Die richtige Farbe

Davor Vutuc ist in Baden-Württemberg zuhause und seit 40 Jahren Schalker, verpasst fast kein Spiel, muss die meisten aber in der viereckigen Kiste gucken.

Über die Macht der Farben und deren Auswirkungen auf Stadionbesuche und eigentlich das ganze Leben…


 
Ich stamme weder aus dem Ruhrgebiet, noch habe ich Vater, Onkel oder sonstige Verwandte, die mir den Schalke Virus hätten weiter vererben können. Wieso wurde ich also Schalke Fan ? Dies Frage wurde mir bereits oft von Freunden und Bekannten gestellt und die Antwort ist so simpel wie gleichzeitig kompliziert: Ich bin 1968 im Alter von 4 Jahren mit meinen Eltern aus Kroatien nach Heilbronn in Baden-Württemberg gezogen und die ersten Freunde die ich hatte waren Kumpels vom Bolzplatz. So habe ich relativ früh meine Liebe und Interesse zum Fußball entdeckt und mir begeistert Fußballspiele (hauptsächlich im Fernsehen) angesehen.

Mit 5,6 Jahren waren mir die einzelnen Mannschaften jedoch noch relativ egal und Stuttgart (was regionale Nähe angeht) war in diesem Alter für mich genauso weit entfernt wie Berlin, Hamburg oder Moskau. Es gab damals daher nur ein Kriterium für die Sympathie einer Mannschaft gegenüber und das war meine Lieblingsfarbe und die war schon immer Blau. Also egal wer gegeneinander gespielt hat, wenn Blaue dabei waren war ich für diese.

Dies hat mir manchen Ärger eingebracht, so z.B. als mich mein Vater in der Saison 1969/1970 zu meinem ersten Fußballspiel ins Stadion des VFR Heilbronn (damals zweithöchste Spielklasse Regionalliga Süd) mitnahm. Der VFR hat nämlich in Schwarz Weiss gespielt und als ich Knirps das Glück hatte einen Ball aufzufangen der über den Zaun geschossen wurde, habe ich diesen nicht dem empfangsbereiten Heilbronner Spieler zugeworfen, sondern einem gegnerischen Spieler in Blau, auch wenn die Blauen gar nicht den Einwurf hatten. Dies hat mir die Pfiffe von ein paar tausend heimischen Zuschauern eingebracht, so dass ich mich auch 40 Jahre danach noch gut an diesen Augenblick erinnern kann.

Theoretisch war ich also für die Blauen, in der Praxis war dies jedoch nicht immer so einfach. Denn wenn ich die Zusammenfassung der Bundesligaspiele in der Sportschau Samstag abends angeschaut habe (wenn ich mich recht erinnere, wurden damals nur 2-3 Spiele pro Spieltag gezeigt) bestand das Problem, dass wir nur einen Schwarz-Weiss Fernseher hatten – wurde damals überhaupt schon in Farbe übertragen? So konnte ich oft nicht sicher sein, ob ich überhaupt für die richtige Mannschaft die Daumen drücke oder nicht die in dunklen Farben spielende Mannschaft, die ich für die Blauen hielt, in Wahrheit eigentlich in Rot spielte. So habe ich bestimmt öfters die falschen (Igitt z.B. die Bayern) angefeuert, obwohl Blaue überhaupt nicht mit spielten.

Eines hat es mir allerdings immer leichter gemacht. Nämlich dann, wenn die Reporter von den königsblauen Schalkern oder von den in Blau spielenden Knappen sprachen, konnte ich sicher sein, auch die richtige Mannschaft anzufeuern. Ergo hat sich mir verhältnismäßig früh der Name Schalke eingeprägt und mit dem Namen Schalke die Namen vieler Spieler, die meine Idole wurden, z.B. Nigbur, Fischer, Tanne Fichtel, der viel zu früh verstorbene Rüssmann, die Kremers Zwillinge oder mein erster Lieblingsspieler, Klaus Scheer, die 10 war nämlich zufällig meine Lieblingsnummer.

Als zunächst einziger Schalker auf der Schule hatte ich es nicht leicht und musste ständig die Schalker Fahne hoch halten inmitten der Horde der VFB- oder vereinzelt auch Bayern-Fans. Aber ich wusste mir zu helfen und habe meinen zwei Jahre jüngeren Bruder ebenfalls zum Schalke Fan bekannt, so dass ich bald Unterstützung hatte.

Ich (und damit später auch mein Bruder) wurde also Fan des geilsten Clubs der Welt dank meines guten Geschmackes für Farben. Und Ihr dürft mir glauben, heute feuere ich auch dann Schalke an, wenn sie in Weiß gegen Blaue antreten.


„1904 Geschichten“.
Die Bitte geht an Alle: wenn ihr etwas habt aus über 100 königsblauen Jahren, etwas Wahres über Schalke, das ihr teilen wollt, Erlebnisse die erinnernswert sind oder ganz einfach Schilderungen, wie es war, wie man sich Eintrittskarten besorgte, wo in der Glückaufkampfbahn, dem Parkstadion oder der Arena man „daheim“ war, wie man dahin kam und wie es da zuging, oder was auch immer vielleicht jemand, der Schalke nur vom Fernsehen oder aus der Zeitung kennt, nie oder niemals wirklich wissen kann – aber vielleicht sollte – schickt mir (matthias.berghoefer[at]web.de) einfach eure Texte, Dreizeiler oder halbe Romane und egal wie’s mit Rechtschreibung aussieht. Hauptsache das, was ihr erzählt, ist wirklich wahr, man erkennt um welches Jahr es geht (wenigstens ungefähr) und ihr habt kein Problem damit, dass es hier, und vielleicht auch irgendwann mal in einem Buch, veröffentlicht wird – natürlich unter eurem Namen, oder einem „Pseudonym“ falls euch das aus irgendeinem Grund lieber ist.
1904 Geschichten sind eine Menge Holz. Ich bin mal gespannt.

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2 Antworten zu “Die richtige Farbe

  1. is aber auch ne heftich schöne Farbe 🙂

  2. Über guten Geschmack läßt sich bekanntlich nicht streiten ;-)))

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