Niemals!

Kathrin Wegmann lebt in der Rheinländischen Diaspora und ist oft unterwegs mit den „RheinPOTT-Kanaken“.

Heute schreibt sie über ihr „erstes Mal“, dem entscheidenden Spiel gegen die Bayern 1996…


Sa 11.05.96 15:30 FC Schalke 04 – FC Bayern München 2:1 (1:1) das sind die harten Fakten zu diesem Spiel. Man kann erwähnen, dass Müller in der 90 Minute das 2:1 geschossen hat oder dass wir damit endlich wieder international waren – aber all das ist nicht das was zählt für mich.

Für mich war es mein erstes Mal auf Schalke. Parkstadion. Vatter hat mich mitgenommen. Meine Schwester ist dabei und noch ein Kegelbruder von Vatter mit seinen Töchtern. Ich bin aufgeregt, es ist mein erstes Bundesligaspiel. Ich bin komplett in zivil, denn einen Schal oder ein Trikot besitze ich noch nicht. Ich bin noch nicht mal richtig Fan, ich mag halt Fußball. Das denke ich zumindest- bis wir das Stadion betreten. Ab da wird alles anders. Staunend betrachte ich die Menschen auf dem Weg zu unserem Platz. Bin gefesselt von der Stimmung im Stadionrund, von dem was da um mich rum passiert. Dann laufen die Mannschaften zum ersten Mal auf den Platz, ich bin vollkommen fasziniert. Vatter holt uns Wurst und Limo, das ist wirklich ja herrlich hier. Und schließlich der Moment der alles veränderte: Unser Vereinslied wird gespielt und hinter mir singt mein Vatter aus voller Seele „Blau und Weiß wie lieb ich dich“. Ich dreh mich um (ich hab ihn so noch nie singen hören, nicht mal in der Kirche) und er hat Tränen in den Augen und DAS ist der Moment wo ich weiß: Das hier ist was ganz großes, was wichtiges, das ist mein Schalke, hier gehör ich hin. Ich werde diesen Moment nie vergessen.

Nachdem ich also erfolgreich infiziert war musste nur noch meine Schwester überzeugt werden. Die stand ziemlich gelangweilt im Block und mein Vatter versuchte wirklich alles um ihr das was da gerade unfassbares auf dem Platz passierte näher zu bringen. Er zählte ihr sämtliche Spieler inklusive deren Erfolge auf, aber dass sie nicht gähnte war alles. Doch plötzlich kam Leben in die Kleine! Sie begann zu hüpfen und zu schreien!! Aber nicht etwa wegen der Mannschaft, eines Tores oder eines Fouls, nein die Wachmänner gingen mit den Hunden an uns vorbei und das war für sie das Highlight des Tages „Papa, Papa kuck mal Hunde“. Meine Schwester wurde nie wieder mit ins Stadion genommen…

Seit diesem Tag bin ich Schalker. Mittlerweile hab ich Schals und Trikots, kenne die Gesänge und bin wann immer ich kann auf Schalke, immer mit meinem Fanclub, meinem Vatter und meinem Onkel. Immer der gleiche Zug, die gleichen Lieder, der gleiche Kiosk, der gleiche Block. Und in all dem Gleichen wird auch mir die Veränderung rund um Schalke sehr deutlich.

Und dann fahre ich zur Glück-auf-Kampfbahn und denke jedes Mal wenn ich auf den Platz schaue „Hier waren schon mein Oppa und mein Vatter zum Fußball“. Und dann weiß ich, dass ich genau hier hin gehöre und dass das mein Schalke ist. Das ist der Grund warum ich diesen Verein von Herzen liebe. Das ist der Grund warum ich stolz darauf bin Schalker zu sein. Nicht wegen großen Namen, Titeln oder Arenen. Sondern weil mein Oppa Schalker war und weil mein Vatter Schalker ist und mein Onkel und ich. Diesen Menschen gelten meine Gedanken im größten Erfolg und in der schmerzhaftesten Niederlage und in dem ganzen was dazwischen liegt. Wir sind Schalker! Das ist so und das ändert sich auch nicht. Das ist das was zählt, das ist das was andere nicht verstehen und das ist vor allem das was ich mir nicht kaputt machen lasse. Von niemandem. Niemals.


„1904 Geschichten“.
Die Bitte geht an Alle: wenn ihr etwas habt aus über 100 königsblauen Jahren, etwas Wahres über Schalke, das ihr teilen wollt, Erlebnisse die erinnernswert sind oder ganz einfach Schilderungen, wie es war, wie man sich Eintrittskarten besorgte, wo in der Glückaufkampfbahn, dem Parkstadion oder der Arena man „daheim“ war, wie man dahin kam und wie es da zuging, oder was auch immer vielleicht jemand, der Schalke nur vom Fernsehen oder aus der Zeitung kennt, nie oder niemals wirklich wissen kann – aber vielleicht sollte – schickt mir (matthias.berghoefer[at]web.de) einfach eure Texte, Dreizeiler oder halbe Romane und egal wie’s mit Rechtschreibung aussieht. Hauptsache das, was ihr erzählt, ist wirklich wahr, man erkennt um welches Jahr es geht (wenigstens ungefähr) und ihr habt kein Problem damit, dass es hier, und vielleicht auch irgendwann mal in einem Buch, veröffentlicht wird – natürlich unter eurem Namen, oder einem „Pseudonym“ falls euch das aus irgendeinem Grund lieber ist.
1904 Geschichten sind eine Menge Holz. Ich bin mal gespannt.

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