Da kennt das sture Volk keine Verwandten

Hartmut Pakulla stellt lieber seine Mutter vor, die Schalke-Fan ist, zwar noch nie im Stadion war, aber alles liest und sieht über den S04, und als Familienoberhaupt alle manchmal daran erinnert, dass es auch noch etwas anderes als Fussek gibt.

Heute erlaubt uns Hartmut Pakulla einen Blick in den Briefwechsel, den seine Mutter aus triftigem Grund mit dem Deutschen Fussball-Bund führte…


Briefwechsel zwischen meiner Mutter und Dr. Theo Zwanziger:
Gelsenkirchen, 12.05.2005

Sehr geehrter Herr Zwanziger!

Heute wende ich mich mit einer etwas außergewöhnlichen Bitte an Sie. Und zwar feiern wir, mein Mann und ich, am 3.9.2005 unsere Goldene Hochzeit. Da die ganze Familie und die Hälfte der anderen Gäste aber Schalke Fans und im Besitz einer Dauerkarte sind kommt ein echtes Problem auf uns zu. Falls Schalke dann ein Heimspiel hat, gehen alle auf Schalke, die Feier fällt ins Wasser und wir sitzen alleine da. Darum möchte ich Sie ganz herzlich bitten, falls es möglich ist, bei der Aufstellung des Spielplanes für die nächste Saison, Schalke 04 für den 03.09.2005 ein Auswärtsspiel zu verschaffen, oder ein Sonntagsspiel.

Wäre das machbar? Ich würde mich sehr freuen, denn Goldene Hochzeit feiert man ja nur einmal im Leben. Aber wenn Schalke spielt, kennt das sture Volk keine Verwandten. In der Hoffnung, dass Sie über meine Bitte nicht zu sehr schockiert sind
grüße ich Sie ganz herzlich
Christa Pakulla

Antwort vom DFB, Frankfurt, 19.05.2005:

Sehr geehrte Frau Pakulla,

Für Ihr Schreiben anlässlich der Terminplanung für Ihre Goldene Hochzeit danke ich Ihnen. In der Tat ist dies ein ganz besonderes Jubiläum, das zu feiern nicht vielen vergönnt ist. Ich darf Ihnen an dieser Stelle sehr herzlich zu Ihrer langjährigen Ehe gratulieren und hoffe, dass Ihnen und Ihrem Gatten noch viele glückliche Jahre beschieden sind.

Was Ihren zugegebenermaßen recht ausgefallenen Wunsch angeht, so kann ich leider keinerlei Zusagen machen, dass wir Ihre besondere familiäre Situation bei der Spielplanung berücksichtigen können. Einerseits liegt das Recht an der Ansetzung der Partien der Bundesliga bei der Deutschen Fußball Liga, anderseits wird es angesichts der immer engeren Terminplanung durch die Teilnahme des FC Schalke 04 in der Champions League oder dem UEFA-Pokal immer schwieriger, selbst nationale Belange in der Planung angemessen zu berücksichtigen. Insofern erfolgt die termingenaue Ansetzung der Spielpaarungen inzwischen relativ kurzfristig.

So sehr ich es bedaure, weil mich Ihr Schreiben tatsächlich nicht nur zum Schmunzeln gebracht, sondern auch wirklich bewegt hat, muss ich Ihnen sagen, dass eine Einflussnahme auf die Spielansetzungen nicht möglich sein wird.

Ich hoffe Sie haben Verständnis für die Zwänge, in denen wir uns bei der Terminplanung befinden und können Ihre Verwandtschaft doch dazu bewegen, bei aller nachvollziehbarer Begeisterung für unseren geliebten Sport die richtigen Prioritäten zu setzen.

Ich drücke Ihnen die Daumen, dass der oft zitierte „Fußballgott“ seine schützende Hand über Ihre Planungen für die Goldene Hochzeit hält und Schalke ein Auswärtsspiel beschert.

Mit freundlichen Grüßen
Dr. Theo Zwanziger

PS: Am 3.9.2005 spielte die Deutsche Fußball Nationalmannschaft in Bratislava gegen die Slowakei. Die Feier zur Goldenen Hochzeit war gerettet, der oft zitierte Fußballgott hatte tatsächlich seine schützende Hand über sie gehalten.


„1904 Geschichten“.
Die Bitte geht an Alle: wenn ihr etwas habt aus über 100 königsblauen Jahren, etwas Wahres über Schalke, das ihr teilen wollt, Erlebnisse die erinnernswert sind oder ganz einfach Schilderungen, wie es war, wie man sich Eintrittskarten besorgte, wo in der Glückaufkampfbahn, dem Parkstadion oder der Arena man „daheim“ war, wie man dahin kam und wie es da zuging, oder was auch immer vielleicht jemand, der Schalke nur vom Fernsehen oder aus der Zeitung kennt, nie oder niemals wirklich wissen kann – aber vielleicht sollte – schickt mir (matthias.berghoefer[at]web.de) einfach eure Texte, Dreizeiler oder halbe Romane und egal wie’s mit Rechtschreibung aussieht. Hauptsache das, was ihr erzählt, ist wirklich wahr, man erkennt um welches Jahr es geht (wenigstens ungefähr) und ihr habt kein Problem damit, dass es hier, und vielleicht auch irgendwann mal in einem Buch, veröffentlicht wird – natürlich unter eurem Namen, oder einem „Pseudonym“ falls euch das aus irgendeinem Grund lieber ist.
1904 Geschichten sind eine Menge Holz. Ich bin mal gespannt.

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