Mein persönliche Schalke Geschichte

Chris aus Nordbaden ist kein Vereinsmitglied, aber seit Jahrzehnten, seit einem denkwürdigen Kantersieg im fernen Süden, trotzdem vereinstreue Königsblaue, egal wer gerade auf der Trainerbank sitzt.

Chris blickt zurück auf ihre Jahre mit Schalke, in denen Live-Erlebnisse nicht in Massen vorkommen, die ihr aber vielleicht gerade deshalb umso intensiver in Erinnerung bleiben.

Geboren 1963 im tiefen Südwesten, nahe Heidelberg, wurde ich bereits im zarten Alter von 13 Jahren glühender Schalke Fan. Da bei uns Zuhause nur der FC Bayern zählte und mein Vater ein großer Bayern und Sportfan war, wurde schlicht und weg alles im TV geguckt was mit Sport zu tun hatte. Natürlich auch die Sportschau und genau seit diesem einen Samstag im Oktober 1976, dem denkwürdigen 7:0 bei den hochgeliebten Bayern meines Vaters, schlägt mein Herz königsblau. Die vier Tore von Klaus Fischer haben mich geprägt……was habe ich meinen Vater damit aufgezogen, noch Jahre danach..
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Während meiner Pubertät sammelte ich alles über Klaus Fischer, „Abi“ Abramczik, die Kremers-Zwillinge, einfach alles über Schalke, was die Bravo und die Bild hergaben. Mehrere Poster der Schalker Spieler neben dem Bravo-Starschnitt von Sweet prangten in meinem Zimmer direkt auf der groß gemusterten 70er Jahre Tapete an der Wand, und meine Mutter regte mich damit auf, dass es für ein Mädel doch total unschicklich sei, sich nur für Fußball zu interessieren. Sie erreichte damit überhaupt nichts, aus der Schwärmerei eines pubertierenden Mädchens wurde echte Fantreue, die bis heute anhält. Einmal Schalker, immer Schalker, das gilt auch für mich.

Bis ich allerdings ein Spiel live verfolgen konnte, vergingen noch genau 10 Jahre.
Im März 1986 überredete ich meinen damaligen Freund und jetzigen Mann, eingefleischter Sechziger Fan, mit mir zu Waldhof Mannheim zu fahren. Schalke war da zu Gast und ich musste da hin, egal wie.
Tja, es war ein nasskalter Frühlingstag, Regen satt, keine Überdachung im Südwest Stadion in Ludwigshafen (in dem Mannheim damals spielte), wir verloren 0:3, aber für mich stand fest, es war alles richtig, was ich fühlte…..mitten unter der Schalker Fangemeinschaft erlebte ich zum ersten Mal diese Zusammengehörigkeit, die einfach einmalig ist.

29. Spieltag, 29.3.1986
Waldhof Mannheim – FC Schalke 04 3:0(1:0),
Schalke: Junghans, Fichtel, Kruse, Schipper(12.Schatzschneider), Kleppinger, Dierßen, Dietz(58.Marquardt), Thon, Opitz, Hartmann, Täuber
Tore: 1:0 Walter (8.), 2:0 Schön (56.), 3:0 Walter (89.)
Zuschauer: 8.000

Ich bin immer noch kein regelmäßiger Stadiongänger, was ich mir bei der Entfernung zum Pott einfach nicht leisten kann, aber trotzdem liebe ich Schalke genauso wie einer der alle zwei Wochen inner Nordkurve steht.

Mein zweites Live Erlebnis fand im Olympia-Stadion in München in der denkwürdigen Saison 2000/2001 statt. Ich muss euch ja nicht sagen wie das Spiel ausging und wer drei Tore schoss….und ich stand mitten unter einer Busladung Bayern-Fans aus unserem Dorf. War das eine Freude wie die ihre Köpfe hingen ließen und ich ausgelassen auf der Tribüne herum hüpfte. Die Fangesänge auf dem Weg aus dem Stadion in die U-Bahn ( wer baut die größte Burg am Strand? Ebbe Ebbe Sand…….usw.) werde ich mein Leben lang nicht vergessen.

Samstag, 14. April 2001, 15.30 Uhr
FC Bayern München – Schalke 04 1:3
FC Schalke 04: Reck – Hajto, Nemec, Waldoch – Asamoah (89. Latal), van Hoogdalem, Möller, Büskens, Böhme – Sand, Mpenza
Tore: 1:0 Jancker (3.), 1:1 Sand (14.), 1:2 Sand (48.), 1:3 Sand (76.)
Zuschauer: 63.000 (ausverkauft)

Ein Jahr danach fand dann, im ersten Jahr der Arena auf Schalke, mein Debüt in der „Donnerhalle“ (darf ich das auch sagen?) statt.
An meinem Geburtstag durfte ich mir das mickrige 1:0 gegen die Mannschaft, die mein Mann so liebt, angucken, das durch ein Eigentor des gegnerischen Torwarts entschieden wurde. Aber mein persönliches Highlight dieses Tages fand sowieso schon vor dem Spiel statt. Wir hatten ganz kurzfristig drei Karten auf der Haupttribüne bekommen, ziemlich weit unten, ich glaube so in der 10. Reihe, ziemlich in der Mitte. Wir waren schon so früh im Stadion, dass wir uns in unserem Block noch frei bewegen konnten, bevor alle Menschen um uns eintrafen, als die Schalker Jungs in die Arena kamen. Gerald Asamoah und Jörg Böhme trugen ne Kiste Bananen ins Stadion und erblickten meinen 10-jährigen Sohn, der sie vor der Balustrade in der untersten Reihe ehrfürchtig anstarrte. Sie schmissen ihm Bananen hoch und er wusste nicht ob er die Bananen konservieren lassen, oder doch lieber essen sollte. Er entschied sich fürs essen, denn seine Liebe zu Schalke fand nur an diesem Tag statt, danach orientierte er sich noch westlicher, nämlich zu Alemannia Aachen (welch ein Gräuel für mich, ganz alleine auf weiter Flur in unserer Familie). Gott sei Dank konnte ich schon früh meine Nichte mit dem Schalke Virus infizieren, mit der ich auch am 12. Februar dieses Jahres gegen Freiburg live im Stadion war.

In der Saison 2003/2004 war es endlich wieder soweit, dass ich in der Arena war. Diesmal wollte ich alles vom schönsten Fußballtempel der Welt sehen. Ich schenkte meinem Mann zu Weihnachten, natürlich ganz uneigennützig, einen Heimspiel-Erlebnistag, natürlich wieder gegen seine Mannschaft, anders war er ja gar nicht zu bewegen mit mir nach Gelsenkirchen zu fahren.
Tja, am Wochenende davor besiegten wir die Zecken in deren Wellblechhütte mit 1:0 und der nette Führer, der uns durch die Arena schleuste, in Bereiche die man sonst nicht sehen kann, wow, das war so toll, machte ständig seine coolen Witze darüber. Das eigentliche Spiel war wieder mal deprimierend, obwohl wir tolle Plätze hatten und so nah an der Auswechselbank saßen, dass wir den Rauch von Rudis Zigarre mit inhalieren konnten.

18. Spieltag
Freitag, 30. Januar 2004, 20.30 Uhr
Lüdenscheid-Nord- FC Schalke 04 0:1 (0:0)

19. Spieltag
Samstag, 7. Februar 2004, 15.30 Uhr
FC Schalke 04 – 1860 München 0:0

Danach ergab sich mir die Möglichkeit lange nicht mehr, ein Spiel live auf Schalke zu sehen. Sechzig stieg ab und ich alleine nach Schalke??? Dat ging nicht.

Leider habe ich bisher bei meinen Spielbesuchen, außer in München damals, wirklich kein einziges großes Spiel unserer Mannschaft gesehen. Auch nicht in Hoffenheim letzte Saison – ein Katastrophenkick unserer Elf am Anfang der Saison – an das ich mich nicht gerne erinnere (Ausnahme Raúl. Tja, datt is ein toller Sportsmann und Typ, aus der Sicht einer Frau sowieso )

Zum Abschluss möchte ich euch noch ein nettes Erlebnis von der Saison 2009/2010 erzählen. Hoffenheim-Schalke (Hoffenheim ist ein Nachbarort von uns, ca. 10 km entfernt)
Karten hatte ich keine bekommen, aber ich wollte mir natürlich nicht entgehen lassen mich mit den Schalker Fans zu identifizieren. Meinem Mann machte ich das mit einem Besuch beim Hornbach Baumarkt, der sich ebenfalls ins Sinsheim befindet, schmackhaft. Ganz früh am Morgen sind wir also aufgebrochen. Kaum ein Fan war noch unterwegs. Auf unserem Weg nach Sinsheim müssen wir das Dorf Hoffenheim passieren und was sah ich da?
Einen Uralt Corsa, eindeutig als Schalker Gefährt, samt Insassen, zu bezeichnen, parkte direkt vorm Ortsschild. Einige junge und jung gebliebene Herren hatten sich ums Schild gruppiert und einer schoss Fotos von ihnen. (falls das jetzt jemand liest, der in dieser Gruppe dabei war, bitte ich um Entschuldigung) Ich lachte mir echt fast den Arsch ab, das war so lustig…., aber für Außenstehende ist es einfach nicht zu verstehen, dieses Dorf zu sehen…und dann zu wissen, die spielen Bundesliga.

Tja, das waren meine persönlichen Augenblicke mit Schalke und ich hoffe es kommen noch ganz viele dazu. Ab jetzt will ich wenigstens einmal pro Saison zu meinen Schalkern in den tiefen Westen reisen.


„1904 Geschichten“.
Die Bitte geht an Alle: wenn ihr etwas habt aus über 100 königsblauen Jahren, etwas Wahres über Schalke, das ihr teilen wollt, Erlebnisse die erinnernswert sind oder ganz einfach Schilderungen, wie es war, wie man sich Eintrittskarten besorgte, wo in der Glückaufkampfbahn, dem Parkstadion oder der Arena man „daheim“ war, wie man dahin kam und wie es da zuging, oder was auch immer vielleicht jemand, der Schalke nur vom Fernsehen oder aus der Zeitung kennt, nie oder niemals wirklich wissen kann – aber vielleicht sollte – schickt mir (matthias.berghoefer[at]web.de) einfach eure Texte, Dreizeiler oder halbe Romane und egal wie’s mit Rechtschreibung aussieht. Hauptsache das, was ihr erzählt, ist wirklich wahr, man erkennt um welches Jahr es geht (wenigstens ungefähr) und ihr habt kein Problem damit, dass es hier, und vielleicht auch irgendwann mal in einem Buch, veröffentlicht wird – natürlich unter eurem Namen, oder einem „Pseudonym“ falls euch das aus irgendeinem Grund lieber ist.
1904 Geschichten sind eine Menge Holz. Ich bin mal gespannt.

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