserem Kneipentisch erzeugten, wenn ihr versteht, was ich meine. Als ich Guido mit dieser Tatsache „Adrettes Outfit“ konfrontierte, kam es seinerseits zu erheblichen Protesten
„Guck ma in Spiegel, Du siehst doch nich besser aus! Du, Ele und Jason haben außerdem auch noch nen Trikot an!“
Ich: „??? Ja, datt wissen wir, sei nich gleich widda eingeschnappt, war ja auch auf alle gemünzt, keine Paaaniiiiiiiiik! Trikots unters Sweatshirt und dann werden die feinen Herren mal in den Salon spazieren!!!“

So weit sollte es allerdings dann überraschenderweise nicht mehr kommen. Nachdem wir mit den beiden Schotten durch einige Straßen recht ausladend geschlendert waren, tauchte urplötzlich sonne Stehpizzeria vor unseren Augen auf.

UND WIR HATTEN NEN HUNGER!!!!!!!

Die zugedröhnten Schotten hatten damit aber nix im Sinn und schon waren wir wieder das altbekannte Quartett. Die Pizza war erstklassig, der Scharfmacher (rotes Chili Pulver) hatte seinen Namen verdient und ich erlaubte mir doch tatsächlich unter dem höhnischen Beifall „vonne Kollägens“, die gleiche Pizza in klein nachzuordern. Just in diesem Moment betrat ein männliches Duo „dä Pizzabude“, wobei ich mich nur noch vage an EINE langhaarige Erscheinung erinnern kann. Ele fragte diesen, als ihm irgendein deutscher Wortfetzen an den Lauscher geraten war:
„Hömma, abbeitess Du hier in Schottland?“
AW: „Neeee, wieeeeesooo? Ich komm aus Gelsenkirchen und bin hier auf Schalke Tour!“
Ele: „Und warum hasse dann Abbeitsklamotten an?“
AW: „ Wieeesoooo? Neee! Lauf immer so rum!“
Ele: „Ahaaa, watt machse denn beruflich, dasse hier im Blaumann rummaschiers?“
AW: „Bin Sozialarbeiter“
Jaaaaaaa, daaaa wurd ich aber hellewach und wich blitzartig von meine Mafiatorte zurück! Ich sach: „So richtig mit Diplom und allem Schnickschnack?“
„Jau!“, sachter.
„Dann bisse hier genau richtig, wir ham hier nen geeigneten Kandidaten für Dich, biss ab getz als ständige Begleitung angaschiert, da isser!“
GELÄCHTER!
Der „Kanditat“ saß friedlich am Schaufenster und hatte sich zwischenzeitlich über Teile meiner zweiten Pizza hergemacht als er sich mit eben jenem Studierten in unmittelbarer Nachbarschaft quasi konfrontiert sah. Der Studierte philosophierte ein wenig und ich glaube auch, aus seinem Munde die Namen Hegel, Tucholsky, Kant und Nietzsche gehört zu haben;-) Doch ich glaube, mit seinen wie auch immer gearteten Aussagen hatte der Soziologe nicht den Zeitgeist unseres Guidos getroffen, irgendwie stimmte die Chemie zwischen den Beiden nicht, was Guido übrigens auch kurz drauf deutlich zum Ausdruck bringen sollte.

Als ich schon dachte: „Gleich fragt der Bissige ihn, ob ER KLUGSCHEISSER wünsche, dass sein Esszimmer gerade gerückt werde und ob er irgendwelche Kunststückchen könne, die er selbst nicht könne!“ verließ Guido unaufgefordert das Etablissement. Wie sich mir anschließend zutrug, trat Guido zu den beiden anderen Protagonisten des Abends Ele und Jason, die sich bereits vor der Pizzeria postiert hatten und entledigte sich in Nullkommanix einer „ansehnlichen Brosche“, die knapp neben Eles Schorken landete. Jasons erhebliche Proteste wurden gewohnt galant gekontert: „Aaaaaaaaaaah, der eeeeeeerwachsene Jason! Watt glaubsse eigentlich? Meinnze nur, weil Du schottisches Blut in Deinen Adern hast, ist das hier alles Naturschutzgebiet?!?!“

Zwischenzeitlich hatte ich im Innern der Boxbude (Exkurs und Anmerkung Boxbude: Für Eingeweihte in Anlehnung an die legendäre Pizzeria „Mamma Mia“ in DO-Husen anno 90, als der Bürgermeister Peter „Moffett“ Marker beim Deeskalationsversuch zwischen der ‚Schmidt Bande’ sowie der ‚Paap/Herrmann Konnäktschän’ wie von Geisterhand getroffen der Länge nach hinschlug, da er seine 6-wöchige Diät und Alkoholabstinenz durch das zügige Trinken von 2 Flaschen Sekt mit der Damen Mannschaft des SC Husen-Kurl plus etlicher Bierchen unter gütiger Mithilfe der Golden VIP Karte beim ERC Westfalen unterbrochen hatte) die Pizza fast besiegt und stand noch im Dialog mit dem Sozialarbeiter, als sich aus heiterem Himmel der Bissige am Schaufenster das Trikot hochzog und seine nackten Brust am Glase rieb!!!

„?????????????????????????????“

Folgende professionelle Schnellanalyse meines in derartigen Dingen scheinbar erfahrenen Gesprächspartners: „DAS IST SEINE REAKTION AUF MEINE AKTION!!!!“

Ich war begeistert.

Ne halbe Stunde später – der Pizzabäcker hatte seine drei Kreuzzeichen längst gemacht – fuhren wir gewohnt stilecht mit dem Oldtimer Taxi vorm „Links“ vor. Wir rieben uns verwundert die entzündeten Augen, erstrahlte die Bar doch in hellstem Lichterschein und von draußen erblickten wir bereits königsblaue Freunde rund um den Tresen geschart. Wie wir später erfuhren, hatte unser Hotel die Lizenz, an Spieltagen bis 3 Uhr auszuschenken, einfach grossartig, We were very amused! Es folgte der triumphale Einmarsch: „Oh, when the Hearts, go marching in, oooooooooooohhhhhh when the heaaaaaaaaaaaaarts gooooooooo maaaaaaaaarching in …!!!“ 😉

Ein grosses Hallo erwartete uns von den sich noch tapfer am Tresen klammernden Gästen und schnell wurde was Frisches bestellt:
„Jason! Kleine?“
„Neee Enatz, mach bloooß große, wer weiß, wann Last Order iss!“
Also vier Pints bestellt.

Wie sich später herausstellen sollte, waren die Augen hier mal wieder eindeutig größer als der Mund, Kleine hättens auch getan, schaffte doch keiner von uns auch nur die Hälfte der Ladung. Trotzdem noch netter Smalltalk mit zwei Schalkern aus Hannover und Gelsenkirchen, bis sich zunächst der Bissige, dann Ele und danach Jason verabschiedeten. Als ich kurz darauf Ele „sich schüttelnd vor Lachen“ in die Bar zurückkommen sah, dachte ich zunächst an eine Fata Morgana, hatte er sich doch in einer höchst instabilen körperlichen Konstitution verabschiedet. Abba Neeee, er waaaars! Höchstpersönlich und watt hatte er nen Spässken! Ele bat uns inständig, doch mit in die dritte Etage zu kommen, der Weg würde sich allemale lohnen.

UND ER HATTE VERDAMMT NOCHMAL RECHT!

Lag doch direkt vor der dreihundertvier mitten im Flur lang gestreckt der Bissige – diesmal eher ein Abbild eines zahnlosen Tigers – und schlummerte friedlich. Fehlte jetzt nur noch, dass einer aus der 303 am Schlafwandeln ist, der wäre direktamente über die Balustrade die Treppe runter geschossen.

Was war geschehen?

Guido, der ja löblicherweise seit Menschengedenken die Begabung besitzt, rechtzeitig in seinen Körper hineinzuhorchen und sich deshalb früh aus unserer Mitte entfernte, hatte – an der Zimmertür angelangt – scheinbar vor dem Hochsicherheitssystem des „Links Hotel“ resigniert. Hier galt es nämlich, eine Karte in einen Schlitz zu stecken, kurz abzuwarten, die Karte wieder herauszuziehen und bei Aufleuchten eines grünen Lämpchens die Klinke zu betätigen …

ALSO ICH BITTE EUCH!!! Um diese Uhrzeit!

Unter Kollegen schlachtet man aber bekanntermaßen und völlig natürlich so eine Situation nicht weiter aus! Isss meine Meinung. Ihr kennt das ja alle 😉 Da werden ein paar Schnappschüsse wie bei den Großwildjägern – triumphierend über der Beute thronend – inne afrikanischen Kalahari abgelichtet und gut iss, heheheheeee…

Nur schade, das Jason schon „seeelich inner Schatulle“ lag, und der zweite Schalker vor dem Treppenaufstieg kapitulierte, die hätten sich das Schauspiel sicher auch gern reingepfiffen und nur deshalb ham wir auch das Spektakel uneigennützig für die Nachwelt dokumentiert.

Damit hatte auch schon der Spieltag im Großen und Ganzen sein jähes Ende gefunden, Ele blieb sofort oben, ich mit dem Schalker noch kurz inner Bar am Pint genippt und ab inne Kemenate. Wer jetzt glaubt, der Trip hätte nun mit dem Erreichen des Abreisetages seinen verdienten Abschluss gefunden, sehe sich im Folgenden deutlich eines besseren belehrt…

Edinburgh: 05. November 2004

Der Morgen begann mit der unsäglichen Weckermelodie, diesmal allerdings immerhin um eine Stunde zeitversetzt. Mir gings gar nicht gut 😦

Was folgte war ein mehrmaliger Wechsel zwischen Bett und WC, immer wieder unterbrochen durch den hilflos wirkenden Versuch, die Tasche zu packen. Gleichzeitig lief die Glotze. Jason, der erstaunlich souverän wirkte, verabschiedete sich gegen 10 Uhr Richtung Bar zum Frühstück, versehen mit der Bitte, mir Tee, Marmelade und ein oder zwei Toast zu ordern. Ich selbst blieb noch auf dem Zimmer, da ich mit meinem Körper noch nicht im Reinen war.

Punkt „ten o’clock“ erschien ich dann auch im Links, keine Spur von Zimmer 304. Der fürsorgliche Jason hatte dankenswerterweise bereits mein Frühstück organisiert, als die immer nette Bedienung meine Bestellung aufnehmen wollte:

„Full Scotish Breakfast?“
„Ich: „NO, NO, NO!!!, Thank you!“
Sie (zu Jason): „Whats about him? Hang over?!?!?“
Jason: „YES, OF COURSE!“

Irgendwann so gegen halb elf kam dann der Bissige und bedankte sich artig dafür, dass wir „304“ nicht geweckt hatten. Wir zeigten uns sehr erstaunt, hatten die beiden am Vortag doch schon um neun gefrühstückt, frei nach dem Motto „Früher Vogel fängt den Wurm!“ 😉

Guido wirkte aber in der Tat quietschfidel, Respekt. Von der Kalahari Nummer der Nacht erwähnter er kein Wort. Nicht unerwähnt möchte ich an dieser Stelle die Tatsache lassen, dass mich der Koch des Hauses noch in eine Situation brachte, die ich meinem ärgsten Feind nicht wünsche. Als sich erneut mein Körper meldete und ich die „Links Toilette“ heimsuchte – im Vorraum streichelte noch ein Duft, eine Nuance aus Lavendel und Rosmarin, meine Nase – ließ er mich in seiner schwarz-weiß karierten Kluft freundlich grinsend auf dem Weg zur Keramik in eine WAND laufen, die seinesgleichen suchte. Nur um Haaresbreite konnte ich es vermeiden, dass sich mein Innerstes nach Außen kehrte und ich stürzte in die Bar zurück.

Um kurz nach Elf waren dann die „304“ und „308“ geräumt, die Rechnung bezahlt und wir saßen mit unseren Taschen an der Bar und planten die letzten Stunden in Schottland – natürlich nicht ohne uns nochmals den Vortag genüsslich in Erinnerung zu bringen. Diese Planung lief bei den ersten Bierchen eigentlich schon wieder wie geschmiert.

16:10 Uhr ging der Flieger, also mussten ca. 2 ½ Stunden Edinburgh locker drinsitzen.

Wir entschlossen uns die Taschen im Hotel zu lassen und spazierten schnurstracks Richtung City Edinburgh. Nach gut 10 Minuten – Oh Wunder – tauchte das „Shakespeare“ vor uns auf. Jason und ich wollten auf alle Fälle noch ein wenig von der Stadt sehen und zudem das ein oder andere Souvenir für die Daheimgebliebenen besorgen, unser Ziel war also Royal Mile and Princess Street.

Bei Guido und Ele war der Wille ähnlich gelagert aber das Fleisch lief ohne Umweg frontal ins … Riiiiiiiiiiiiiiiichtig: „Shakespeare“!!! So verschwand Jason noch kurz für kleine Jungs und die beiden Durstigen für etwas länger.

In diversen Sport Shops stöberten wir nach Hearts Fan-Artikeln, an den avisierten Schal war aber partout nicht zu kommen. Letztendlich kamen wir gegen 14:00 Uhr mit 2 Scotland Trikots, 1 Schottland Tasse, 1 Trikotsatz Scotland Junior (für Lino) und nicht zu vergessen 2 „Jimmy Heads“ (das sind diese geilen Schottenmützen mit angeklebter Perrücke) wieder im Shakespeare an, der Kauf eines Kilts scheiterte voraussichtlich und Gott sei Dank am zu geringen Alkoholkonsum.

Beim Einmarsch ins Shakespeare wollten wir schnell die Jimmys aufsetzen, kurzer Blick und zu unserem Erstaunen… KEINER DA!
Ja wo laufen se denn?
Kurz drauf informierte uns unser Freund an der Bar: „Your friends are just around the corner looking for some gifts.“

Na ja, war ja erst 2 Uhr, also schnell 2 Half Pints bestellt, warten mussten wir ja eh. Beim Anzapfen des „Budweisers“ dann die Feststellung: Fass ist alle! Anmerkung Jason: “Sollte uns ja wohl nicht wundern, watt glaubse, was die beiden Kranken hier die letzten zwei Stunden weggeputzt haben!“ Tuborg tat es auch und so warteten wir doch zugegebenermaßen etwas ungeduldig auf die Wiederkehr von Ele und Guido. Tatsächlich platzten die beiden Helden dann kurz drauf in gemütliche Innere, der eine im neue Celtic-Trikot gehüllt, der eine ein 128er Hearts Trikot für Sohnemann Lukas inner Kralle. Meine beiden Jimmy Heads (der erwachsene Jason wollte son Eisen nicht aufsetzen) sorgten für sichtbare Erheiterung, ruckzuck hatte Ele mir einen abgequatscht. Eine Runde Pints (Kleine waren mal wieder alle) später dann aber doch wacker gefragt nach nem Taxi, die Uhr tickte unaufhörlich gen Abflugtermin, einen zweiten Reinfall konnten und wollten wir uns nicht erlauben 😉

Große Anerkennung übrigens gegenüber unserem Freund Zapfhahn. Er kam um den Tresen herum, schüttelte jedem die Hand und wünschte uns einen guten Weg, Hut ab! Good bye und ab zum Taxistand. Rein inne Kutsche und dem Driver erst mal den Ablauf erklärt. Ab zum Links, unser Fahrer wartete mit laufendem Motor wie beim Banküberfall vorm Eingang. Ab in „Floor 2“ zu unserem Gepäck und „Ach Du Scheiße“ unsere Brocken wech. Ja nu gings aber wieder los. Ab zur Bar und ruckizucki unserem Spezi erklärt, das wir mal wieder ein wenig „in hurry“ sind. Unsere Sachen waren zwischenzeitlich in Sicherheit gebracht worden, irgendwie war dann aber auch noch der Schlüssel nicht aufzutreiben.
„Nightmare!“
Nun abba!
Die Hotelmanagerin hatte sich wohl ins „Private“ zurückgezogen, öffnete dann aber doch nach einer freundlichen Anfrage das Türchen und wir nahmen erleichtert die Sachen entgegen. Kurz noch der ganzen Belegschaft „Au revoir“ gesagt und ab in unser wartendes Taxi.

„Hömma, mein Freund, watt brauchse bis zum Airport?“ Schaffse das inne halbe Stunde, gibt’s nen paar Pounds extra, you understand?“

„Thirty-five minutes and twenty GBP later“ waren wir doch in der Tat pünktlich wie die Maurer am „Edinburgh Airport“, der Freitagfeierabendwochenendverkehr konnte uns nicht aufhalten, kurzzeitige Orientierungsprobleme bereitete uns nur der Bissige, der sich in der Enge des Wageninneren cirka 10 geschlagene Minuten um-, aus- oder sonst was zog, was ein Beschlagen sämtlicher Fensterscheiben zur Folge hatte.

Trotzdem viertel nach drei, wer sagts denn. Zwar ne Riesenschlange an den easyJet Schaltern, aber 50 Minuten vor dem Abflug, wer wollte uns jetzt noch aufhalten? Tatsächlich lief alles glatt wie ein Kinderpopo und auch den überlaufenen Sicherheitscheck schafften wir mit links. Eine halbe Stunde Verspätung tat ihr übriges und so hob unser Quartett mit Flug „EZY0022“ völlig entspannt von der Startbahn ab.

An Bord spendierte Ele sichtlich gelöst ne Runde Heineken Dosenbier für schlappe 20 Euro („da sage noch mal einer Billigflieger!“), kam ihn teurer als der ganze Flug zu stehen. In fluffiger Runde freuten wir uns nun diebisch auf unsere „BAR DES VOYAGEUR“ in London Luton Airport. Ne gute Stunde und eine hoppelige Landung später, es muss so um 17:45 gewesen sein, war es wieder soweit und wir standen Auge in Auge mit der legendären Voyageur. Der geübte Vielflieger hingegen lässt sich allerdings durch derartige Versuchungen nicht aus der Reserve locken. Also: EINCHECKEN!!! war angesagt.

Geduldig wie ein Schaukelpferd ließen wir die Wartezeit am Schalter über uns ergehen und endlich gegen 18:00 Uhr saßen wir in unserer geliebten Herberge, diesmal – aus Schaden wird man klug – in direkter Nähe zu einem der Screens, die einem je nach Flug die Check-In-, Proceed to Departure-, Boarding-, Gate-Closed- und sonstigen Zeiten avisierten.

Erstmal – ja genau – vier Pints geordert, Essen bestellt, Jimmy Heads aufgesetzt, Fotos geschossen, GeSMSt, all die Dinge, die man in so einer guten „half an hour“ so erledigt. Guido unterhielt derweil auch wieder eine Schar von Schalke Fans. und gab die Geschichte des unglücklichen Schalkers zum Besten, der seinen Ryan Air Bomber gen Schottland verpasste und 130 Öcken nachzahlen durfte, wir hingegen…;-)

EINE LUSTIGE RUNDE.

Als bei unserem Flug „EZY4958 London/LTN-DTM“ das Check-In Zeichen auf Rot schaltete, feierten wir uns mit einer zweiten Runde Pints. Lässig konferierten wir nochmals über unseren Faux Paux des Hinfluges, als unser „Please Proceed to departure“ von Grün auf Orange umschlug. Ja nu abba!

Wacker runtergespült die Lauge, Zahlemann und Söhne, Arividerci Luton und auf zum Sicherheitscheck. Der Bissige: „Ich muss noch was für Lilli (Anmerkung der Redaktion: Sein Töchterlein) kaufen, schließlich habe ich Lukas ein Hearts Trikot gekauft“
Ich: „??? Mach das im Flieger, wir haben nur noch ne knappe halbe Stunde!“
Der Bissige: „Klar, weisse was das da kostet!?!?!“
Kommen wir um die Ecke zum Checkpoint: „Uuuuuuuuuuups, ganz schöne Schlange hier!“
Erstmal Lockerheit vortäuschen. Jacke aus, Portemonnaie, Handy und Schlüssel ins Kistchen, ab durchs „Piep-doch-mal-Gate“ und gute 5 Minuten später hatten wirs schon geschafft, Joppe wieder an und getz abber ab zum Gate, verblieben doch noch fast geschlagene zwanzig Minuten.

Guido: “Da isss doch schon son Schopppp, siehssse?!?!? Ich geh mal ebend!“
Ich: „????????????????“
Dann : „Jason, Du kannst getz machen watte willz, ich geh zum Gate“
Jason: „Jau, ich kommmit“
Ele stand in einigen Metern Abstand vorm Shop und ließ sich nichts anmerken, also zackes los. Und was zoooooooooooooooog sich das! Boutiquen, Bars, Tabakladen, Zeitschriften, Gate ???-???, nur „Gate 15“ nicht in Aussicht, 300m geradeaus, durch einen Sitzbereich, Treppe rechts rauf, noch ne Treppe, weiter nen neuen Gang entlang, „gibt’s doch gar nicht!“
Jason: „Enatz, ich muss unbedingt schiffen, meinnze datt klappt noch?“
Ich: „Nein“
Nur ein knappes „NEIN“, erinnere ich mich noch heute, langsam vermehrte sich mein ungutes Gefühl und die Kehle zog sich ein wenig zu, eine Vorahnung?
Jetzt ging es auch noch wieder ne Treppe runter, rechts ein Gate und dann liiiiiiinks: Die 15!!! ENDLICH!!!
Passport und Boarding Card auf den Tresen geknallt, wo zwei nette Damen uns soufflierten: „ You are very lucky!“
Wir : „Oooooooooch, yeeees?“
Zwei nette Damen: „Yes, next time a little bit earlier please!“
Jason: „Two friends of us are still coming“
Zwei nette Damen: „Hmmmmmmmmmmmmmmmmmhhh“
Dieses Hmmmmmmmmmmmmmmmmmhhh hörte sich gar nicht gut an, uns hingegen wies man an, zum Flieger zu stratzen.
Treppe vorne am Cockpit geentert, ziemlich voll der Bomber (Harry: hier bist ausdrücklich nicht DU gemeint ;-), wacker zwei Plätze mittig in Flugrichtung links besetzt und DURCHATMEN.

Circa ein Drittel der Insassen waren S04 Fans auf dem Heimpflug und schon haute uns ein Königsblauer aus der Reihe hinter uns an: „Hömma, wo sind denn die Kollägen von Euch, Ihr seid doch die Truppe, die auf dem Hinflug…!“
Jason/Enatz: „Wir hoffen, die kommen noch!“
Königsblauer: Wieeeeee? Ihr hofft? Kann doch nicht wahr sein!“
Wir: “Nee, nee, sind unterwegs!“

Der gequält lächelnde Jason, dem das Pipi inzwischen aus dem Augen lief, versuchte zwischenzeitlich der Stewardess die Zusage abzugewinnen, das WC aufsuchen zu dürfen, welches ihm – ebenfalls mit einem Lächeln – negativ beschieden wurde.
Während dieses (die Stewardess und mich)erheiternden Dialogs erhasche ich einen Blick aus dem EasyJet Flieger.

!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
??????????????????????????????????????
Neeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeee, nnnnnne?!?!?!?!?

Sehe ich doch glatt live und mit eigenen Augen, wie so ein Monteur die Flugzeugtreppe losschraubt und das Dingen nach hinten fährt! Ohhhhhmannnomann!!!

Ich: „Jason!“
Jason: „Ja?“
Ich: „Wenn der Guido getz noch innen Bombba will, musser dä Malerleiter mitbringen!“
Jason: „Nein!“
Ich: „DOCH!“

Der Ehrlichkeit halber muss ich gestehen, dass sich auf Jasons (trotz Schmerzen bezüglich verzweifelten Versuchs der Vermeidung von Inkontinenz) und meinem Gesicht ein Hauch eines Lächelns abzeichnete, nicht zuletzt, da die Königsblauen ums uns herum den erneuten Faux Paux lautstark im Flieger rumposaunten.

Auf derselben Zeitschiene hatte sich währenddessen folgende Parallelgeschichte ereignet: Der Bissige war im Shop auf der Suche nach einem Geschenk für Töchterchen Lilly fündig geworden und trug stolz einen elektrischen Hund zur Kasse. Dort allerdings versuchte ein Kunde vor ihm – Murphys Gesetz lässt grüßen – mehrmals vergeblich, mit seiner Kreditkarte zu zahlen. Laut Guido zog er „das Eisen“ mindestens sechs mal durch den Kreditkartenleser. Der Bissige, der im Warten eh nicht sonderlich stark ist, war kurz vorm platzen, als die Transaktion plötzlich tatsächlich funktionierte.

Gelöhnt und raus aus dem Salon, wer steht da nur noch? Ele!
Guido: „ Wo sind die beiden?“
Ele: „Schon wech!“
Guido: „Wo müssen wir denn hin?“

Schnell ran an die Bildschirme, aber nix von Dortmund geschweige denn „EZY0022“ zu sehen.

„Gibt’s doch gar nicht, lass uns mal nen Schalter suchen“
Nach weiteren vergangenen „important minutes“ nun endlich einen Schalter gefunden. Auf die lapidare Feststellung der angesprochenen Dame: „Not possible, Gate closed!“ entgegnete der Bissige ein verzweifeltes: „I HAAAAVVVVE TOOO GO TOOOO GERMANYYYYY!!!“
AW: „Yes indeed, but definitly not with this flight!“

Laut Aussage der beiden Protagonisten waren Sie an dieser Stelle kurz vor dem absoluten mentalen „Break Down“, also gewissermaßen dem „psychischen Erreichen der Spitze der Fahnenstange“ oder so ähnlich. Nach heutiger Aufarbeitung der Dinge – sofern das möglich ist – hat lediglich die unglaubliche Aussage am EasyJet Schalter, dass auch dieser Folgeflug, terminiert auf den nächsten morgen um ca. 11:00 Uhr, kostenlos sei und die sichere Aussicht auf einen erneuten Einzug in die „Bar des Voyageur“ eine irreparable chronische Depression verhindert.

Jason (nachdem er sich ca. 5 Minuten erleichterte hatte) und ich hingegen prosteten uns über dem von „Bonfire Feuerwerken“ erleuchteten Londoner Abendhimmel mit einem stilechten „Whyte and Mackays“ zu und sprachen mit einer Träne im Knopfloch ein Toast auf unsere „Lost Friends“ aus, die ihren London Aufenthalt eigenmächtig verlängert hatten. Anmerkung Bonfire: On the night of November 5th, throughout Britain, bonfires are set alight, effigies are burned, and fireworks are set off. The people do this to commemorate their country’s most notorious traitor: In 1605, Guy Fawkes (also known as Guido!!! – yes, really) and a group of conspirators attempted to blow up the Houses of Parliament. Jaaaa, hier lernt man noch was!!!

Kurz darauf dann die Aufforderung unseres blauen Freundes der Sitzreihe hinter uns, doch mal den an Bord befindlichen (Co-?)Redakteur des S04 Fanzines „Schalker Unser“ anzuhauen, dieser interessiere sich quasi brennend für derartige Geschichten und wer zweimal einen Bomber verpasst, darf nun mal in einem S04-Reisebericht definitiv nicht fehlen. Aus diesem Grund lege ich allen interessierten Lesern die Ausgabe Nr. 44 ans Herz, da werdet Ihr dann geholfen. Als wir dann nach einem erholsamen Flug um ca. 21:30 Uhr Ortszeit in Dortmund-Wickede landeten und am Kofferband warteten, knipste ich mein Handy wieder an.

Erste und sehr kurz gefasste SMS von Guido: „Danke“

Wir lachten uns scheckig und warteten dann allerdings vergeblich auf das Gepäck unserer beiden London Fans. Nachfragen am Flughafen ergaben dann, dass kein Gepäck ohne den zugehörigen Passagier an Bord geht, Infos an die Londoner erfolgten prompt. In der Halle erwarteten uns dann Tanja, Sandra und Lino, wobei die beiden Letztgenannten eine deutliche Abneigung gegen meinen „Jimmy Head“ nicht für sich behalten konnten.

Ich war wieder zu Hause ;-)))

Am Abend dann, das Essen schmeckte vorzüglich, noch ein längeres Telefonat – die Handy-Rechnung ließ erst kürzlich grüßen – mit den Lutonern, inhaltlich unter anderem mit dem Ele Zitat: „Eins schwör ich Dir, morgen sitzen wir spätestens um acht Uhr im Bomber!“ (Verschweigen möchte ich hier nicht, dass Sandra parallel dazu ein ebenso langes Gespräch mit Guidos Frau Anke hatte…;-)

Die beiden hatten zwischenzeitlich die „Voyageur“ wieder fest im Griff, Guido sang im Hintergrund unverkennbar seinen Hit „Ooooh-when the Hearts, go marching in“, hatte allerdings große Probleme, seine Stimme zu halten, die immer mehr einem Krächzen glich, aber das laute Gelächter der anwesenden Gäste drückte äußerstes Wohlgefallen aus. Zusätzlich hatten die beiden „by the way“ einen Ex-Profi der Hearts getroffen, der für längere Zeit nach Zypern und dort u.a. seine Memoiren schreiben wollte (KEIN WITZ!). Seine Profikarriere (3 Spiele für die Hearts) scheiterte nach eigener Aussage am zu großen Genuß frischer Pints, die Übernachtung unserer beiden Helden beim Onkel des hier Erwähnten hingegen an Ihrer längeren Abwesenheit zwecks Burger Genuss bei einer hier nicht genannten Fast Food Kette. So verblieb nur eine kurze Taxi Fahrt ins nächste Airport Hotel, eine Übernachtung scheiterte an der flauschigen 66,– GBP Forderung des Rezeptionisten, pro Nase versteht sich. Die Nacht wurde also in angenehmer Atmosphäre auf dem Boden des Flughafens verbracht, was Guido immerhin einen einwöchigen Gelben einbrachte.

Meine SMS am Samstag morgen an Guido: „WAR DAS SCHÖÖÖÖÖN!! Nach einer Nacht im eigenen Bett fühlt man sich doch glatt wie neugeboren.;-) Glückauf, Enatz.“ wurde erwidert durch ein einsilbiges: „Arschloch!“

Da meine SMS auch an Jason ging, kam kurz darauf dann auch ne SMS seinerseits: „Dito, der Vogel hat mir heute morgen schon um halb sechs belästigt, war bestimmt ne kurze Nacht für die beiden Kettenköter …“

Als Schlusswort möchte ich an dieser Stelle noch die Worte bei der Verabschiedung des schottischen Ex-Profis am Samstagmorgen von unseren beiden Protagonisten verstanden wissen, als er Ihnen zunächst erklärte, sie hätten auch gerne bei seinem Onkel übernachten können, wenn er denn gewusst hätte, wo die beiden gewesen sind und dann parlierte: „ I’ll go to Cyprus now and I’ll write my memoires and you both will be part of it definitely…“

DEM IST NICHTS HINZUZUFÜGEN, ICH DANKE SIE!!!

THE END.

Als Nachtrag sollte nicht unerwähnt bleiben:

Die Familien der 4 Schottland-Fahrer nahmen erleichtert zur Kenntnis, dass mit dem Abschluss der Gruppenphase des UEFA-Pokals die „Hearts“ durch eine 0:1 Heimniederlage gegen Ferencvaros Budapest aus dem Wettbewerb ausgeschieden sind, eine Neuauflage der November-Partie blieb somit vorerst ausgeschlossen. Auch das Ausscheiden der beiden Glasgow Clubs „Celtic“ und „Rangers“ wurde mit großer Zufriedenheit registriert. Die 4 Schottland-Fahrer versicherten ihren Angehörigen, nicht zur nächsten UEFA-Cup Partie nach Shaktar Donezk reisen zu wollen, bei einem Weiterkommen hingegen wäre – bei gleichzeitiger Quali der Alemannia aus Aachen – das Müngersdorfer Stadion mit anschließendem „Zoch dorch Kölle“ ein lohnendes Ziel!

Die beiden London-Luton Fans Ele und Guido amüsierten sich köstlich darüber, das Ihre schottischen Reisepartner Jason und Enatz am Sonntag, den 28. November beim Besuch des Bundesliga Heimspiels des FC Schalke 04 gegen Arminia Bielefeld – hier wurde zum ersten Mal die Zugroute getestet – aufgrund intensiver Unterhaltung und völliger Ignoranz gegenüber der Umwelt statt in Gelsenkirchen HBF erst am Duisburger Hauptbahnhof ausstiegen. Die Partie gegen die Arminia erreichten wir anschließend per Taxi mit 15 minütiger Verspätung, allerdings konnte festgestellt, das das Pils am Duisburger HBF schmackhaft ist.

Vom Luton-Fan Guido verbissen gezogene Parallelen zum Verpassen eines Fliegers weisen die DB-Reisenden aber entschieden und entsprechend weit von sich!


„1904 Geschichten“.
Die Bitte geht an Alle: wenn ihr etwas habt aus über 100 königsblauen Jahren, etwas Wahres über Schalke, das ihr teilen wollt, Erlebnisse die erinnernswert sind oder ganz einfach Schilderungen, wie es war, wie man sich Eintrittskarten besorgte, wo in der Glückaufkampfbahn, dem Parkstadion oder der Arena man „daheim“ war, wie man dahin kam und wie es da zuging, oder was auch immer vielleicht jemand, der Schalke nur vom Fernsehen oder aus der Zeitung kennt, nie oder niemals wirklich wissen kann – aber vielleicht sollte – schickt mir (matthias.berghoefer[at]web.de) einfach eure Texte, Dreizeiler oder halbe Romane und egal wie’s mit Rechtschreibung aussieht. Hauptsache das, was ihr erzählt, ist wirklich wahr, man erkennt um welches Jahr es geht (wenigstens ungefähr) und ihr habt kein Problem damit, dass es hier, und vielleicht auch irgendwann mal in einem Buch, veröffentlicht wird – natürlich unter eurem Namen, oder einem „Pseudonym“ falls euch das aus irgendeinem Grund lieber ist.
1904 Geschichten sind eine Menge Holz. Ich bin mal gespannt.

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7 Antworten zu “Wenn einer eine Reise tut…

  1. Sehr schön und sehr lang. Muss ich gleich noch mal lesen …

  2. Einfach nur gut

  3. Ich erinnere mich – mit dem nötigen Abstand ;-)))) – auch immer wieder gerne zurück!

    GA, Enatz

  4. …sehr schön!

  5. Tolle Geschichte, schreib mehr von Euren Geschichten auf, hast auf jedenfall Talent.

    KBWG

    Michael

  6. Klasse. Ich habe mich schon lange nicht mehr so über einen Beitrag amüsiert. Bitte mehr!!!

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